Shutdown in den USA
Nationalparks schließen: Das ist jetzt die große Angst
01.10.2025 – 12:06 UhrLesedauer: 3 Min.
Millionen Besucher strömen normalerweise in der jetzigen Jahreszeit in US-Nationalparks. Der Shutdown der Regierung wird die Touristen womöglich nicht davon abhalten, was ernste Folgen haben kann.
Seit Dienstagabend greift in den USA ein von Präsident Donald Trump angeordneter erneuter Stillstand der Bundesverwaltung. Zum sogenannten Shutdown gehört auch, dass Nationalparks geschlossen werden. Landesweit werden etwa 9.200 Beschäftigte in rund 433 Naturreservaten und Parks beurlaubt, was einer Reduzierung der Mitarbeiter um 64 Prozent entspricht.
Ein nervenaufreibender Zustand für die Beschäftigten – auch deshalb, weil Parks wie Yosemite (US-Bundesstaat Kalifornien), Yellowstone (Wyoming) oder der Grand Canyon (Arizona) nun teilweise unbewacht und schutzlos sind. Was bedeutet das für Parkbesucher und für die empfindliche Natur, die dort geschützt werden soll?
Die amtierende Direktorin des National Park Service (NPS), Jessica Bowron, stellte in einer internen E-Mail klar, dass sämtliche abgeschlossenen Einrichtungen wie Besucherzentren oder Parkplätze für die gesamte Dauer des Shutdowns geschlossen bleiben müssen. Das Schreiben, das die britische Tageszeitung „Guardian“ einsehen konnte, zeigt, wie ernst die Lage eingeschätzt wird.
Denn Besucher strömen trotz offizieller Schließungen weiterhin in die Nationalparks, und zwar unbeaufsichtigt und ohne Schutz durch Ranger. Das hat der Shutdown von 2019 gezeigt. Sie betreten das Gebiet über Straßen, Wege oder Pässe, die nicht abgesperrt werden oder deren Absperrungen (heruntergelassene Schlagbäume etc.) einfach umgangen werden können.
Die Folgen sind gravierend. In einem Brief an US-Innenminister Doug Burgum warnten 40 ehemalige Park-Superintendenten bereits: „Nationalparks laufen nicht von selbst. Es sind die hart arbeitenden Mitarbeiter des National Park Service, die sie sicher, sauber und zugänglich halten.“ Sie mahnten: „Wenn nicht genügend Personal vor Ort ist, sollten Besucher es auch nicht sein.“
Wie groß die Gefahr ist, zeigte sich bereits während eines einmonatigen Shutdowns in Trumps erster Amtszeit im Jahr 2019. Die Bilanz: eine Spur der Verwüstung. Im Big-Bend-Nationalpark (Texas) wurden prähistorische Petroglyphen zerstört, im Joshua-Tree-Nationalpark (Kalifornien) jahrhundertealte Bäume gefällt. Müllberge türmten sich, Toiletten liefen über. Im Death Valley (Kalifornien und Nevada) wurden durch illegales Offroad-Fahren empfindliche Lebensräume zerstört. Es gab Berichte über Wilderei, Besucherzentren wurden aufgebrochen, ausgeraubt und verwüstet.
„26 Seiten dokumentierter Schäden“ habe es allein in diesem Zeitraum gegeben, berichtete Kristen Brengel von der National Parks Conservation Association dem „Guardian“. Und das war die Situation in den Wintermonaten, wenn viele Parks üblicherweise weniger frequentiert sind.
Gefährdet sind im Shutdown den Experten zufolge aber nicht nur die Parks selbst, sondern auch Besucher, die sich trotz Verbots dort aufhalten. Was könnte jetzt konkret gefährlich werden?
Die große Angst der Verantwortlichen ist, dass nun im Herbst weiterhin Millionen Besucher anreisen. Ausländische Touristen, die sich bereits im Land befinden, lassen sich durch die Schließungen womöglich nicht abschrecken. Und auch einheimische Besucher, die am Ende des Sommers einen Parkausflug geplant haben, könnten ihren Aufenthalt einfach durchziehen. Eine Zahl zeigt die Größenordnung der Besucherströme: Allein im Oktober 2024 zählte der NPS in US-Nationalparks über 28,4 Millionen Erholungssuchende.
