Als Auslöser kommen viele Stresssituationen infrage
Dass sich eine Nebenniereninsuffizienz krisenhaft verschlimmert, kann praktisch jederzeit passieren: Es gibt zahlreiche – auch alltägliche – Reize, die den Organismus körperlich oder psychisch derart beanspruchen, dass sie eine Stressreaktion auslösen. Wie stressig eine Situation wirkt, ist zudem individuell unterschiedlich. Mögliche Auslöser von Stressreaktionen sind unter anderem:
- chemische Reize, wie Drogen oder Chemikalien
- physikalische Reize, wie extreme Hitze oder Lärm
- körperliche Beanspruchungen, etwa durch Infektionskrankheiten, Verletzungen, Operationen, Schwangerschaft oder Geburt
- psychische Faktoren, wie Unsicherheit oder Versagensängste
- soziale Faktoren, wie Konflikte oder Gruppendruck
- kritische Lebensereignisse und traumatische Ereignisse
Aber Achtung: Selbst eigentlich angenehme Situationen können Stress bedeuten und somit für Menschen mit Nebenniereninsuffizienz gefährlich werden – etwa dann, wenn sie zu plötzlich auftreten oder besonders intensiv sind. Die häufigsten Auslöser von Nebennierenkrisen sind jedoch:
- Magen-Darm-Infekte
- fieberhafte Erkrankungen (durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten)
- operative oder invasive Eingriffe
- intensive körperliche Belastungen
- erhebliche psychische Belastungen
Wichtiger Hinweis
Auch bei Menschen mit bislang unerkannter (und demnach unbehandelter) Nebenniereninsuffizienz kann Stress eine Nebennierenkrise auslösen.
Tipps zum richtigen Umgang mit Stresssituationen
Um stressbedingte Nebennierenkrisen bei einer bekannten Nebenniereninsuffizienz zu vermeiden, ist es notwendig, die zu deren Dauertherapie individuell festgelegte Kortisoldosis vorübergehend zu erhöhen – und zwar rechtzeitig (etwa, sobald ein erstes Krankheitsgefühl zu spüren ist).
Daher sollten alle Menschen mit Nebenniereninsuffizienz und deren Angehörige unbedingt lernen, die Therapie in Stresssituationen selbstständig anzupassen. Dazu können sie etwa an eigens für diesen Zweck angebotenen Schulungen in einer Praxis oder Ambulanz für Endokrinologie teilnehmen.
Wie hoch die Stressdosis mindestens sein sollte, hängt vom Ausmaß der körperlichen oder psychischen Anforderungen ab. Betroffene können sich bei der Dosisanpassung in Stresssituationen grob an folgenden Faustregeln orientieren:
- Bei leichten Verletzungen gegebenenfalls 5 bis 10 Milligramm Hydrokortison zusätzlich einnehmen.
- Auch vor anstrengenden Abendveranstaltungen oder über das Gewohnte hinausgehenden Aktivitäten gegebenenfalls 5 bis 10 Milligramm Hydrokortison zusätzlich einnehmen.
- Bei einem Infekt mit leichtem bis mittlerem Krankheitsgefühl ohne Fieber oder in einer deutlichen Belastungssituation (wie erheblicher körperlicher oder psychischer Belastung, starkem Schmerz, kleinen ambulanten Eingriffen) die Tagesdosis verdoppeln.
- Bei einer akuten Erkrankung mit deutlichem Krankheitsgefühl und/oder Fieber die Tagesdosis verdreifachen. Bei fehlender Besserung dringend ärztliche Hilfe einholen.
- Bei anhaltendem Erbrechen, Durchfall, Fieber über 39 °C und/oder schwerem Krankheitsgefühl 100 Milligramm Hydrokortison als Selbstinjektion in einen Muskel spritzen und in jedem Fall dringend ärztliche Hilfe rufen.
Grundsätzlich gilt: Im Zweifelsfall besser kurzfristig zu viel statt zu wenig Kortisol einnehmen. Denn bei unzureichender Dosisanpassung kann eine Nebenniereninsuffizienz bei Stress im Extremfall tödlich verlaufen, wohingegen eine zu hohe Dosis im Notfall nicht schädlich ist. Sobald die Stresssituation vorbei ist, können (und sollten) die Betroffenen aber wieder zu ihrer üblichen Tagesdosis zurückkehren.
