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Stimmen Sie mit ab!: Die Para-Sportler des Jahres stehen zur Wahl – Sport

Als Taliso Engel am 1. September die Schwimmhalle in Tokio betritt, wird es in Berlin für einen kurzen Moment sehr still. Das Team der „Paralympics Zeitung“ war nicht zu den Sommerspielen gereist, stattdessen berichteten die jungen Journalist:innen aus Konferenzraum E im Verlagsgebäude des Tagesspiegels über die Wettkämpfe (alle Texte finden Sie hier). Auf der großen Leinwand kommt also der 19-jährige Engel ins Bild und steigt auf den Startblock – in Berlin ruft noch jemand „Oh mein Gott, oh mein Gott“ und schlägt sich nervös die Hände vors Gesicht. Dann wird es still.´

Das Redaktionsteam hatte Taliso Engel vor seiner ersten Teilnahme bei Paralympics kennenlernen dürfen, in einem Videocall vor seiner Abreise nach Japan zeigte sich der sehbehinderte Schwimmer ganz unaufgeregt und nahbar und wurde schnell zu einer Person, dem das Team der PZ eine Medaille von ganzen Herzen wünschte.

Der Start von Engel auf Bahn vier verläuft ordentlich, auf seiner Paradestrecke über 100 Meter Brust ist es bis zur Wende ein knappes Ding mit seinem größten Widersacher aus den USA, dann beschleunigt der Nürnberger und in Konferenzraum E in Berlin bricht plötzlich ein Schrei los, ein zweiter, oh mein Gott, oh mein Gott, jemand beginnt zu klatschen, looooos, jaaaaa, jemand ruft Talisos Namen, Hände schnellen in die Luft, Füße stampfen, Taliso, Taliso, Taliso, alle stehen jetzt und jubeln den Schwimmer im fast 9000 Kilometer Luftlinie entfernten Becken zum Sieg.

Große Schritte für den Behindertensport

So oder so ähnlich hat es sich in Berlin in Konferenzraum E zugetragen. So oder so ähnlich hat es sich über die ganze Welt verstreut in Wohnzimmern, Vereinsheimen, an Arbeitsplätzen zugetragen. Publikum aus dem Ausland war bei den Spielen in Tokio wegen der Pandemie nicht erlaubt. Doch Einschalten in die umfangreiche Berichterstattung hat sich meistens gelohnt. Und wenn man am 1. September einfach gleich dran blieb, dann sah man direkt die nächste Goldmedaille für die deutschen Schwimmer:innen, looooos, jaaaaa, Elena Krawzow tat es Engel sensationell gleich.

Tasilo Engel heimste in Tokio einen Erfolg nach dem anderen ein.Foto: imago images/Mika Volkmann

Für den Behindertensport sind es weiterhin große Schritte, in denen es voran geht. Im deutschen Fernsehen wurde den Paralympics von morgens bis in die Nachmittagsstunden gehörig Sendeplatz zur Verfügung gestellt. Es ist ein Angebot an die Bevölkerung, das nicht fehlen darf. Nur mit einer breiten Präsenz ist es den Sportler:innen möglich, ihre Identifikationsfläche weiter aufzuspannen, eine sportliche Geschichte zu erzählen, die größer ist als die persönliche, zum Vorbild zu werden für viele andere.

Genau darauf zielt auch die Wahl der „Para Sportler:innen des Jahres“ ab. Der Deutsche Behindertensportverband würdigt mit seiner Online-Abstimmung vom 14. bis 19. November damit natürlich vor allem die Leistungen aller Nominierten – er arbeitet damit aber auch unerlässlich daran, weitere „Leuchttürme“ anzuknipsen, wie Verbandspräsident Friedhelm Julius Beucher die Athlet:innen nennt – die über die Paralympics hinaus strahlen und den deutschen Para-Sport einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen und weitere Fans gewinnen. Beispiele und Nominierte gibt es da auch dieses Jahr wieder zahlreich.

Unter den sechs nominierten Frauen sticht vor allem Elena Krawzow hervor.Foto: imago images/camera4+

„Ich leide nicht an der Glasknochenkrankheit”

Neben Taliso Engel stehen bei den Männern Triathlet Martin Schulz und die Prothesen-Stars Markus Rehm, Johannes Floors und Felix Streng zur Abstimmung – aber auch Valentin Baus. Der sympathische Tischtennisspieler holte in Tokio die Goldmedaille im Einzel und spielte nebenbei noch einen TV-Moderator an die Wand: „Ich leide nicht an der Glasknochenkrankheit. Ich habe sie“, entgegnete der 25-Jährige freundlich, aber bestimmt. Das Netz jubelte ihm zu.
Unter den sechs nominierten Frauen sticht vor allem Elena Krawzow hervor. Bei der sehbeeinträchtigten Schwimmerin wurde kurz nach den Paralympics ein Gehirntumor festgestellt. Mittlerweile wurde sie erfolgreich operiert. Viele Medien berichteten über den Fall. Mit 28 Jahren ist sie nun ein ganz neuer Name in der Welt des Para-Sports: Kurz vor der OP heiratete sie ihren Trainer und heißt jetzt Elena Semechin.
Die Abstimmung mit allen Nominierten finden Sie hier. Neben den Stimmen der Fans und Interessierten entscheidet ein zehnköpfiges Expertengremium über die Gewinner:innen. Die Abstimmung läuft bis zum 19. November, 12 Uhr.

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