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Große Sorge um Thomas Gottschalk bei Revival-Show

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Thomas Gottschalk wirkt fahrig, Michelle Hunziker versucht zu retten, was zu retten ist, und das erhoffte Gefühl der Nostalgie bleibt aus. Was war da nur los? Alles über einen Abend, der viele Zuschauer vor den Bildschirmen ratlos zurückließ.

Man weiß nicht so richtig, was man über die aktuelle Ausgabe des TV-Kult-Klassikers „Wetten, dass …?“ zuerst sagen soll. Da sind zum einen die Gedanken an das erste Revival vor einem Jahr, das mehr als 14 Millionen Zuschauer vor den heimischen Bildschirmen vereinte und bei dem Thomas Gottschalk so souverän durch die Show moderierte, als habe es nie eine zehnjährige Lücke zur letzten regulären Ausgabe gegeben.

Mit großer Vorfreude also sah man diesem zweiten Revival im ZDF entgegen, um rasch feststellen zu müssen, dass das warme Gefühl der Nostalgie, das vor einem Jahr die Herzen der TV-Nation flutete, einer gewissen Fremdscham gewichen ist, zu der sich im Verlauf der Sendung auch Traurigkeit, Sorge und Fassungslosigkeit gesellten.

Gottschalk betritt in einem rot glitzernden Leoparden-Print-Anzug die große Showbühne und wird minutenlang frenetisch vom Publikum gefeiert. Doch schon als er seine Co-Moderatorin Michelle Hunziker, die eine traumhafte Prinzessinnen-Robe trägt, begrüßt, wird es blamabel.

„Kaum bin ich weg, landest du in den Armen von so ’nem Sixpack-Doc“, sagt der 72-jährige Moderator und meint das wohl witzig, aber es ist Hunziker anzumerken, wie unangenehm es ihr ist, mit Interna über ihr Privatleben überrumpelt zu werden. Gekonnt lächelt sie über den tumben Schnitzer hinweg und vielleicht, denkt der Zuschauer, ist das ja auch nur einer von Tommys flachen Altherrenwitzen. Er ist halt ein Kind seiner Zeit, sagt man sich milde. Und neben Rohrkrepierern haben auch viele seiner Sprüche immer wieder ins Schwarze getroffen.

Morgens halb fünf im Vollsuff in der Karaoke-Bar

An diesem Abend aber ist von Anfang an der Wurm drin. Alles wirkt altbacken und verkrampft, und Joachim Llambi würde jetzt wohl sagen, da ist jemand mit angezogener Handbremse unterwegs. Gottschalk wirkt fahrig, teilweise sogar desinteressiert und abwesend. Michelle scheint zu spüren, dass sich ihr Kollege mehr an seine Karteikärtchen klammert als sonst, und versucht zu retten, was zu retten ist. Oft übernimmt sie ganze Parts, führt quasi alleine durch die Show, während der „Wetten, dass …?“-Veteran neben ihr phasenweise wirkt, als verstünde er nicht, wie er überhaupt in dieser Sendung landen konnte.

Die Show kommt überhaupt nicht in Fahrt. Das ändern auch nicht Gäste wie „Bully“ Herbig und Christoph Maria Herbst, den Gottschalk gefühlt ständig „Strooooomberg“ statt Stromberg nennt. Auch die ZDF-Leute vom Ton scheinen immense Probleme zu haben. Vielleicht haben sie versehentlich das Haarpuder von Robbie Williams eingeatmet, denn der erste Song des Sängers klingt vom Sound ungefähr so wie Karl-Heinz morgens halb fünf im Vollsuff in der Karaoke-Bar.

Später, als Williams auf dem berühmten Sofa Platz nimmt und auf das Geheimnis seines vollen Haars zu sprechen kommt, sagt „Strooooomberg“: „Lieber das Puder auf die Haare als durch die Nase ziehen.“ Darauf der Blick des Sängers: unbezahlbar! Aber natürlich war das „keine Anspielung“.

Es sieht alles danach aus, als habe Gottschalk vollends seinen Flow verloren. Auf Twitter fachsimpeln Kommentatoren, ob etwas mit seinen Zähnen sei, man verstehe ihn so schlecht. Sogar eine Linguistin schaltet sich in die Diskussion ein. Vielleicht sitzt das Gebiss nicht richtig?

John Malkovich und der Wackelpudding

Die Wetten aber können nach wie vor begeistern. Zwei 15 Jahre alte Zwillingsschwestern können 200 identisch aussehende Teddybären namentlich benennen, einer Baggerfahrerin gelingt es, mit ihrem Bagger rohe Eier anzustechen und ein Spiele-Fan kann Gesellschaftsspiele anhand des Geräuschs beim Ausschütten auf dem Tisch erkennen.

Veronica Ferres und ihre Tochter Lilly Krug werden begrüßt. Im Schlepptau haben sie Hollywoodstar John Malkovich, weil sie gerade gemeinsam einen Film gedreht haben. Schon bald tut einem der arme John furchtbar leid, als man mit ansehen muss, wie er seinen ganz persönlichen Tom-Hanks-Gedächtnismoment verspürt. Nach verlorener Wette soll der 68-jährige Hollywoodstar mit seinen Schauspiel-Kolleginnen Wackelpudding essen, und leider, leider, leider – ist da kein Flieger, den er noch schnell erreichen muss! So harrt er trotz all der unangenehmen Dinge aus, die sich um ihn herum ereignen.

Den Flieger darf dieses Mal indes Robbie Williams erreichen. Wohin, scheint nicht so wichtig. Aber vielleicht will man auch nicht erwähnen, dass es direkt zur WM nach Katar geht. Wettkönig wird ein 41-jähriger 3D-Designer aus Lützerath, der unter anderem Gottschalks und Hunzikers Fingerabdrücke unter mehr als 1000 wiederfinden kann. „Lützerath ist gerettet“, sagt Gottschalk zu dem Klimaaktivisten, der mit dem Preisgeld von 50.000 Euro versuchen will, sein Braunkohle-Dorf vor dem Abriss zu bewahren.

Am Ende singt Herbert Grönemeyer seinen neuen Song „Deine Hand“. Er verbinde mit dem Lied auch eine emotionale Botschaft: wieder enger zusammenzurücken. Und vielleicht ist das auch ein guter Moment, um eine Show wie „Wetten, dass …?“, die man wie durch die Zeit getragen hat und mit der eine ganze Generation aufgewachsen ist, endlich loszulassen. Um sich verdient und stolz zurückzulehnen und zu sagen: Ich habe in den Wohnzimmern dieses Landes und in den Herzen der Zuschauer noch einmal ein familiäres Lagerfeuer zünden können, doch ich gehe, bevor die Glut vollends erlischt.

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