Juli 27, 2026 3:54 p.m. CEST

Investoren greifen bereitwillig zu

Bislang stellen Investoren den KI-Unternehmen bereitwillig Kapital zur Verfügung. Das hat nachvollziehbare Gründe: Unternehmen wie Alphabet wird eine gute Bonität bescheinigt – Aa2 von der Rating-Agentur Moody’s und AA+ von S&P. Das bedeutet: Top-Bewertung, niedriges Ausfallrisiko. Auch Meta, Apple oder Microsoft und Nvidia sind sehr gut bewertet. Nvidia wurde im Juni von S&P von AA- auf AA hochgestuft.

Einzig Oracle steht weniger gut da. Erst vor zwei Wochen hat eine der renommierten Ratingagenturen Oracles Kreditwürdigkeit herabgestuft. Das Unternehmen ist jetzt nicht mehr weit vom sogenannten Ramschniveau entfernt, also von dem Bereich, in dem Anleihen als spekulativ gelten.

Doch insgesamt gilt: Die KI-Unternehmen bieten recht attraktive Risikoprämien, also Zinsaufschläge gegenüber sicheren Staatsanleihen. Denn niemand weiß, ob und wann sich all diese Investitionen auszahlen – entsprechend gut lassen sich Investoren dieses Risiko bezahlen. Andererseits verdienen diese Unternehmen viel, sind weltweit aufgestellt und meist Marktführer in ihren Bereichen. Zumindest für den Moment.

Das Zinsniveau drückt

Allerdings lasten die weltweit hohen Zinsen schwer auf den Bewertungen – insbesondere bei risikoreichen Vermögenswerten wie KI-Investments. Für kleinere Unternehmen erschwert dieses Zinsniveau die Kapitalbeschaffung bereits deutlich.

Hinzu kommt die Konkurrenz aus China: Wie schon 2025 drängt das Land mit neuen, konkurrenzfähigen KI-Modellen auf den Markt und hat Rechenzentren komplett ohne US-Chips hochgezogen. Die Nachricht sorgte am chinesischen Aktienmarkt für Furore – und andernorts für Kursrutsche, wenn auch nur kurzfristige.

Und so muss die Frage erlaubt sein: Was, wenn Chinas KI-Sektor eine ähnliche Entwicklung nimmt wie die Autobranche? Wir sehen, was mit Europas Autoindustrie passiert ist, seit China bei der Elektromobilität das Heft in der Hand hält. Droht der KI-Branche ebenfalls solch ein China-Moment?

KI-Boom muss man sich leisten können

Aber warum verschulden sich die gut verdienenden KI-Konzerne überhaupt? In den vergangenen Jahren ging es doch auch weitgehend ohne den Anleihenmarkt. Die Antwort: Ihre Investitionen explodieren. Dutzende Rechenzentren, Hochleistungschips, Stromversorgung – die Liste ist lang und teuer.

Zugleich haben die KI-Konzerne enorme Barreserven und, wie beschrieben, eine hohe Kreditwürdigkeit. Das heißt: Ein Ausfallrisiko bei Anleihen ist, zumindest Stand heute, vergleichsweise gering. Fragt man Anleiheexperten, sehen viele das auch nicht als vordringliches Problem an. Die eigentliche Frage sei vielmehr, ob sich die Investitionen jemals rechnen. Die Zweifel sind da, kritische Fragen berechtigt. Aber eine finale Antwort hat noch niemand.

Historisch betrachtet nichts Neues

Auch in der Vergangenheit war der Anleihenmarkt ein wichtiger Wirtschaftsmotor. Der Bau von Eisenbahnen, das Wirtschaftswunder nach dem Krieg mit seinem massiven Bedarf an Infrastruktur, Fabriken und Maschinen oder der IT-Boom der 90er Jahre – all das wurde zu einem guten Teil über Anleihen finanziert. Das ist kein Lobgesang auf KI-Anleihen, mitnichten. Aber schauen wir weiter.

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