September 4, 2026 12:56 p.m. CEST

Sozialbeiträge belasten Wachstum

Neben der Konjunktur widmet sich der Bericht ausführlich den Sozialversicherungen. Der Rat warnt vor einem starken Anstieg der Beiträge in den kommenden Jahren. Der Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz liegt 2026 bei 42,3 Prozent. Aufgrund des demografischen Wandels dürfte er bis 2030 auf 45,4 Prozent und bis 2040 auf 49,7 Prozent steigen. Damit würde ab 2040 fast die Hälfte des beitragspflichtigen Einkommens in die Sozialversicherung fließen.

Höhere Beitragssätze verringern nach Einschätzung der Wirtschaftsweisen die Nettoeinkommen der privaten Haushalte und schwächen damit Konsum und Erwerbsanreize. Für Unternehmen steigen zugleich die Arbeitskosten, was Beschäftigung und Investitionen belastet. Der Rat erwartet, dass steigende Sozialversicherungsbeiträge das Bruttoinlandsprodukt bis 2035 um 0,5 bis 0,9 Prozent drücken könnten.

Die schwarz-rote Bundesregierung schickt sich derzeit an, umfassende Reformen auf den Weg zu bringen, um die Beitragssätze zu stabilisieren. Für Ende Juni ist dazu ein Koalitionsgipfel geplant, bei dem es neben der Kranken- und Pflegeversicherung auch um die Rentenversicherung gehen soll. Die Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, sagte dazu am Mittwoch: „Der Handlungsdruck ist massiv.“ Der absehbare Anstieg sei viel zu hoch. „Wir wissen, was das für negative Konsequenzen hat: Weniger Netto vom Brutto, weniger Arbeitsanreize für die Arbeitnehmer, zugleich höhere Lohnnebenkosten für die Unternehmen, das ist schlecht für die Wirtschaft.“

Um den Anstieg zu begrenzen, empfehlen die Wirtschaftsweisen Reformen auf der Ausgaben- und Einnahmenseite. Dazu zählen eine längere Lebensarbeitszeit, eine höhere Erwerbsbeteiligung und stärkere Anreize zur Ausweitung der Arbeitszeit.

Einsparpotenzial bei der Krankenversicherung

Besonders deutlich zeigt sich der Reformdruck in der gesetzlichen Krankenversicherung. Rund 90 Prozent der Bevölkerung sind dort versichert. Die Gesundheitsausgaben in Deutschland zählen mit 11,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu den höchsten in Europa. Trotzdem liegt Deutschland bei wichtigen Gesundheitsindikatoren nur etwa im Durchschnitt der OECD-Staaten, kritisieren die Wirtschaftsweisen.

Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung sind zwischen 2005 und 2025 preisbereinigt um rund 64 Prozent gestiegen. Die beitragspflichtigen Einnahmen legten im selben Zeitraum jedoch nur um knapp 31 Prozent zu. Der durchschnittliche Beitragssatz stieg dadurch von 14,2 auf 17,1 Prozent. Für 2026 erwarten die Wirtschaftsweisen 17,5 Prozent, bis 2040 unter geltendem Recht 19,8 Prozent.

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