Aktuelle Deutschland Nachrichten

Deutschland bekommt erste Energieinseln

0 12

Sie sollen jeweils rund 50 Hektar groß sein und etwa 2 bis 2,5 Milliarden Euro kosten: Medienberichten zufolge werden vor der deutschen Küste zwei Energieinseln gebaut. Die Nordseeländer sollen Strom für die grüne Wasserstoffproduktion erhalten.

Der dänische Finanzinvestor Copenhagen Infrastructure Partners (CIP) und der Versicherungskonzern Allianz wollen zwei künstliche Energieinseln für Ökostrom und grünen Wasserstoff in der Nordsee vor Deutschland errichten. Die Unternehmen haben entsprechende Anträge für die beiden Projekte “Nordsee-Energieland” und “Dogger-Energieinsel” beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie eingereicht, wie die Behörde dem “Spiegel” bestätigte.

Wie aus Projektunterlagen hervorgeht, sollen beide Energieinseln mehr als 150 Kilometer vor der deutschen Küste in der sogenannten Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) errichtet werden. In diesem Teil der Nordsee hat die Bundesrepublik das alleinige Recht, die Ressourcen im Wasser und dem Meeresboden wirtschaftlich auszubeuten.

Erste Großvorhaben in deutschen Hoheitsgewässern

Die zwei Inseln wären die ersten derartigen Großvorhaben in deutschen Hoheitsgewässern. Sie sollen in Wassertiefen von 30 bis 40 Metern aufgeschüttet, je etwa 50 Hektar groß werden und je etwa 2 bis 2,5 Milliarden Euro kosten. Auf ihnen soll zunächst der Strom von umliegenden Offshore-Windparks gebündelt werden. Dieser soll dann entweder in verschiedene Nordsee-Anrainerstaaten geleitet oder gleich auf den Inseln genutzt werden, um mit Hilfe von Elektrolyse grünen Wasserstoff zu erzeugen.

Hierfür sollen riesige Verarbeitungsanlagen, so genannte Elektrolyseure, auf den Retorteninseln errichtet sowie Wasserstoffpipelines durch die Nordsee zum Festland oder hinzu anderen Netzen für grünen Wasserstoff verlegt werden. Die Inseln sollen in Gebieten entstehen, die laut dem derzeitigen Raumordnungsplan für Offshore-Windenergie vorgesehen sind. Ihr Bau soll nach derzeitigem Stand bis Ende 2032 abgeschlossen sein.

Mit den Energieinseln reagieren die beiden Großinvestoren auf die Beschlüsse des Nordseegipfels im belgischen Ostende. Hier vereinbarten neun europäische Staaten im April, die Kapazität der Offshore-Windparks in der Nordsee von derzeit rund 30 Gigawatt bis 2030 auf 120 Gigawatt zu steigern. Deutschland allein soll laut Bundeskanzler Olaf Scholz seine Offshore-Leistung bis 2050 verneunfachen: von derzeit rund acht Gigawatt auf 70 Gigawatt.

“Enorme Ambitionen”

“Politik und Wirtschaft haben enorme Ambitionen für die Energieerzeugung in der Nordsee. Aber diese Ziele lassen sich nicht umsetzen, wenn wir weiter business as usual machen”, sagte der für die Projekte zuständige CIP-Partner Thomas Dalsgaard dem “Spiegel”.

Copenhagen Infrastructure Partners ist nach eigenen Angaben der weltgrößte Geldgeber bei Infrastrukturprojekten im Bereich erneuerbare Energien. Das 2012 gegründete Investmenthaus verwaltet 23 Milliarden Euro und ist vor allem in der Offshore-Windenergie sehr aktiv. Zu seinen Kapitalgebern gehören dänische Pensionsfonds, der Staatsfonds GIC aus Singapur sowie die Allianz.

In Dänemark ist CIP eng in die Planung der futuristischen Energieinsel Vindø eingebunden. Diese soll ebenfalls in der Nordsee errichtet werden, Anfang der 2030er-Jahre fertig sein – und als Blaupause für die Projekte vor Deutschland dienen

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Cookies, um Ihr Erlebnis zu verbessern. Wir gehen davon aus, dass Sie damit einverstanden sind, aber Sie können sich abmelden, wenn Sie dies wünschen. Annehmen Weiterlesen

Datenschutz- und Cookie-Richtlinie