Dieses Stocken der Nachfrage hat handfeste Gründe. Der abrupte Stopp staatlicher Kaufprämien hatte Autokäufer nachhaltig verunsichert. Hinzu kommen steigende Preise und eine lückenhafte Ladeinfrastruktur. Am Ende fehlt vielen Menschen schlicht das Geld für ein neues Auto. Zumal es viele Hersteller selbst versäumten, rechtzeitig bezahlbare Elektromodelle für den Massenmarkt anzubieten.
Das Ergebnis ist ein strukturelles Ungleichgewicht: Volkswagen hält Kapazitäten vor, die der Markt in dieser Menge nicht aufnimmt. Die daraus resultierenden Rabattschlachten zehren an den ohnehin geschrumpften Margen.
Das Risiko für das Zulieferer-Netzwerk
Die Auswirkungen dieser Krise reichen weit über die Grenzen Niedersachsens hinaus. Ökonomen verweisen bereits auf das historische Beispiel von Nokia – die schleichende Auflösung eines nationalen Vorzeigeunternehmens, die eine ganze Wirtschaft mit sich ziehen kann. Volkswagen ist der zentrale Anker eines weitverzweigten industriellen Netzwerks. An jedem Arbeitsplatz im Konzern hängen unzählige Existenzen bei Zulieferern, Logistikern und mittelständischen Spezialisten.
Große Lieferanten wie Bosch, Continental oder ZF durchlaufen bereits eigene, tiefgreifende Sparprogramme. Für den hochspezialisierten Mittelstand, dessen Wertschöpfung oft noch immer am Verbrennungsmotor hängt, geht es um das nackte Überleben. Bricht dieser industrielle Anker weg, schrumpfen nicht nur die Steuereinnahmen ganzer Regionen. Auch das soziale Gefüge und das Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit des Standorts insgesamt nehmen Schaden.

Die Quelle der eigenen Kraft
Dennoch sollte man den Volkswagen-Konzern nicht vorzeitig abschreiben. Die fundamentale Krise des Unternehmens offenbart einen inneren Widerspruch: Die Ursachen seiner Trägheit sind zugleich die Quellen seiner potenziellen Stärke.
VW verfügt über eine weltweit nahezu beispiellose industrielle Infrastruktur, etablierte globale Vertriebswege und eine enorme Produktionsmacht. Sobald dieser gigantische Apparat effizient ausgerichtet wird, kann er Kostenvorteile realisieren, die für junge Konkurrenten unerreichbar bleiben.
Zudem ist das breit aufgestellte Markenportfolio von Skoda bis Porsche nach wie vor wertvoll und begehrt. Das technologische Fundament und die Ingenieurskompetenz sind intakt. Der Konzern investiert weiterhin zweistellige Milliardenbeträge in die Zukunft. Damit besitzt Volkswagen die Substanz, die Transformation aus einer Position der eigenen Stärke heraus zu gestalten.













