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„Wir sehen Vernichtung von Manchester United“

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„Seit 42 Jahren“ verfolgt Gary Neville die Spiele von Manchester United – so schlimm aber hat die Klublegende den englischen Rekordmeister noch nie erlebt. Die Klatsche beim FC Brentford ist symptomatisch für das Chaos bei United, scheint es.

Eigentlich heißt es ja, dass Bilder mehr als tausend Worte sagen. Bei Manchester United aber sind es viel mehr die Zahlen, die deutlich machen, wie desaströs der englische Rekordmeister nach dem zweiten Spieltag der Premier League da steht. Null Punkte, 1:6 Tore, der letzte Tabellenplatz. Beim FC Brentford stand es schon zur Halbzeit 0:4 aus Sicht von United, erst zweimal hatten die Red Devils zur Halbzeit nach 45 Minuten so hoch zurückgelegen. Die Klatsche beim vermeintlichen Außenseiter war saisonübergreifend die vierte Niederlage in Folge, Negativrekord. Erstmals seit 30 Jahren ist der Klub Tabellenletzter – was eine Klublegende in große Sorge versetzt.

„Ich schaue United seit 42 Jahren“, sagte Gary Neville zunächst einordnend, ehe er festhielt, er könne sich „an keinen Moment erinnern, an dem ich jemals gefühlt habe, dass es so schlecht ist wie in der ersten Halbzeit“. Der frühere Verteidiger, der seine komplette Profikarriere bei United verbrachte und unter Trainerikone Sir Alex Ferguson acht englische Meisterschaften, drei FA-Cup-Siege und zwei Champions-League-Titel gewann, beobachtet die Entwicklung seines Herzensklubs seit längerem kritisch. Beim Stand von 0:4 zum Seitenwechsel in Brentford konstatierte er: Das sei „die Vernichtung von Manchester United“.

Neville hat sich den Ruf eines in der Sache harten, aber fairen Kritikers erarbeitet – und ist angesichts der jüngsten Ereignisse immer häufiger fassungslos. Zur Transferpolitik fiel ihm jüngst nur noch ein bitteres Lachen ein, als öffentlich diskutiert wurde, ob nach diversen gescheiterten Verpflichtungen jemand wie Marko Arnautovic eine Option sein könnte, United aus der Krise zu helfen. „Wir haben diese verzweifelten Transfers in den letzten acht bis zehn Jahren alle schon gesehen, es ist ein Muster. Ich werde gar nicht mehr wütend, ich möchte es einfach nicht mehr kommentieren“, sagte Neville.

Seit dem Abschied von Sir Alex Ferguson, der zwischen 1986 und 2013 die erfolgreichste Zeit der Vereinshistorie prägte, sucht Manchester United vergeblich nach Konstanz. Erik ten Hag, zu dieser Zeit mit großen Ambitionen von Ajax Amsterdam verpflichtet, scheint schon früh in der Saison angeschlagen. „Ich hätte sie alle auswechseln können“, sagte der Niederländer nach Abpfiff deutlich, wie unzufrieden er mit der Leistung seiner Elf war. Die Wechselforderungen von Cristiano Ronaldo überlagern vieles, zunehmend aber analysieren Experten, dass die Probleme struktureller Natur sind. Der Unmut der Fans auf die Klubbesitzer Joel und Avram Glazer wächst und wächst, Anlass zur Hoffnung scheint es angesichts des desaströsen Saisonstarts kaum zu geben.

Wobei immerhin der Blick in die Zahlen etwas Mut machen könnte. Als United zuletzt am Ende des Tableaus stand, zu Beginn der ersten Premier-League-Saison 1992/93, gelang am Ende der Meistertitel. Der erste große Auftritt der legendären „Class of 92“ von Man United, zu der neben Neville auch David Beckham, Paul Scholes und Ryan Giggs zählten. Allerdings heißt der Gegner am dritten Spieltag im Jahr 2022 FC Liverpool – und ist einer der Klubs, die die Red Devils in den vergangenen Jahren nicht nur überholt, sondern abgehängt haben.

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