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Tönnies und Co. sollen Separatorenfleisch verarbeitet haben

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Mit einer neuen Methode finden Forscher Separatorenfleisch in vielen Fleischprodukten von großen Herstellern wie Tönnies oder Wiesenhof. Dabei handelt es nicht mehr um Fleisch, sondern ein Ersatzprodukt aus Tierresten. Die Verarbeitung muss deklariert werden, was aber oft nicht geschieht.

Gleich mehrere große Fleischkonzerne in Deutschland sollen in Wurst- und Aufschnittprodukten auf Separatorenfleisch zurückgegriffen, dies nicht auf der Verpackung deklariert und damit Verbraucher über den Inhalt getäuscht haben. Das berichten NDR und „Spiegel“. Demzufolge hatten Forscher der Hochschule Bremerhaven bei Tests Hinweise auf Separatorenfleisch bei einem Drittel der 30 überprüften Produkte gefunden. Zahlreiche getestete Fleischerzeugnisse stammen von den Herstellern Wiesenhof und Tönnies. Die Hersteller weisen die Vorwürfe jedoch zurück.

Bei Separatorenfleisch handelt es sich rechtlich nicht mehr um Fleisch, sondern um eine „Ersatzzutat“, weil bei der Herstellung viele Schlachtreste mitverarbeitet werden. Oft werden ganze Tierkörper in eine große Maschine gegeben. So werden dann Fett, Muskelfasern, zerkleinerte Knochen und Bindegewebe zu einer breiigen Masse zusammengepresst, die abschließend zwar fein gesiebt wird; Sehnen, Rückenmark oder Nervengewebe können so dennoch ins Fleisch gelangen. „Erlaubt ist der Verkauf oder die Beimischung des Fleischbreis nur, wenn er vom Schwein oder Geflügel stammt – und wenn dies auf der Packung gekennzeichnet ist“, schreibt der „Spiegel“.

„Wenn Fleischkonzerne Separatorenfleisch verwursten, ohne auf den Produkten darauf hinzuweisen, ist das Verbrauchertäuschung im großen Stil“, sagte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg dem Magazin. Foodwatch spricht sogar von „Betrug an den Verbraucherinnen und Verbrauchern“, sollte sich der Verdacht bestätigen: „Die Ware dürfte nicht verkauft werden.“

Hersteller zweifeln an Forschungsmethode

Das Forscherteam aus Bremerhaven konnte Separatorenfleisch durch ein neues Verfahren nachweisen, das in den Fleischerzeugnissen nach einem bestimmten Protein sucht, das nur in Knorpeln und Bandscheibe vorkommt. In einer Blindstudie konnten die Wissenschaftler zuvor schon in 41 von 42 Testwürsten – mit und ohne Hinweis auf Separatorenfleisch – nachweisen, dass eben dieses Protein vorkommt.

Sämtliche Hersteller der nun getesteten Produkte haben den Einsatz von Separatorenfleisch laut „Spiegel“ jedoch bestritten. Ein Unternehmenssprecher einer Tönnies-Tochter zweifelte die Untersuchungsmethode an und verwies auf Verarbeitungsfleisch von jungem Geflügel, das einen geringen Teil Knorpelzellen enthalten könne. Knorpel-Marker waren allerdings gar nicht untersucht worden. Auch eine von Wiesenhof beauftragte Anwaltskanzlei betonte, dass die Methode noch nicht amtlich anerkannt sei.

Das könnte sich aber bald ändern. Aus dem Landesamt für Lebensmittelsicherheit in Mecklenburg-Vorpommern hieß es, die Methode sei „zukunftsweisend“. Prüflabore hätten bereits die nötige Ausstattung, sodass Lebensmittelkontrolleure sie in ihrem Arbeitsalltag nutzen könnten.

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