September 12, 2026 3:57 p.m. CEST

Mit wachsender Individualisierung in den 1970er- und 1980er-Jahren fielen viele feste Regeln weg. Menschen begannen, ihren Geschmack frei zu entfalten. Die Folge: eine enorme Vielfalt an Esskulturen wie Veganismus, Low-Carb- oder High-Protein-Ernährung sowie ein schier unendliches Angebot an Lebensmitteln.

Doch die einst gefeierte Wahlfreiheit ist heute zunehmend mit Unsicherheiten belegt, weil sich die Kehrseiten des Überangebots in Form von gesundheitlichen und ökologischen Problemen zeigen. 62 Prozent der Befragten sind in Bezug auf das Thema Ernährung daher nicht sonderlich zuversichtlich. Schuld geben sie Politik, Lebensmittelherstellern oder auch Elternhäusern und Schulen.

Gleichzeitig prasseln unzählige Ratgeber und Expertenmeinungen auf die Verbraucher ein – oft widersprüchlich und schwer einzuordnen. Daher gaben 69 Prozent an, sie wünschten sich klare Antworten darauf, was richtig ist und was nicht.

In der gerade beginnenden dritten Phase rückt die gesundheitliche Perspektive immer mehr in den Fokus. Die Idee: Wer richtig isst, bleibt länger gesund, schlank und leistungsfähig. 87 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen gesunde Ernährung für ein langes Leben wichtig ist. Lebensmittel werden zunehmend nach funktionalem Nutzen ausgewählt: für Muskelaufbau, mentale Fitness oder Darmgesundheit.

Doch mit dem reich gedeckten Tisch kommen auch neue Probleme. Die Forscher sprechen hier vom „Mind-Delight-Dilemma“: Die Vielfalt an Angeboten macht Lust aufs Essen, erhöht aber gleichzeitig den Druck, sich immer „richtig“ zu ernähren.

Nicht nur das Essen selbst verändert sich, auch das Einkaufsverhalten. Viele achten daher beim Einkauf auf Inhaltsstoffe, die Körper und Geist fördern sollen. 75 Prozent legen Wert auf leistungssteigernde oder gesundheitsfördernde Komponenten, 64 Prozent bevorzugen Produkte, die eine gute Körperform unterstützen. Daher werden immer mehr Produkte mit Vitaminen, Proteinen oder Ballaststoffen angereichert. Gleichzeitig haben sich die Ansprüche an Qualität, Vielfalt und nachhaltige Verpackungen erhöht.

Ein weiterer Trend: Während 2006 noch 24 Prozent der Menschen angaben, Lebensmittel hauptsächlich im Angebot zu kaufen, sind es heute 55 Prozent. Die Hauptgründe sind Inflation und digitale Möglichkeiten zum Preisvergleich: Einkaufs-Apps, Couponaktionen und Discounter bestimmen den Alltag.

Ein klassisches Element des Supermarkts verliert hingegen zunehmend an Bedeutung: die Frischetheke. Genauso verhält es sich mit der persönlichen Beratung durch Fachpersonal.

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