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3G am Arbeitsplatz: Unternehmen fordern klare Vorgaben – Wirtschaft

3G am Arbeitsplatz, das planen die Ampelparteien, damit die Corona-Zahlen nicht weiter so dramatisch ansteigen. Am Donnerstag wird Kanzlerkandidat Olaf Scholz (SPD) im Bundestag über die neuen Pläne zur Eindämmung der Pandemie sprechen, hat er angekündigt. Neben 3G, das für geimpft, genesen oder getestet steht, sollen auch die kostenlosen Schnelltests wieder eingeführt werden. Berliner Arbeitgeber, die der Tagesspiegel dazu befragt hat, begrüßen das. Gerade Mittelständler plädieren für klare Vorgaben der Regierung – und dafür, Mitarbeiter zum Impfstatus befragen zu dürfen.

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Was SPD, Grüne und FDP konkret planen: Beschäftigte, die weder geimpft noch genesen sind, sollen sich an ihrem Arbeitsplatz täglich auf Corona testen lassen müssen. Verankert werden soll das im Bundes-Infektionsschutzgesetz. Bisher gilt laut Arbeitsschutzverordnung, dass Arbeitgeber Mitarbeitern mindestens zweimal in der Woche Corona-Tests anbieten müssen. Es gibt aber keine Testpflicht. Offen ist, wer diese neuen täglichen Tests finanzieren soll, es sei denn die Mitarbeiter greifen vor Arbeitsbeginn auf die künftig wieder kostenlosen „Bürgertests“ zurück.

Die Bahn testet unter Aufsicht

Die Deutsche Bahn, mit knapp 20.000 Mitarbeitern größte Arbeitgeberin in Berlin, will die geplante Regel nicht bewerten. „Den Beschäftigten werden kostenlos Antigen-Selbsttests gemäß Verordnungen und anlassbezogen angeboten“, erklärt eine Sprecherin. Dort, wo es durch eine Landesverordnung gefordert werde, fänden diese Tests unter Aufsicht in betrieblichen Teststellen statt. Man werde weiter kostenlose Test für alle Mitarbeitenden anbieten, die durch ihre berufliche Tätigkeit einen Test benötigen. Außerdem gelte weiter die Empfehlung, Homeoffice überall dort zu praktizieren, wo es betrieblich möglich sei. Ähnliche kommentiert der Energiekonzern Vattenfall die 3G-Pläne. Die Berliner Handwerkskammer fordert, dass neue Regeln sich leicht umsetzen lassen: „Das Handwerk ist geprägt von vielen Kleinbetrieben, die oft beim Kunden vor Ort arbeiten. Deshalb ist es wichtig, dass eine Lösung im betrieblichen Alltag auch praktikabel ist“, sagt Sprecher Daniel Jander.

„Wir sind ein gebranntes Kind“, sagt indes Karl Köhler, Seniorpartner der Berliner Seilfabrik. Der Spielgerätehersteller beschäftigt rund 130 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr sei eine niedrige zweistellige Zahl der Beschäftigen an Corona erkrankt, es habe Todesfälle gegeben. „Die geplanten Testvorschriften würden uns unterstützen“, sagt er. Auf deren Grundlage sei es leichter, Impf- und Testmuffel, die es immer noch in seiner Firma gebe, von der Maßnahme zu überzeugen. Das Unternehmen übernehme die Kosten, wenn es niemand anderes tue. Auch nach dem Impfstatus würde er gern fragen dürfen, das vereinfache die Organisation.

“Vorschriften würden uns unterstützen”

„Wir brauchen keine Regeln zur Impfstatusnachfrage“, sagt die Sprecherin eines Berliner Bauunternehmens, das aus Datenschutzgründen nicht namentlich in der Zeitung stehen will. „Zumindest im kaufmännischen Bereich sind bei uns alle Beschäftigten geimpft. Wir sind da sehr transparent“, sagt sie. Auch ihr Arbeitgeber halte klare Vorgaben „von oben“ für sehr sinnvoll. Schon jetzt werde es den Mitarbeitern empfohlen, sich einmal wöchentlich zu testen. 3G gebe aber einen klaren Handlungsrahmen für alle vor.

Der Personaldienstleister i-Potentials sieht das ähnlich: „Wir halten besonders regelmäßige Tests für ein sinnvolles Mittel gegen Corona, auch bei bereits Geimpften“, erklärt Sprecherin Georgia Hädicke. Die Beschäftigten hätten die bestehenden Selbsttestangebote sehr gut genutzt. „Regelmäßige Tests sollten aber aus unserer Sicht in jedem Fall flächendeckend verpflichtend sein“, sagt Hädicke.

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