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Secufy ersetzt im Notfall eine Apple Watch

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Der Sicherheitsbegleiter des deutschen Startups Secufy gibt alleinstehenden Senioren Sicherheit, indem sie jederzeit und überall per Knopfdruck Hilfe an ihren aktuellen Standort holen können. Im Notfall geschieht dies auch automatisch, ähnlich, aber etwas anders als bei einer Apple Watch.

Heutzutage können viele Menschen bis ins hohe Alter selbstständig leben, auch wenn sie alleine sind. Doch die Gefahr im Alltag ist hoch, dass sie stürzen. Laut offiziellen Zahlen passiert dies alleine in den eigenen vier Wänden 33 Prozent der 65-Jährigen mindestens einmal pro Jahr. Bei den über 90-Jährigen sind es über 50 Prozent. Die Folgen sind bei Senioren deutlich gravierender als bei jungen Menschen, häufig brechen sie sich bei einem Sturz Hüfte oder Handgelenke oder verletzen sich noch schlimmer.

30 Euro pro Monat

Neben einem speziellen Training, Protektoren oder Gehhilfen können tragbare Notruf-Geräte dabei helfen, dass die Sturzgefahr nicht dazu führt, dass Senioren auf ein selbstständiges und aktives Leben verzichten müssen. Ganz neu ist der Sicherheitsbegleiter des Mainzer Startups Secufy, der es besonders einfach machen soll, zu Hause, aber auch unterwegs Hilfe herbeizurufen.

Der Dienst kostet 30 Euro pro Monat, für einen 24-Stunden-Notfall-Service sind weitere 10 Euro fällig. Das ist nicht gerade günstig, ntv.de hat ausprobiert, ob Secufy so viel wert ist.

Das Paket, das man für 10 weitere Euro Pfand geliefert bekommt, enthält den Sicherheitsbegleiter samt Kleiderclip, drei sogenannte Homezone-Sender sowie eine induktive Ladestation mit Netzteil und USB-Kabel. Man kann den Sicherheitsbegleiter auch an einem für 10 Euro erhältlichen Armband tragen, aber bei seiner Größe ist er besser an der Hüfte aufgehoben, wo ihn Senioren laut Secufy auch besser bedienen können.

Unkomplizierte Einrichtung

Die Einrichtung mit der mitgelieferten Schritt-für-Schritt-Anleitung ist so einfach, dass kein Servicepersonal dafür nötig ist. Träger des Sicherheitsbegleiters benötigen weder ein Smartphone noch ein heimisches WLAN-Netz.

Zunächst lädt man den wasserdichten Sicherheitsbegleiter auf seiner Ladestation auf und verteilt die Homezone-Sender in der Wohnung, mit denen das Gerät im Notfall die Position eingrenzen kann. Die kleinen Tags können bei Bedarf auch angeklebt oder angeschraubt werden.

Die kleinen Homezone-Sender kann man unauffällig unter- oder anbringen.

(Foto: kwe)

Ist das erledigt, meldet man sich im Secufy-Connect-Portal an. Selbst wenn es eine übersichtliche App gibt, erledigt man die Einrichtung am besten und einfachsten im PC-Browser. Auch hier führt das Handbuch Nutzer Schritt für Schritt ans Ziel.

Persönlicher Kontakt bevorzugt

Zentral sind die Sicherheitskontakte, von denen man bis zu fünf eintragen kann. Sie erhalten im Notfall zuerst eine Benachrichtigung per E-Mail oder SMS oder werden angerufen. Was bei einem Alarm zu Hause oder unterwegs in welcher Reihenfolge geschehen soll, legt man in den Notfallplänen fest.

Beispielsweise kann man eintragen, dass alle Kontakte eine E-Mail, zunächst aber nur Person X angerufen werden soll. Ist sie nicht erreichbar, erhält Person Y einen Anruf. Wenn nach 15 Minuten keiner der Kontakte übernommen hat und dies entweder über App oder Browser gemeldet hat, wird der Alarm vom Notfall-Service betreut – falls man ihn gebucht hat. Außerdem legt man fest, wer wie eine Warnung erhält, wenn der Akkustand zu niedrig ist oder der Sicherheitsbegleiter bis zu einer bestimmten Uhrzeit nicht getragen wird.

Sensoren erkennen Notfall automatisch

Die Trageerkennung erfolgt über Lagesensoren. Mit ihnen kann das Gerät automatisch einen Notfall erkennen und Alarm auslösen, wenn der Sicherheitsbegleiter für eine gewisse Zeit nicht bewegt wird. Da dies auch bei einem Mittagsschlaf passieren könnte, empfiehlt Secufy das Gerät in dieser Zeit auf die Ladestation zu legen, da es keinen Alarm auslöst, wenn es sich in einer absolut waagrechten Position befindet. Eine automatische Sturzerkennung anhand von Bewegungen, wie beispielsweise bei der Apple Watch, bietet Secufy nicht.

Secufy Sicherheitsbegleiter_App.jpg

Die zugehörige App ist wie das System unkompliziert.

(Foto: Secufy)

Ansonsten geben die Träger manuell Alarm, indem sie etwas länger auf die Außenseite des Sicherheitsbegleiters drücken. Der Widerstand ist dabei groß genug, um Fehlalarme zu verhindern. Geschieht es gewollt, spürt dies der Träger deutlich an Vibrationen, zusätzlich leuchten LEDs abwechselnd blau und orange. Sobald Secufy die Benachrichtigungen verschickt und Anrufe an Kontakte gehen, erfährt der Träger dies durch kurze erneute Vibrationen. Eine Option für ein zusätzliches akustisches Feedback gibt es nicht.

Im und außer Haus zuverlässig

Die Alarme kamen im Test zuverlässig mit einer Verzögerung von etwa einer Minute an. Problematisch bei Anrufen könnte sein, dass sie von einem US-Service kommen und daher möglicherweise als vermeintliche Spam-Anrufe weggedrückt werden. Darauf sollte man Kontakte hinweisen und sie am besten bei einem Probealarm die Telefonnummer in ihre Adressbücher aufnehmen lassen.

Die wahrscheinliche Position des Trägers ermittelte das System anhand des am nächsten befindlichen Homezone-Senders im Test immer zuverlässig. Bei einem Alarm außerhalb der Wohnung wird zunächst Alarm gegeben und die per GPS ermittelte Position mit etwas Verzögerung nachgeliefert. In einer SMS oder E-Mail führt ein Link zu Google Maps, in der App wird die Karte direkt angezeigt. Mit wenigen Metern Abweichung erledigte Secufy auch diese Aufgabe tadellos.

Getrackt werden Träger eines Sicherheitsbegleiters aber nicht, die Position wird ausschließlich im Notfall ermittelt und übertragen. Die einzige Information, die Administratoren oder Kontakte in der App immer sehen können, ist die Anzahl der am Vortag gemachten Schritte.

Nicht ganz günstig, aber einfach und effektiv

Im Test hat sich der Secufy Sicherheitsbegleiter als einfaches, aber effektives Notfall-System herausgestellt, vor allem die gute Funktionalität außerhalb der Wohnung und der Vorrang privater Kontakte haben überzeugt. 40 Euro inklusive Notfall-Service sind allerdings kein Pappenstiel. Laut Secufy übernehmen bei einem entsprechenden Pflegegrad aber Krankenkassen gewöhnlich die Kosten, auch wenn das System per Definition zu modern für die noch geltenden Kriterien bei Hausnotrufsystemen sei.

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