Trotz Alterszuschlag
So sparen Senioren bei der Kfz-Versicherung
Aktualisiert am 17.08.2026 – 10:37 UhrLesedauer: 3 Min.
Trotz längerer Erfahrung werden Kfz-Versicherungen mit steigendem Alter immer teurer. Wie stark, hat eine Erhebung gezeigt. So können Sie trotzdem sparen.
Ab Mitte 50 wird die Versicherung für Kfz-Besitzer empfindlich teurer: In einer beispielhaften Berechnung der Stiftung Warentest zahlt ein 90-jähriger Modellkunde im Westen Berlins für eine Absicherung in der Kfz-Haftpflicht durchschnittlich 177 Prozent mehr als mit 55: Den 90-Jährigen kostete sie im Schnitt 657 Euro im Jahr, den 55-Jährigen 237 Euro. Bei der Kombination aus Haftpflicht und Vollkasko lag die Steigerung im Schnitt bei 154 Prozent – für den 55-jährigen Modellkunden kostete sie im Schnitt 777 Euro, für den 90-Jährigen 1.971 Euro.
Woran liegt dieser starke Anstieg? Grundlage für die Tarifpolitik ist die Unfallstatistik, laut der ältere Menschen häufiger Schäden verursachen als jüngere. Rechtlich gesehen sind Alterszuschläge anhand dieser Daten zulässig, so das Fachportal „Finanztest“.
Ab wann Alterszuschläge erhoben werden, ist von Versicherer zu Versicherer unterschiedlich. Manche beginnen schon vor dem 60. Lebensjahr, andere ab 65 Jahren. Ab 82 Jahren deckeln dann viele den Zuschlag, bei wenigen Anbietern steigt er auch danach noch, berichtet die „Stiftung Warentest Finanzen“ (Ausgabe 9/2026).
Steigende Versicherungsprämien: So können Sie sparen
- Wenn Sie Ihren bestehenden Vertrag behalten wollen, können Sie die eingetragene jährliche Fahrleistung überprüfen: Wenn Sie im Alltag deutlich darunter liegen (zum Beispiel 7.000 statt 12.000 Kilometer), können Sie den Wert anpassen lassen und sparen rund 50 Euro.
Auch können Sie darüber nachdenken, Ihr Auto nur noch in einer von der Versicherung vorgegebenen Werkstatt reparieren zu lassen (Werkstattbindung, etwa 40 Euro Ersparnis im Jahr) oder ihren Beitrag jährlich statt monatlich zu zahlen (30 Euro Ersparnis im Jahr). Ein Selbstbehalt bei der Kaskoversicherung, also eine Beteiligung an eventuellen Schäden, sollte bei rund 150 Euro in der Teil- und bei 300 Euro in der Vollkasko liegen.
Bei einem älteren Auto können Sie auch überlegen, ob Sie überhaupt noch einen Kaskoschutz benötigen (wo die Unterschiede liegen, erfahren Sie hier). Hier können Sie bis zu 1.000 Euro im Jahr sparen. - Wichtig beim Wechsel: Wer neben der Kfz-Haftpflicht auch eine Kaskoabsicherung möchte, sollte erst den alten Vertrag kündigen, wenn der neue abgeschlossen ist. Denn bei der Kasko besteht im Gegensatz zur Haftpflicht kein Aufnahmezwang – der Versicherer kann diesen Schutz also verweigern. Wer dann bereits den alten Vertrag gekündigt hat, steht erst mal vor einem Problem.
- Tarife mit Telematik, bei denen die Fahrdaten (Geschwindigkeit, Beschleunigung, Bremsverhalten) aufgezeichnet werden, können bei einer vorausschauenden Fahrweise zu Beitragssenkungen um bis zu 30 Prozent führen. Allerdings bieten nicht alle Versicherungen solche Tarife an.
- Schadenfreiheitsklasse weitergeben: Vor allem ältere Senioren sparen deutlich, wenn sie ihr Fahrzeug auf ihr Kind zulassen sowie versichern und sich selbst als Zweitfahrer vermerken. Zudem können sie Schadenfreiheitsklassen auf direkte Angehörige wie Kinder, Enkel und Ehepartner übertragen. So lässt sich noch mehr einsparen. In den Modellrechnungen von Verivox aus dem Jahr 2024 spart ein 85-Jähriger 54 Prozent (365 Euro), wenn er sein Fahrzeug und seine Schadenfreiheitsklassen auf sein Kind überträgt. Für einen 75-Jährigen sind 30 Prozent (174 Euro) Ersparnis möglich. „Angehörige können so viele Schadenfreiheitsklassen übernehmen, wie viele Jahre sie im Besitz des Führerscheins sind“, erläutert Wolfgang Schütz von Verivox. „Eine Rückübertragung der Schadenfreiheitsklassen ist nicht mehr möglich. Die Abgabe ist endgültig und sollte deshalb gut überlegt sein.“
- Jüngerer Partner oder Kind schließt den Tarif ab: Wenn es einen größeren Altersunterschied bei einem Paar gibt, kann es sich lohnen, dass der jüngere Partner den Vertrag abschließt. Laut der Stichprobe können bis zu 215 Euro weniger Beitrag anfallen. Auch wenn erwachsene Kinder das Auto zulassen und versichern, besteht Sparpotenzial, wenn Sie sich als Senior als Zweitfahrer eintragen lassen: „Zweitfahrer genießen dennoch denselben Versicherungsschutz wie Hauptfahrer – selbst dann, wenn sie das Auto häufiger fahren. Versicherer prüfen im Schadensfall nicht, wer mehr Kilometer zurückgelegt hat“, so Schütz.
- Tarife vergleichen: Die Experten der Stiftung Warentesthaben für ihre Untersuchung 36 Autoversicherungstarife herangezogen, die sie in einem generellen Test im vorigen Herbst als günstig und empfehlenswert bewertet hatten, und sie mit Blick auf die Alterszuschläge analysiert. Das Sparpotenzial lag hier bei teils mehreren Hundert Euro – so kosteten etwa die drei preisgünstigsten Vollkasko-Stadt-Tarife für den 90-jährigen Modellkunden zwischen 1.344 und 1.603 Euro Jahresbeitrag, während der Durchschnitt aller Anbieter bei 1.971 Euro lag.
Schadenfreiheitsklassen schützen: Mit einem Rabattschutz können Sie Ihre Einstufung trotz eines Unfalls bewahren – das kostet aber extra. Andernfalls können Sie bei einem kleinen Malheur die Kosten auch selbst zahlen.
