September 12, 2026 6:45 p.m. CEST

Er zählt international zu den Stars unter den Weißweinen, doch in Deutschland kämpft er mit Vorurteilen. Dabei sollte Deutschland stolz auf seine Rebsorte Nummer eins sein.

Achtung, dies ist eine Liebeserklärung. An eine der großartigsten Weißweinsorten, die die Weinwelt kennt: Riesling. Hand aufs Herz, dachten Sie gerade im ersten Moment: Oh, aber die Säure? In der Tat, kaum ein Wein spaltet die Gemüter in Deutschland so sehr wie Riesling. Für die einen, mich zum Beispiel, ist diese urdeutsche Rebsorte (fast) ein Alleskönner. Vom üppig-aromatisch-steinfruchtigen Schmeichler über leichtfüßig verspielte Kabinette bis hin zu schlanken, geradlinig-mineralischen (so nennt man es, wenn der Wein steinig bis salzige Komponenten aus dem Boden geschmacklich widerspiegelt) Exemplaren, die besonders den Wein-Intellektuellen gut gefallen – Riesling kann einfach alle Register ziehen.

Die oft in der Kritik stehende Säure ist dabei das Herzstück dieses Weines – sie macht ihn lebendig, erfrischend und zugleich praktisch unendlich lagerfähig. Säure ist beim Riesling heute kein Makel mehr, sondern, in der Kombination mit seiner filigranen Aromatik, ein Qualitätsmerkmal. Dies bringt etwa der 2024er Riesling des VDP-Weinguts Wagner-Stempel gut zum Ausdruck.

Dass Verbraucher mitunter zurückschrecken, liegt vor allem am Ruf der einfachen, oft säurebetonten Massenweine aus Zeiten vor der Jahrtausendwende. Zudem haben manche Winzer in den vergangenen Jahren mit dem aufkommenden Trend für deutsche Weine ihre Preise so erhöht, dass die Konkurrenz aus Frankreich, Italien und Spanien vermeintlich günstiger wirkt. Wer sich heute trotz Säuremythos und Preis auf die Weine einlässt, entdeckt eine Tiefe, die kaum eine andere weiße Rebsorte weltweit erreicht.

Ich schwärme übrigens nicht allein für diese wunderbare Rebsorte. Verstärkung bekomme ich von anerkannten Kritikergrößen der internationalen Weinszene. „Für mich entstehen die größten Weine der Welt aus Riesling. Die Weine bekommen zu wenig Anerkennung“, sagt etwa die berühmte britische Weinautorin Jancis Robinson. Tim Atkin, ebenfalls Weinexperte von der Insel, stößt ins gleiche Horn: „Riesling ist wirklich wunderbar. Viele Winzer stufen ihn als die beste Rebsorte überhaupt ein. Er ist enorm vielfältig, aber auch ehrlich.“

In der internationalen Szene sind deutsche Rieslinge mittlerweile echte Stars auf den Weinkarten. Auch Sommeliers rund um den Globus schwärmen für die Weine aus Deutschland. Entsprechend gut entwickelt sich die internationale Nachfrage nach der Rebsorte. Die USA, die Niederlande, Norwegen, Schweden, aber auch Polen und Tschechien sind starke Abnehmer. Kein Wunder – wenn man erst mal die Tiefe und Vielfalt der Weine, beispielsweise des 2024er Rieslings des Pfälzer Weinguts Pfeffingen aus der Lage Ungsteiner Nussriegel, auf der Zunge hatte, möchte man keine andere Rebsorte mehr im Glas haben.

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