September 5, 2026 3:12 a.m. CEST

Seit Wochen bereitet ein Magma-Tunnel im Südwesten Islands den Menschen Sorgen. Nun ist der Ernstfall eingetreten.

In Island ist nach starker seismischer Aktivität ein Vulkan ausgebrochen: Unweit der Hauptstadt Reykjavík schießt Lava an die Erdoberfläche. Der Ausbruch fand zwischen Sýlingarfell und Hagafell rund vier Kilometer nordöstlich von der Gemeinde Grindavik statt, wie der isländische Wetterdienst mitteilte. Experten bestätigten t-online, dass Kameras vor Ort den Ausbruch am Montagabend um 22.17 Uhr aufgezeichnet hatten.

Der Vulkanologe Thorvaldur Thordarson sprach im Nachrichtenmedium mbl.is von einem „Worst-Case-Szenario“. Der Ausbruch habe an dem denkbar schlechtesten Standort stattgefunden. Der Geophysiker Benedikt Ofeigsson von der norwegischen Wetterbehörde sagte örtlichen Medienberichten zufolge, die Eruption sei am Sundhnjúka-Krater lokalisiert worden.

Den Berichten zufolge sind die Lavafontänen mehr als 200 Meter hoch. Auf Filmen und Fotos in den sozialen Medien waren orange-rot glühende Fontänen zu sehen, die in den dunklen Nachthimmel schossen und diesen hell erleuchteten.

Wichtige Straße gesperrt

Die örtliche Polizei hat Menschen aufgefordert, Grindavik sofort zu evakuieren. Schaulustige sollten sich dem Vulkan nicht nähern. Auch die Reykjanesbraut-Straße, die die Hauptstadt Reykjavík mit dem internationalen Flughafen Keflavík verbindet, wurde gesperrt.

Für die Luftfahrt wurde vorübergehend die rote Warnstufe ausgerufen, diese wurde dann aber wieder auf orange herabgestuft. Der Flughafenbetreiber Isavia erklärte auf seiner Website, derzeit gebe es bei Starts und Landungen am internationalen Hauptstadtflughafen Keflavik keinerlei Behinderungen.

Islands Präsident Gudni Jóhannesson schrieb auf Facebook, es sei noch unklar, welchen Schaden der Ausbruch anrichten könnte. Er bat die Menschen vor Ort, „in diesem gefährlichen Moment“ allen Empfehlungen der Rettungsdienste zu folgen.

Kristín Jónsdóttir, Leiterin der Abteilung Naturgefahren beim isländischen Wetteramt, sagte in lokalen Medien, dass der Beginn der Eruption die Wissenschaftler überrascht habe: „Es ging wirklich sehr schnell.“ Die Eruptionsspalte werde schnell breiter und sei nach neuesten Informationen (Stand: 1.15 Uhr) 3,5 Kilometer lang.

Eindrucksvoll zu sehen ist das auf Luftbildern des Zivilschutzes und auf einem Video der Isländerin Aðalheiður Alla Halldórsdóttir aus dem rund 20 Kilometer westlich der Ausbruchstelle gelegenen Sandgerdi. „Mein Sohn fuhr gerade von unserem Haus weg und sah, wie es los ging und hat uns Bescheid gegeben“, sagte sie t-online. Die Straße aus ihrem Ort sei inzwischen gesperrt, Gefahr für sie bestehe aktuell nicht.

Bewohner waren schon im November evakuiert worden

Grindavik liegt vier Kilometer südwestlich von der Hauptstadt Reykjavik auf der Halbinsel Reykjanes. In der Region hatte es im November eine Serie von Erdbeben gegeben, weswegen ein Vulkanausbruch erwartet worden war. Die Behörden hatten den Notstand ausgerufen und den 4.000-Einwohner-Ort Grindavik evakuieren lassen. Die Bewohner durften seitdem nur zu bestimmten Uhrzeiten in ihre Häuser zurückkehren. Unter der Halbinsel verläuft ein etwa 15 Kilometer langer Magmatunnel bis unter den Meeresboden vor der Küste. Mehr dazu lesen Sie hier.

Auch die bei Touristen sehr beliebte Blaue Lagune, ein von vulkanischem Thermalwasser gespeistes Badeparadies, war für einen Monat geschlossen. Sie wurde gerade erst am 18. Dezember wieder für Besucher geöffnet.

Aktie.
Die mobile Version verlassen