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Starke Berliner Hinrunde: Der 1. FC Union will die Erfolgswelle weiter reiten – Sport

Andreas Luthe hatte wirklich allen Grund zur Freude. Der Torwart des 1. FC Union stand im Ruhrstadion, seiner langjährigen fußballerischen Heimat, begrüßte alte Weggefährten und hatte ein breites Lächeln im Gesicht. Mit dem 1:0 beim VfL Bochum haben sich die Berliner zum ersten Mal seit dem Bundesliga-Aufstieg mit einem Sieg in die Weihnachtspause verabschiedet. Es war nicht sonderlich schön, was Union am Samstag auf den Bochumer Rasen arbeitete, und für den erfolgreichen Jahresabschluss war viel Glück vonnöten, doch das interessierte danach niemanden mehr. „Wir stehen wieder einmal da oben, wo uns niemand erwartet hat – und das im zweiten Jahr in Folge“, sagte Luthe. „Wir reiten diese Welle einfach weiter.“

Mit 27 Punkten beenden die Berliner die Hinrunde mit allen Chancen auf eine erneute Europapokalqualifikation. Selbst die Champions-League-Ränge sind nur einen Punkt entfernt und viel ambitioniertere Mannschaften wie Rasenballsport Leipzig, der VfL Wolfsburg oder Borussia Mönchengladbach liegen weit hinter dem immer noch kleinen Bundesligisten aus Köpenick. War die vergangene Saison mit Platz sieben und der Qualifikation für die neugeschaffene Conference League bereits eine Sensation, so kann man die nun abgelaufene Hinrunde durchaus als Meisterwerk von Manager Oliver Ruhnert, Trainer Urs Fischer und der gesamten Mannschaft bezeichnen.

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Den schwierigen Spagat zwischen Bundesliga, Pokal und Europacup haben die Berliner in den vergangenen Monaten beeindruckend gut geschafft. Wären deutlich etabliertere Vereine wie Mainz (2015/16) und Freiburg (2016/2017) nach der gefeierten Qualifikation für das internationale Geschäft in der folgenden Saison beinahe abgestiegen, steht Union nur einen Punkt schlechter da als vor einem Jahr – und das obwohl keine deutsche Profimannschaft in der Hinrunde mehr Pflichtspiele bestritten hat. Von 27 Begegnungen haben die Berliner lediglich sieben verloren. Dass die Europapokalreise nach drei Niederlagen in der Gruppenphase bereits vorbei ist, ist der einzige kleine Wermutstropfen dieses erfolgreichen Halbjahres.

In der Bundesliga hat Union die Erwartungen hingegen erneut übertroffen. Fischer hat der Mannschaft eine Stabilität und Selbstsicherheit eingeimpft, die sie selbst für individuell deutlich talentiertere Gegner nur sehr schwer zu schlagen macht. So gab es Siege gegen Leipzig, Gladbach und Wolfsburg sowie ein Remis gegen Bayer Leverkusen. Mit mehr als einem Tor Unterschied verloren die Berliner nur zwei Mal – und das gegen die deutschen Branchenführer: 2:4 bei Borussia Dortmund und 2:5 gegen den FC Bayern. Letztere war die einzige Heimniederlage im Stadion An der Alten Försterei im gesamten Kalenderjahr.

Schuss zum Sieg. Max Kruse erzielte in Bochum den einzigen Treffer.Foto: David Inderlied/dpa

Die Basis für diesen Erfolg ist die starke Defensivarbeit. Die Dreier- respektive Fünferkette versteht sich blind, die Räume werden gut besetzt und im Tor strahlt Andreas Luthe trotz vereinzelter Fehler in den vergangenen Monaten große Ruhe aus. In dieser Englischen Woche – es war bereits die zehnte seit Saisonbeginn vor viereinhalb Monaten – blieb Union gegen Freiburg und in Bochum ohne Gegentreffer. Mehr als Luthes sechs Zu-Null-Spiele kann kein Torwart in der Bundesliga vorweisen.

Diese Stabilität und die Mentalität, die Union schon seit dem Aufstieg auszeichnet, helfen der Mannschaft auch über Phasen hinweg, in denen ihr wie in den vergangenen Woche die Frische fehlt. „Die letzten drei Spiele waren nicht so gut und wir haben uns vorgenommen, das letzte Spiel vor der Pause zu gewinnen“, sagte Max Kruse. Das gelang – auch dank des Stürmers, der in Bochum das Tor des Tages schoss. „Es war wichtig, ein Zeichen zu setzen“, sagte Kruse.

Dass sich Unions Ausnahmespieler in den Interviews nach dem Spiel über seine Reservistenrolle am vergangenen Mittwoch gegen Freiburg beschwerte, moderierte Fischer ebenso gelassen herunter wie die Becherwürfe einiger Bochumer Fans in der Schlussphase. Über solche Nebengeräusche spricht der Schweizer Trainer nicht gerne, viel lieber über die Leistung seiner Spieler. „Die Mannschaft ist noch mal ans Limit, phasenweise übers Limit gegangen. Das macht mich wirklich stolz“, sagte Fischer.

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Als Belohnung für das erfolgreichste Jahr der jüngeren Vereinsgeschichte bekommen die Berliner zwei Tage mehr Urlaub als ursprünglich angedacht. Das erste Training findet an Neujahr statt, eine Woche später geht es mit einem Auswärtsspiel in Leverkusen wieder los.

Ohne die zusätzliche Belastung des Europapokals hat Fischer in der Rückrunde wieder mehr Zeit für seine akribische Spielvorbereitung. In der vergangenen Saison waren die Berliner stets ausgezeichnet auf den jeweiligen Gegner eingestellt, das war in dieser Hinrunde nicht immer möglich. Die Voraussetzungen für eine Fortsetzung der Köpenicker Erfolgsgeschichte sind also gegeben. Doch Fischer wäre nicht Fischer, wenn er deshalb seine Zurückhaltung aufgeben würde. „Wir bleiben unserem Weg treu“, lautet die Standardantwort des Trainers auf Fragen nach höheren Zielen. Wohin es gehen kann, wenn der Klassenerhalt erst mal geschafft ist, hat die vergangenen Saison allerdings bereits gezeigt.

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