Juli 14, 2026 11:55 a.m. CEST

Leser über die Wiedervereinigung

„Habe Angst davor, in den Osten zu fahren“


Aktualisiert am 03.10.2025Lesedauer: 4 Min.

Bis 1989 waren Ost- und Westdeutschland getrennt: Seit 1990 ist die DDR Geschichte. (Quelle: IMAGO / Michael Bihlmayer)

Vereint oder gespalten? Zum Tag der Deutschen Einheit verraten ost- und westdeutsche t-online-Leser, wie sie zur Wiedervereinigung stehen.

Seit 1990 erinnert jährlich der 3. Oktober an die Wiedervereinigung des einst geteilten Deutschland. Nach dreieinhalb Jahrzehnten ist die Deutsche Einheit längst vollzogen und kein Thema mehr, oder etwa nicht? Angesichts des Wahlverhaltens fragt sich mancher Bürger, wie geeint die Nation wirklich ist.

Ein Ostdeutscher und eine Westdeutsche berichten von ihren Erfahrungen mit der Wende und wie sie das Wahlverhalten einschätzen.

„Ich wurde von der ganzen Geschichte, genauso wie die Leute im Osten, ziemlich überrollt“, gesteht Ramona Strankowski. „Ich fragte mich im Nachhinein ganz oft, ob der gewählte Weg richtig war. Denn wir hatten eigentlich keine Zeit, uns vorzubereiten, zu überlegen, wie wir mit der Situation umgehen und uns mit den Folgen auseinanderzusetzen, die ein wiedervereinigtes Land bedeuten.“

Sie gibt zu: „Der Osten war mir fremd und ich war mir gar nicht so sicher, ob ich die Wiedervereinigung überhaupt wollte. Ich fragte mich wirklich, ob es besser gewesen wäre, die alte BRD bestehen zu lassen und daneben einen neuen Staat, demokratisch und losgelöst von der Sowjetunion, zu gründen.“



Ich war mir gar nicht so sicher, ob ich die Wiedervereinigung überhaupt wollte.


Ramona Strankowski, Bochum


Die Bochumerin vermutet, dass Ostdeutsche sich in den alten Parteien nicht wiederfinden und deshalb AfD und BSW so gute Wahlergebnisse erzielten. „Es ist dieses westliche System, von dem sie offensichtlich meinen, es beantwortet ihre Fragen des alltäglichen Lebens nicht. Wenn AfD und BSW die Vertretung des Ostens sein sollen, dann bleibt er mir nach wie vor sehr fremd.“

Das Wahlverhalten ist für sie hochproblematisch: „Im Osten müssen sie verstehen, dass das, was sie im Moment machen, ein Spiel mit dem Feuer ist, das hochgefährlich ist. Es ist wirklich ernst und es geht um die Zukunft unseres ganzen Landes.“ Die 73-Jährige befürchtet, Westdeutschland könne durch starke Populisten mit heruntergezogen werden.

Mit dem Aufbau Ost sei ihrer Meinung nach ein zu großer Fokus auf die neuen Bundesländer gelegt worden. „Es gibt Landesteile im Westen, die sehr schlecht dran sind. Da brauchen wir die Solidarität des Ostens allmählich. Ich würde die Leute gerne mal hierhin einladen. Das Ruhrgebiet geht den Bach runter. Das sehen sie drüben überhaupt nicht. Wir waren solidarisch mit ihnen und haben unseren finanziellen und materiellen Beitrag geleistet. Vor dem Hintergrund ist es ganz besonders bitter, dass man zwar diese Vorteile genommen hat, uns aber jetzt alleinlässt.“

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