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Sollten Anleger jetzt noch bei Novo Nordisk einsteigen?

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Die Abnehmspritze des Herstellers Novo Nordisk erfreut sich immenser Beliebtheit und hat den Pharmakonzern sogar zum wertvollsten Unternehmen in Europa gemacht. Im Interview erzählt CMC-Market Analyst Oldenburger, ob der Hype anhält und was dem Unternehmen zum Verhängnis werden könnte.

ntv.de: Der Hype um die Abnehmspritze Wegovy hat den dänischen Hersteller Novo Nordisk zum wertvollsten Unternehmen Europas gemacht. War das absehbar?

Konstantin Oldenburger: Nein, absolut nicht. Der Erfolg des Unternehmens kam total überraschend. In der Pharmaindustrie sind zwar immer mal wieder unterschiedliche Medikamente en vogue. Dadurch generieren die Unternehmen Rekordgewinne. Dass die Abnehmspritze Novo Nordisk allerdings zum wertvollsten Unternehmen Europas macht, hätte so niemand vorhergesagt. Die Kurs-Performance von über 3000 Prozent ist atemberaubend.

Konstantin Oldenberger ist Analyst bei CMC-Markets.

Die Dänen haben den französischen Luxushersteller LVMH vom Thron gestoßen. Ist es Menschen inzwischen wichtiger, schlank zu sein, als eine teure Handtasche zu besitzen?

Kurz vorab: Novo Nordisk hat zwei Medikamente auf dem Markt. Wegovy ist ausschließlich für die Behandlung von Adipositas entwickelt worden. Das andere Mittel, Ozempic, ist eigentlich für Diabetes-Kranke gedacht. Letzteres wird unter der Hand auch benutzt, um abzunehmen. Schlank sein ist eine Modeerscheinung. Gleichzeitig muss man LVMH zugestehen: Das Unternehmen liefert eigentlich gut ab. Die Zahlen im letzten Quartal waren okay. Die Aktie hatte zuletzt allerdings eine Seitwärtsphase.

Wieso?

Das liegt auch an der schlechten wirtschaftlichen Lage in China. Vor allem die Umsätze dort sind für den Luxusgüterhersteller sehr wichtig. Deswegen nehmen die Anleger erstmal ein bisschen den Fuß vom Gaspedal. Novo Nordisk profitiert zusätzlich von einem positiven Preisumfeld in den USA. Das Mittel wird dort für 1000 Dollar verschrieben, in Europa kostet es gerade mal 300 Euro. Das zeigt, wie groß die Margen gerade in Amerika sind. In den USA gehen Schätzungen davon aus, dass bis zu 100 Millionen Menschen an Adipositas leiden. Das wäre natürlich ein Wahnsinnsmarkt.

Novo Nordisk
Novo Nordisk 177,66

Aktuell können die Produktionskapazitäten die Nachfrage kaum stillen. Wer könnte Novo Nordisk Konkurrenz machen?

Der Markt für Adipositas ist ein Duopol. Momentan teilen sich Novo Nordisk und Eli Lilly den Markt auf. Sollte Novo Nordisk in Schwierigkeiten geraten oder ein günstigeres Medikament verfügbar sein, kann es zu einem Duell kommen. Pfizer und das deutsche Unternehmen Boehringer Ingelheim forschen momentan an einem ähnlichen Medikament. Beide Firmen haben Forschungsstudien laufen. Es wird aber erst in drei Jahren mit Ergebnissen gerechnet. Vorher kann also kein anderes Unternehmen mit Novo Nordisk und Eli Lilly konkurrieren.

Die Aktie von Novo Nordisk hat seit 2020 ihren Preis verdreifacht. Was geht da noch?

Der Aktienkurs hat wirklich eine sehr tolle Performance hingelegt. Mit dem heutigen Tag hat die Aktie 41 Prozent in Dänemark zugelegt. Sollten die Papiere auf positive Nachrichten eines Tages nicht mehr reagieren, dann ist wahrscheinlich auch der Hype vorbei. Der Tiefpunkt der Aktie lag im Juli dieses Jahres bei 1008 dänischen Kronen. In der Charttechnik definieren Hoch- und Tiefpunkte einen Trend. Solange die Aktie also über der Marke von 1008 dänischen Kronen notiert, ist der Aufwärtstrend ungebrochen. Sollten die Papiere allerdings unter diese Marke fallen, wird es problematisch, und es droht sogar der Abverkauf.

Sollten Anleger jetzt noch einsteigen?

Viel von der aktuellen Kursentwicklung ist vom Hype getrieben. Das bedeutet: Immer mehr Menschen bekommen mit, dass ein Medikament auf dem Markt ist, das sehr hohe Gewinne verspricht. Ab einem gewissen Punkt ist eine Spekulationsblase unausweichlich. Für Anleger, die spät auf den Zug aufgesprungen sind, ist das einerseits sehr gefährlich.

Und andererseits?

Andererseits ist dieses Medikament so bahnbrechend, dass man nicht sagen kann, wie groß der Markt ist und wie viel das Unternehmen tatsächlich verdienen kann. Wenn sich der Markt noch erweitern würde, gäbe es natürlich einen neuen Spielraum, die Gewinne zu steigern – und dann sind noch ganz andere Kurse denkbar. Sollte letztendlich sogar ein Weltmarkt entstehen, reden wir von noch höheren Kursen und einer Apple-Situation. Vielleicht ist eine Abnehmpille auf den ersten Blick nicht wirklich mit einem Smartphone vergleichbar, aber nutzen Milliarden Menschen weltweit dieses Medikament, dürfte Novo Nordisk wie Apple auf Jahre, vielleicht Jahrzehnte hinaus den Markt dominieren und die Preise diktieren.

Was muss passieren, damit der Hype ein jähes Ende findet?

In der Pharmabranche sind Nebenwirkungen oder spätere Erkenntnisse über eine Behandlung oft ein Problem. Das kann eine Gefahr werden, vor allem, wenn die Medikamente im privaten Gebrauch zum Abnehmen missbraucht werden. Dann stellt sich die Frage: Was steht auf dem Beipackzettel oder wie hat die Firma Verbraucher über dieses Medikament aufgeklärt? Eine Folge könnten Klagen sein. Die Hürden in den USA, dem Hauptmarkt von Novo Nordisk, vor Gericht zu ziehen, sind bekanntermaßen nicht besonders hoch.

Mit Konstantin Oldenburger sprach Juliane Kipper

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