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Präsidentin der Humboldt-Universität zu Berlin: Sabine Kunst tritt aus Protest gegen neues Hochschulgesetz zurück – Wissen

Die Präsidentin der Humboldt-Universität Sabine Kunst will ihr Amt niederlegen. Das erklärte die Ingenieurwissenschaftlerin und Wissenschaftsmanagerin, die die Humboldt-Universität seit 2016 in der zweiten Amtszeit leitet, am Dienstagvormittag im Akademischen Senat der HU.

Ihr Rücktritt erfolge aus Protest gegen das neue Berliner Hochschulgesetz (BerlHG) – zum Ende des Jahres, sagte Kunst. Sie habe sich “analytisch und emotional gequält”, um diese Entscheidung zu treffen. “Das fällt mir außerordentlich schwer”, betonte die HU-Präsidentin vor dem Gremium.

“Persönlich halte ich die wissenschaftspolitischen Weichenstellungen des BerlHG für gut gemeint, aber schlecht gemacht”, sagte sie weiter in ihrer Stellungnahme, die die HU kurz nach der Rücktrittsankündigung auch in einer schriftlichen Fassung verbreitete. Die CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus forderte sogleich die Rücknahme des Hochschulgesetzes.

Als Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz der Berliner Hochschulen hatte Kunst die Pläne zur Novelle des Berliner Hochschulgesetzes von Anfang an scharf kritisiert. Zuerst richtete sich der Protest gegen die Einschränkung der sogenannten Erprobungsklausel, die den Hochschulleitungen größere Freiräume bei Entscheidungen gibt.


Vorwurf, der Uni seien “die Füße weggeschlagen” worden

Dann wurde in letzter Minute eine Regelung in das Hochschulgesetz aufgenommen, nach der die Universitäten Postdoktoranden auf Qualifikationsstellen grundsätzlich entfristen müssen, wenn sie sich bewähren. Das ist jetzt auch im Kern der Punkt, der Kunst zum Rücktritt bewegte: “Uns ohne Ressourcen, jetzt auf gleich, ohne Übergang, die Füße wegzuschlagen: Das geht nicht”, sagte Kunst.

“Ich habe dafür keine vernünftige Lösung”, erklärte sie mit Bezug auf die Post-Doc-Regelung im Hochschulgesetz. In ihrer persönlichen Erklärung schreibt Kunst: “Die Novelle des BerlHG führt zwingend zu einer Transformation der ,Faculty’ und der Personalstrukturen der Universität.”

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Mit den Änderungen zu den Postdoktoranden in Paragraf 110 “wird sich die Zahl von unbefristet beschäftigten wissenschaftlichen Mitarbeitern über die Jahre hinweg deutlich erhöhen”, erklärt Kunst. Darauf seien die “aktuellen Strukturen” nicht ausgerichtet. Die “damit verbundenen Zielkonflikte” zu lösen, sei eine “Aufgabe der nächsten fünf bis zehn Jahre”. Dafür will Kunst nun nicht mehr als Präsidentin zur Verfügung stehen.

“Wie haben Sie gerade erst wiedergewählt”

Die Mitglieder des Akademischen Senats reagierten in der Sitzung erschüttert auf Kunsts Erklärung. „Ich bin fassungslos“, sagte Gabriele Metzler, Professorin für Geschichte. Mit Blick auf die Novelle sagte Metzler: „Es sollte der Berliner Landespolitik zu denken geben, wenn selbst erfahrene Hochschulmanager damit nicht arbeiten können.“

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