August 13, 2026 11:04 a.m. CEST

Unter der Hand kursiert das Szenario, dass ihm möglicherweise ein paar untreu werden und einen AfD-Ministerpräsidenten mitwählen. Ob sie es wirklich tun? Ob es zur Mehrheit reichen würde? Alles unsicher. Schulze wird später sagen, er sehe die Gefahr nicht. Er wiederum klingt sehr sicher. Zu sicher?

Der einsame Cowboy und die Wut

Als der Parteitag vorbei ist, geht es für die CDU nicht aufwärts, so wie es üblich ist, weil alle Nachrichtensendungen und Zeitungen groß über Parteitage berichten. Es geht weiter abwärts. Bei 23 Prozent liegt die CDU Anfang Juli nur noch. Eine positive Dynamik, die Schlagzeilen erzeugt und sich selbst verstärken könnte? Gibt’s nicht.

Die Nervosität in der CDU wächst, und damit auch der Frust. Einige beschweren sich jetzt hinter vorgehaltener Hand über CDU-Abgeordnete, die lieber Urlaub machten als Wahlkampf. Die sich ausruhten, weil sie sicher über die Landesliste einzögen und in ihren Wahlkreisen ohnehin keine Chance sähen, das Direktmandat gegen die AfD zu gewinnen. Wozu also der Stress?

Auch der Frust über Sven Schulze wächst. Bienenfleißig sei er zwar, das sagen alle. Dauernd unterwegs. Aber er spreche zu wenig mit seinen Parteifreunden, heißt es von mehreren in der CDU. Selbst mit den wichtigen Leuten, in den höchsten Gremien. Was die aktuellen Botschaften für den Wahlkampf seien, erfahre am ehesten, wer seine Auftritte bei Markus Lanz schaue, sagt jemand. Es klingt bitter. Wie ein einsamer Cowboy – so wirkt er jetzt auf manchen.

Einige sind davon überrascht, hätten Schulze anders eingeschätzt. Und es gibt Erklärungen: Wahlkampf ist permanente Überforderung, der Druck ist gewaltig. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich Kandidaten in ihre eigene Welt flüchten, in einen Wahlkampftunnel. Doch niemand gewinnt eine Wahl allein. Und Schulze muss nicht nur das. Er braucht seine Leute eben auch nach der Wahl noch.

Plötzlich Widerstandskämpfer

Sven Schulze krempelt die Ärmel hoch. Es ist Ende Juli und er schwitzt, es ist heiß auf der Bühne in Dessau, richtig heiß. Und Schulze? Steht im Feuer, metaphorisch gesprochen. Er tritt an diesem Abend zum dritten Mal mit Didi Hallervorden auf. Zum dritten Mal ist der Saal ausgebucht. Das liegt wohl auch daran, dass die Auftritte deutschlandweit Schlagzeilen machen.

Anlass der Erregung ist ein Friedenslied, das Hallervorden singt. Darin kritisiert er den „Kriegsminister“ Boris Pistorius und auch Kanzler Friedrich Merz, den er auffordert, doch lieber auf dem Mond zu kämpfen. Über die Leinwand im Hintergrund flackern Fotos der beiden, Fotos vom Krieg und auch von einem Banner mit der Aufschrift: „Stoppt den Völkermord in Gaza“.

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