„Das ist einfach der Kracher“
Thüringer Traditionsunternehmen verzweifelt an Bürokratie
26.09.2025 – 20:10 UhrLesedauer: 2 Min.
In einem Online-Beitrag lässt eine Thüringer Unternehmerin ihrem Frust freien Lauf. Unter Tränen beklagt sie die deutsche Bürokratie und fordert Veränderung.
Ein LinkedIn-Post der Unternehmerin Karlotta Gründobler hat eine Debatte über schleppende Genehmigungen in Thüringen ausgelöst. Die Eigentümerin und Geschäftsführerin des Industrieofenbauers Eliog schilderte unter Tränen, wie eine einfache Bauvoranfrage für die Zufahrt zu einem geplanten Werk in einem Gewerbegebiet zwischen Queienfeld und Wofmannshausen zwei Jahre in Anspruch genommen habe. „Das ist einfach der Kracher“, so die Unternehmerin. Inzwischen liegt die Erlaubnis für den Anschluss an die Landstraße vor – der eigentliche Bauantrag für das Werk steht jedoch noch aus.
Eliog, seit über 100 Jahren am Markt und seit mehr als 80 Jahren mit einem Standort im thüringischen Römhild, beschäftigt aktuell rund 85 Mitarbeitende und will mittelfristig deutlich wachsen. Dafür seien neue Flächen und moderne Produktionsbedingungen nötig. Die bisherige Zufahrt ins Gewerbegebiet sei für Schwertransporte ungeeignet, heißt es aus der Geschäftsführung.
Das Thüringer Wirtschaftsministerium beziffert die Bürokratiekosten für Unternehmen im Freistaat auf bis zu 2,9 Milliarden Euro jährlich. Besonders Bauvorhaben sowie Projekte im Umwelt- und Energiesektor verursachten lange Prüfketten, hinzu komme der Rückstand bei der Digitalisierung vieler Behörden.
Die Landesregierung aus CDU, SPD und BSW hat eine „Bürokratiebremse“ angekündigt: Neue Regeln sollen nur eingeführt werden, wenn an anderer Stelle Vorschriften entfallen. Außerdem sollen Verfahren stärker digitalisiert und vereinheitlicht werden.
Das Landesamt für Bau und Verkehr betont auf Anfrage des MDR, die Verzögerung liege nicht allein an der Verwaltung. Man habe bereits im Juni 2024 eine positive Stellungnahme mit Auflagen abgegeben. Das Verfahren habe sich auch deshalb hingezogen, weil Eliog Varianten der Zufahrt mehrfach geändert, Unterlagen verspätet nachgereicht und sich lange nicht endgültig festgelegt habe.
