Zeitreise ins Jahr 1900
Kölner feiert Weihnachten wie zur Kaiserzeit
22.12.2025 – 08:54 UhrLesedauer: 3 Min.
Valerio Bonanno aus Köln feiert Weihnachten wie im Jahr 1900. Dafür dekoriert er seine Wohnzimmer im Stile der Kaiserzeit.
Es gibt zwei Dinge, die im Weihnachtszimmer von 1900 sofort ins Auge fallen. Zum einen ist der Weihnachtsbaum so klein, dass er auf einem Tisch steht. Und zum anderen sind die Geschenke unverpackt, dafür aber hübsch drapiert. Weihnachten vor 125 Jahren – „da gibt’s schon einige deutliche Unterschiede zu heute“, sagt Valerio Bonanno. Er muss es wissen, denn er lebt seit Jahren in einer Wohnung, die wie zu Kaisers Zeiten eingerichtet ist. In seiner Freizeit trägt und sammelt er zudem mit Vorliebe Original-Kleidung aus der damaligen Zeit.
Streng nach hinten gegeltes Haar, Goldrandbrille und gepflegter Schnurrbart – Valerio Bonanno könnte direkt einem alten Porträtbild mit Jugendstil-Rahmen entstiegen sein. Aber er sitzt ganz real hier in seiner Wohnung in einem denkmalgeschützten Kölner Gründerzeithaus. In letzter Zeit hat sich der 33-Jährige intensiv mit der Frage beschäftigt, wie man um 1900 in Deutschland Weihnachten gefeiert hat.
Aufschluss darüber geben unter anderem die Fotos von Anna und Richard Wagner. Von 1900 bis 1942 fotografierte sich dieses kinderlose Ehepaar aus Berlin immer an Heiligabend per Selbstauslöser mit Weihnachtsbaum und Geschenken. Die Bilder spiegeln das Auf und Ab ihres Lebens: Im Dezember 1918 zum Beispiel, als der Erste Weltkrieg gerade zu Ende war, blieb der Gabentisch fast leer. Auf dem Bild von 1927 dagegen präsentieren sie stolz einen hochmodernen „Progress“-Staubsauger. 1940 wiederum bibbern sie im Wintermantel – es herrscht kriegsbedingte Kohlenknappheit.
Undenkbar wäre es damals gewesen, den Baum schon Anfang Dezember aufzustellen. Er hatte seinen großen Auftritt zur Bescherung an Heiligabend und blieb dann oft noch wochenlang stehen.
Ein Unterschied zu heute ist auch, dass die Rollen der jeweiligen Familienmitglieder damals noch viel klarer durch gesellschaftliche Konventionen vorgegeben waren. So war es dem Vater vorbehalten, die Kerzen am Weihnachtsbaum zu entzünden und mit dem Weihnachtsglöckchen zur Bescherung zu läuten. Die Mutter sorgte für das Essen. Die Kinder trugen Gedichte vor oder sangen. In bürgerlichen Familien wurde musiziert. „Es war fast eine Art Schauspiel, das da aufgeführt wurde“, ist Valerio Bonanno überzeugt.
Der Charakter des Festes war in den meisten Familien auch noch viel religiöser. „Spannend ist: Die Adventszeit war Fastenzeit“, sagt Bonanno. Deshalb durfte man an Heiligabend auch noch kein Fleisch essen. „Ein klassisches Weihnachtessen war Karpfen. Erst am Weihnachtstag kam die Gans auf den Tisch.“














