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Sechs Boeing fliegen die Formel 1 um den Globus

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Am Sonntag fährt die Formel 1 in Aserbaidschan am Kaspischen Meer, nur eine Woche später startet sie in Montreal beim Großen Preis von Kanada. 750 Tonnen Materialien in sechs Frachtmaschinen. Ein logistischer Kraftakt für DHL – aber trotzdem entspannter als Rennen in Europa.

Spanien, Monaco, Aserbaidschan, Kanada, Großbritannien, Österreich – in dieser Reihenfolge geht es für die Formel 1 in diesen Wochen rund um den Globus. Sechs Rennen an acht Wochenenden. Nach dem Stadtrennen in Monte Carlo am letzten Mai-Wochenende geht es diesen Sonntag in Baku (13 Uhr/Sky und im Liveticker bei ntv.de) weiter.

Knapp 3.500 Kilometer Luftlinie trennen die Côte d’Azur von Aserbaidschans Hauptstadt, eine Riesenentfernung – logistisch für die Formel 1 aber fast schon Alltag und überhaupt kein Problem. „Das ist ein sehr komfortabler Kalender, wenn man zwei Wochen zwischen den Rennen hat“, sagt Arjan Sissing, Leiter Markenmanagement bei der Deutschen Post DHL Group, im ntv-Podcast „Wieder was gelernt“.

Seit fast 40 Jahren transportiert DHL die Formel-1-Autos und das Equipment der Teams rund um den Globus. Dafür braucht sie in der Regel sechs Boeing-777-Frachtmaschinen. „Wir unterscheiden zwischen Seefracht, Luftfracht und natürlich Landfracht. Über den Seeweg transportieren wir die sogenannten Non-Critical-Kits, also die Materialien, die nicht unbedingt zwingend notwendig sind für jedes Rennen. Ohne Autos findet kein Rennen statt, aber es kann sein, dass es ohne Rückwand von einer Teamgarage doch geht“, erklärt Sissing.

300 Laster fahren durch Europa

Bei Rennen in Europa, die den Großteil des Formel-1-Kalenders ausmachen, werden sämtliche Container über die Straße transportiert. Fast 300 Gelenk-LKW bringen das gesamte Material von A nach B. Nur in absoluten Ausnahmefällen, wenn Laster ausfallen, würden Flugzeuge eingesetzt, erklärt Sissing.

Nach Rennende in Baku werden etwa 750 Tonnen Material verladen und nach Montreal geflogen.

(Foto: picture alliance / DPPI media)

Im Regelfall ist der Weg über die Straße jedoch der umständlichere, in Europa vor allem wegen Großbritannien. „Seit dem Brexit sind Europa-Rennen wenig unkomplizierter als Übersee-Rennen“, sagt Sissing. „Die meisten Teams sind in England beheimatet. Und wegen des Brexits ist der Transport, was Zoll und andere Bedingungen angeht, ähnlich aufwendig wie bei Übersee-Rennen.“ Der Grenzverkehr nach Großbritannien sei auch deshalb schwierig, weil „wir mit 40 LKW durch einen Tunnel müssen“. Das sei kritisch. „Nicht alle LKW kommen da so flutschig durch.“

Bei einem Zweiwochenrhythmus wird die Fracht ebenfalls sofort zur nächsten Rennstrecke gebracht. Dort hat man dann aber mehr Zeit, alles aufzubauen.

Europa-Rennen? Größere Herausforderung als Übersee

Rennen in Europa, direkt hintereinander, sind logistisch sogar eine größere Herausforderung als Übersee-Rennen. Die Materialien in den Frachtflieger zu verladen und über den Großen Teich, in den Mittleren Osten oder nach Australien zu schicken, sei deutlich angenehmer, sagt Sissing. Zumal die Logistik bei Übersee-Rennen von der Formel 1 zentral organisiert wird.

Unmittelbar nach Rennende werden die Autos zerlegt und alles wird verpackt. Das dauert meist sieben bis acht Stunden. Danach werden die Materialien auf Paletten geladen und per LKW zum Flughafen gebracht. Die Fahrgestelle, die Chassis, werden in speziellen Containern transportiert. „Letztendlich wird alles demontiert, was nicht niet- und nagelfest ist. Und dann kommen die Chassis in die Container und werden zur nächsten Rennstrecke gebracht“, erklärt Sissing.

Etwa 750 Tonnen werden unmittelbar nach Rennende in Aserbaidschan am Sonntag verladen und nach Montreal transportiert. 9.000 Kilometer vom Kaspischen Meer nach Kanada. Dort angekommen, beginnt sofort der Aufbau. Es gibt keine Zeit zu verlieren, am Freitag sind schon die Trainingssessions.

Drei Rennen direkt hintereinander

Wo finde ich „Wieder was gelernt“?

Alle Folgen von „Wieder was gelernt“ können Sie in der ntv-App hören und überall, wo es Podcasts gibt: Audio Now, Amazon Music, Apple Podcasts, Google Podcasts und Spotify. Mit dem RSS-Feed auch in anderen Apps.

Die vergangene Saison hat die Formel 1 die Teams und die Logistik ordentlich auf die Probe gestellt. Im Kalender waren gleich zwei sogenannte „Triple-Header“, also drei aufeinanderfolgende Grand Prix ohne rennfreies Wochenende dazwischen. Von Spa in Belgien ging es nach Zandvoort an die niederländische Nordseeküste und von dort weiter nach Monza zum großen Preis von Italien. Der zweite „Triple-Header“ sah Rennen in Mexiko, Brasilien und Katar vor.

In dieser Saison gibt es erneut einen Dreierpack. Die Rennen in Spa, Zandvoort und Monza werden wieder direkt hintereinander ausgetragen. Ist DHL als Logistik-Dienstleister der Formel 1 an der Erstellung des Rennkalenders beteiligt? „Wir werden mit einbezogen, aber sicherlich sind wir nicht maßgebend, das muss man fairerweise sagen. Wir versuchen, unsere Erfahrung einzubringen“, sagt Sissing im Podcast.

Teamchefs beklagen gestiegene Frachtkosten

Bei DHL kümmert sich eine eigene Abteilung mit etwa 35 Mitarbeitern ausschließlich um die Logistik der Formel 1. Ein harter Job, jedes Jahr aufs Neue anstrengend. Nur nach Abwicklung des letzten Saisonrennens – seit Jahren in Abu Dhabi – haben die Kolleginnen und Kollegen „mal drei, vier Wochen frei“, berichtet Sissing. Früh im neuen Jahr geht es dann bereits mit den Testfahrten in Barcelona weiter. „Wir können nicht lange stillsitzen, was die Formel 1 angeht, aber wir machen das sehr gerne“, sagt der DHL-Markenmanager.

Bisher hat es der Logistikkonzern auch immer geschafft, die Fracht pünktlich an die nächste Rennstrecke zu liefern. Doch das hat seinen Preis – gerade in diesen Zeiten. Steigende Inflation, dazu knappe Frachtkapazitäten bei der See- und Luftfracht, da Corona und verschiedene Lockdowns das System aus dem Tritt gebracht haben. Die Frachtkosten haben sich stark erhöht, klagen die Teamchefs der Formel, allen voran Christian Horner von Red Bull. Er ist deshalb dafür, die Budgetgrenze der Formel-1-Teams aufzustocken.

22 Rennen werden in diesem Jahr ausgetragen – genau wie in der vergangenen Saison. Eigentlich hätten es aber 23 werden sollen. Doch wegen des russischen Angriffskrieges wurde der Grand Prix in Sotschi aus dem Kalender gestrichen. Ersatzlos – zur Erleichterung aller Beteiligten. Das spart Geld und Kraft.

„Wieder was gelernt“-Podcast

„Wieder was gelernt“ ist ein Podcast für Neugierige: Bekommt die Deutsche Bank ihr Geld von Donald Trump zurück? Warum bezahlen manche Berufspiloten Geld für ihren Job? Warum ziehen Piraten von Ost- nach Westafrika? Hören Sie rein und werden Sie dreimal die Woche ein bisschen schlauer.

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