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„Politischste Messe, die ich je erlebt habe“

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Nach zwei Jahren Pandemie-Pause hat die Hannover Messe wieder vor Ort stattgefunden, allerdings mit deutlich weniger Ausstellern und Besuchern. Deutsche-Messe-Chef Jochen Köckler setzt dennoch auf Wachstum – selbst wenn Krieg und Krisen für kleinere Stände sorgen.

Die großen Messen sind zurück: Nach zwei Jahren Pandemie und der Absage zahlreicher Veranstaltungen erlebt Deutschland eine Serie an großen Veranstaltungen. „Durch den ganzen Sommer gibt es eine Ballung von Messen, wie ich sie so noch nicht erlebt habe“, sagte Jochen Köckler, Chef der Deutschen Messe, im Podcast „Die Stunde Null“. Ausgelöst sei die Dichte durch viele Verschiebungen. Auch wenn die Fachmessen ein unterschiedliches Publikum ansprächen, „nehmen wir uns alle ein bisschen was vom Kuchen weg“, räumte Köckler ein. „Aber im Nachgang war es sehr vernünftig, erst im Mai richtig loszulegen.“

Auf die Hannover Messe, die größte Investitionsgütermesse der Welt, kamen bis Anfang Juni rund 2500 Aussteller und 75.000 Besucher – 2019 waren es noch 6500 Aussteller und 215.000 Besucher. Ein Grund für die deutlich kleinere Zahl war, dass vor allem Unternehmen aus China wegen der dortigen Lockdowns kaum vertreten waren – nur rund 90 statt 1300 Aussteller wie noch 2019. „Der zweite Grund ist eine hohe Unsicherheit“, sagte Köckler. „Das geht uns privat ja genauso, wenn wir unsicher nach vorne gucken und nicht genau wissen, ob wir einen Urlaub buchen können. Dann halten wir uns erst mal zurück.“

Trotzdem gab er sich optimistisch: „Wir wollen wieder wachsen, das ist klar“, sagte der Messe-Chef, der seit über zwei Jahrzehnten in der Branche arbeitet. Das sei auch das Feedback der Kunden. „Auf Dauer ist für uns relevant, dass die Hannover Messe die weltweit wichtigste Industriemesse bleibt, wo die Innovationen sind, wo es die Schnittstelle zur Politik gibt. Ob das am Ende 5000 Aussteller sind, 10.000 oder 4000, ist weniger entscheidend, als dass wir die relevanten Marken haben, die die Impulse nach vorne setzen.“

Das habe er schon dieses Jahr gespürt. „Das ist die politischste Messe, die ich je erlebt habe“, zog Köckler Bilanz, der seit 2017 an der Spitze des Unternehmens steht. Für Spitzenpolitiker sei Hannover kein bloßes Pflichtprogramm gewesen – wie Debatten um das Megathema Wasserstoff gezeigt hätten.

Die Zahlen aus diesem Jahr entsprachen seiner Erwartungshaltung, wie Köckler sagte. Man sehe, dass „das Format Messe die Pandemie überstanden hat“. 2020 und 2021 hatte die Deutsche Messe versucht, mit hybriden Veranstaltungen und Streaming die leeren Messehallen auszugleichen – die Corona-Krise hinterließ aber deutliche Spuren bei den Geschäftszahlen: Bis 2019 hatte der jährliche Umsatz bei deutlich über 300 Millionen Euro gelegen. Im Jahr 2020 ging er auf nur noch knapp 100 Millionen zurück, der Verlust betrug 83 Millionen Euro.

Dass das Messegelände Hannover noch lange nicht auf die Belegungszahlen der Vergangenheit kommen wird, ist Jochen Köckler klar: „Wir sind durch eine tiefe Restrukturierung gegangen, das hat unser Unternehmen in 75 Jahren noch nicht gehabt“, sagte er. Er will weiter in digitale Formate investieren: Künftig gehe es noch mehr um Interaktion, dass es auch digital zu echten Geschäftsabschlüssen kommen könne – was eines der Kernversprechen seiner Messe sei.

Darüber hinaus will der Veranstalter häufiger Messen organisieren als in der Vergangenheit. „Die Zeiten, in denen wir von zwei Messen unser Unternehmen gut wirtschaftlich darstellen konnten, sind vorbei“, sagt Köckler. „Wir wollen unbedingt das ganze Jahr über Messegeschäft machen.“

Hören Sie in der neuen Folge von „Die Stunde Null“:

  • Was das Messe-Feeling genau ausmacht
  • Warum das Thema Wasserstoff bei der Restart Hannover 22 eine wesentliche Rolle gespielt hat
  • Ob die Deutsche Messe auch im Ausland wieder Messen organisieren kann

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