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Warum ein Basketballspiel so faszinierend ist

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Die deutsche Nationalmannschaft schreibt bei der Heim-Europameisterschaft ein Basketball-Märchen. Nächster Gegner auf dem Weg zu einer ersehnten Medaille ist Spanien. Im Land ist ein Hype um das Team ausgebrochen, aber was macht diesen Sport eigentlich so faszinierend?

Manche Dinge im Basketball lassen sich eben nicht so einfach erklären. Warum etwa brennt ein Spieler in einer Partie ein Feuerwerk von der Dreierlinie ab und produziert im nächsten Spiel nur Backsteine (schlechte Würfe). Selbst die größten Legenden des Sports haben dafür keine Erklärung. „Der Korb sah aus wie ein Ozean, und ich habe nur Steine hineingeworfen“, sagte einst Allen Iverson, der in seiner NBA-Karriere 24.368 Punkte erzielt hat. Das sind – kleine Erklärung für Menschen, die das nicht einschätzen können – sehr, sehr viele. Allen Iverson (bekannt als „The Answer“, also die Antwort, weil er stets auf den Korb eines Gegners mit einem eigenen antwortete), das darf man daraus ableiten, hat also sehr oft den Ozean gesehen. Aber es gibt eben auch jene Tage, an denen der Ozean eine Pfütze und der Stein ein Findling ist. Will sagen: An solchen Tagen geht nichts zusammen.

Die deutsche Basketball-Nationalmannschaft schwamm am Dienstagabend als Kollektiv durch diesen Ozean. Ihr Gegner aus Griechenland dagegen verzweifelte an der Pfütze. Das Viertelfinale der Basketball-EM war eines der spektakulärsten in diesem Turnierformat. Und es entfachte im Land einen Hype um die Mannschaft von Kapitän Dennis Schröder, um NBA-Supertalent Franz Wagner, den Hünen Daniel Theis und wie sie sonst alle heißen (was sie übrigens nochmal nachlesen können). Das Spiel gegen die Griechen erzählte dabei die gesamte Geschichte der Faszination dieses Sports. Denn wohl auf keinem Rasen dieser Welt, auf keinem anderen Parkett oder Eis können sich die Dinge regelmäßig so schnell wandeln wie im Basketball. Wenn ein Kommentator fünf Minuten vor Schluss anmahnt, dass das Spiel trotz zehn Punkten Vorsprung noch längst nicht entschieden sei, dann hält er nicht künstlich die Spannung hoch, dann hat er recht.

Ein Spiel kann so schnell kippen

Ja, im Fußball hat es solche Dinge auch schon gegeben. 1999 vergeigte der FC Bayern das Champions-League-Finale gegen Manchester United binnen Sekunden. Vor wenigen Wochen verdödelte Borussia Dortmund einen 2:0-Vorsprung gegen Werder Bremen. Spiele, die im Gedächtnis bleiben. Weil sie so selten sind. Anders eben als im Basketball. Jeder Fan kennt das: Vertraue selbst dem größten Vorsprung nicht. Kaum eine andere Sportart lebt so von dem Momentum wie dieses Duell zwischen den Körben. Ein Block, also ein im Wurf abgewehrter Ball, ein Steal, also ein geklauter Ball, ein Fast Break, also ein Schnellangriff oder Konter, oder aber ein Alley-Oop, also ein in der Luft gefangener und meist per Dunking direkt verwandelter Pass können ein Spiel jederzeit kippen.

Deutschland hat das gegen Griechenland beeindruckend belegt. Als die Mannschaft um NBA-Superstar Giannis Antetokounmpo das Spiel Sekunden vor der Pause auf ihre Seite zog, mit zwei Punkten per Goaltending (also einer irregulären Abwehr des Balls) und einem Monster-Dreier von der Mittellinie (ja, auch das gibt „nur“ drei Punkte), konterte das DBB-Team zu Beginn des dritten Viertels mit einem eiskalten Dreier von Andreas Obst und einem krachenden Block von Johannes Voigtmann gegen Antetokounmpo. Deutschland schwamm im Ozean des Glücks. Griechenland saß an der Pfütze der Verzweifelten. Mit einer 20:1-Serie wurde das Spiel entschieden.

Basketball ist ein Spiel der Runs, also der Läufe. Zwei, drei gute Offensivaktionen, dazu ein, zwei Stopps, also erfolgreiche Verteidigungen, und schon lassen sich tatsächlich binnen einer Minute sechs, sieben, acht, neun Punkte aufholen. Ein Grund dafür: die Shotclock. 24 Sekunden hat eine Mannschaft Zeit, um einen Angriff zu Ende zu bringen. Tempo verschleppen, den Ball erstmal durch die eigenen Reihen zu spielen, um wieder Ruhe reinzubekommen – unmöglich. Will ein Trainer den Lauf des Gegners unterbinden, muss er eine Auszeit nehmen. Für jede Mannschaft gibt es folgende Möglichkeiten: Zwei Timeouts während der ersten Hälfte des Spiels (also im ersten und zweiten Viertel), drei Timeouts während der zweiten Hälfte (also im dritten und vierten Viertel). Eine Ausnahme gilt: Mehr als zwei Auszeiten pro Team sind in den letzten zwei Minuten nicht erlaubt.

Das Foul als taktisches Mittel

Ein anderes Mittel der Wahl: das Foul. Fünf davon hat jeder Spieler zu geben, ehe das Spiel für ihn endet. Mit den unerlaubten Attacken lässt sich manchen Gegenspielern schnell die Lust am Zocken nehmen. Kommt das Foul im Wurf, gibt es Freiwürfe. Bei Spielern wie Shaquille O’Neal war das eine gute Idee. Der legendäre NBA-Koloss konnte mit seiner Kraft Körbe abreißen. Was er aber nicht konnte: Bälle aus rund 4,2 Metern ohne jede Gegenwehr im Korb versenken. Ein Phänomen, das bis heute um sich greift. Oft sind es die größeren Spieler, die sich mit dieser Disziplin schwertun. Freiwürfe gibt es aber übrigens auch, wenn eine Mannschaft sich pro Viertel fünf Fouls leistet. Dann geht es automatisch an die Linie und gibt keinen Einwurf mehr. Aber nicht jedes Foul ist ein normales Foul. Technische Fouls (meist wegen meckern) und unsportliche (überharte Attacken) werden hart geahndet. Beim zweiten ist bereits Schluss für den Spieler. So wie für Antetokounmpo und Schröder im Duell am Dienstag.

Am Abend nun geht es für Deutschland gegen Spanien um den Einzug ins EM-Finale. 17 Jahre musste das Team auf diesen Moment warten. Ab 20.30 Uhr (live bei RTL, Magentasport und im ntv.de-Ticker) geht es um Ozean oder Pfütze. Bis zum bitteren Ende. Denn gespielt wird, bis einer gewonnen hat. Jede Verlängerung dauert fünf Minuten. Ein Äquivalent zum Penalty- oder Elfmeterschießen gibt es nicht. Wer wirft den ersten Stein?

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