Oktober 29, 2026 11:43 a.m. CET

Experten zeigen sich überrascht

Polarwirbel könnte früher brechen


29.10.2026 – 09:59 UhrLesedauer: 3 Min.

Kalte Luft im Bereich des Nordpols: Der Polarwirbel hält die eisige Luft weitgehend über der Arktis fest

Kalte Luft im Bereich des Nordpols: Der Polarwirbel hält die eisige Luft weitgehend über der Arktis fest. (Quelle: meteociel.fr/GFS-Modell)

Über dem Nordpol soll sich die Luft in großer Höhe schon bald stark erwärmen. Das könnte das Wetter in Deutschland und den Winter ungewöhnlich früh prägen. In den kommenden Tagen deutet sich eine Überraschung an.

Auf den ersten Blick bietet das Wetter in Deutschland derzeit wenig Grund für Aufregung: Wolken mit einzelnen Schauern ziehen über das Land, die Atlantiktiefs der vergangenen Tage sind durchgezogen, es stellt sich ruhiges Herbstwetter mit milden Temperaturen um 16 Grad ein. Bis Ende der Woche sinken die Temperaturen auf maximal 14 Grad bei nächtlichem Bodenfrost. Doch ein Wetterphänomen beschäftigt die Meteorologen derzeit besonders – und es könnte Auswirkungen auf Teile des Winters in Deutschland haben: der Polarwirbel.

Der Polarwirbel ist ein großes Tiefdruckgebiet über der Arktis in der Stratosphäre, also in der zweiten Schicht der Erdatmosphäre in etwa 15 bis 50 Kilometern Höhe. Der Wirbel aus eisigem Wind dreht sich wie ein Strudel, sodass kalte Luft in der Regel nicht entweichen kann. Anders sieht das aus, wenn warme Luft in den Wirbel eindringt, was in besonders starker Form etwa alle zwei bis drei Jahre passiert. Dadurch kann der Polarwirbel sogar geteilt werden, Westwinde können sich in Ostwinde verwandeln. Das Wettersystem gerät aus dem Takt.

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Polarwirbel bestimmt das Wetter in Deutschland mit

Fabian Ruhnau, Meteorologe beim Portal „Kachelmannwetter“, sieht in den aktuellen Wettermodellen „etwas sehr Außergewöhnliches und Besonderes“. Der Polarwirbel, so der Experte, drohe Anfang November massiv gestört zu werden, vielleicht komme es sogar zu einem Polarwirbelsplit, also einer Aufspaltung des Tiefdruckgebiets in zwei Wirbel, sagt er in einem auf YouTube veröffentlichten Video. Über dem Nordpol soll sich die Luft in großer Höhe stark erwärmen. Grundsätzlich sei so eine Entwicklung nichts Unübliches. „Das Besondere ist aber, dass das Ganze sehr, sehr früh erfolgt“, so Ruhnau. „Wir haben das bisher noch nicht gesehen seit Beginn der Aufzeichnung, dass der Polarwirbel so früh so stark gestört wird.“

Auch der Diplom-Meteorologe Dominik Jung findet die Entwicklung ungewöhnlich – sollte sie tatsächlich so kommen. „Gesichert ist eine Schwächung. Wie stark sie ausfällt, ist offen“, teilte er t-online mit. Hintergrund sei ein ausgeprägtes Hochdruckgebiet zwischen Skandinavien und dem Ural, das kräftige Wellen bis in die Stratosphäre schickt und den Wirbel dort abbremst.

Polarwirbel in Deutschland: Experte sieht drei Szenarien

Normalerweise verursacht ein stabiler Polarwirbel eine beständige Westwetterlage in Europa. Milde Westwinde vom Atlantik bringen mildes Wetter. Kaltlufteinbrüche mit Schnee und Frost sind hingegen selten. Bei einem schwachen oder gestörten Polarwirbel besteht die Möglichkeit, dass winterlich-kalte Luft bis nach Europa ausbricht. Konkret voraussagen lassen sich die Folgen eines gestörten Polarwirbels aber immer erst kurzfristig.

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