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Schwieriges erstes Jahr bei den Füchsen Berlin: Rückraumspieler Marian Michalczik blickt nur noch nach vorn – Sport

Das letzte Bild, das Marian Michalczik auf seinem Instagram-Account gepostet hat, vermittelt eine nachdenkliche Atmosphäre. In Grautönen gehalten, zeigt es den Handballer allein auf der Spielerbank sitzend. Gedankenversunken lässt er von dort den Blick durch die leere Halle schweifen. Es war Michalcziks Reaktion am Ende der vergangenen Saison auf sein erstes Jahr bei den Füchsen, das er sich in vielerlei Hinsicht anders vorgestellt hatte.

„Das Fazit war sicher nicht das Beste“, sagt der 24-Jährige rückblickend. Nach seinem Wechsel vom TSV GWD Minden nach Berlin tat sich der Rückraumschütze schwer, den Erwartungen gerecht zu werden. Anstatt Kapitän zu sein, musste er seine neue Rolle im schon vorhandenen Füchse-Kollektiv finden, stand mit dem Klub unter einem ganz anderen Leistungsdruck als noch zuvor bei den Nordrhein-Westfalen und wurde zudem durch eine Corona-Infektion sowie mehrere Verletzungen wiederholt zurückgeworfen.

„Allein seine Covid-Erkrankung hat ihm mehr zu schaffen gemacht, als er vielleicht zugeben möchte“, sagt Vorstand Sport Stefan Kretzschmar mit Verweis auf die psychischen Beschwerden, die erkrankte Spieler teilweise durchleben mussten.

Michalczik selbst möchte am liebsten gar nicht mehr über diese schwierige Phase seiner Karriere sprechen und blickt vorzugsweise auf die Chancen, die vor ihm liegen: „Es ist wie es ist und es wäre falsch, nach Ausreden zu suchen. Aus dem Tief musste ich mich Stück für Stück herauskämpfen und mir das Vertrauen zurückerarbeiten“, erzählt er und fügt hinzu: „Das war kein einfacher Weg, aber ich weiß, dass ich Handball spielen kann und möchte das in Zukunft wieder mehr auf dem Feld zeigen“.

Durch die Verletzung von Fabian Wiede, der aufgrund von Flüssigkeit im Knie zuletzt pausierte und dem kürzlich am Meniskus operierten Paul Drux, sind die Füchse im Rückraum geschwächt und so könnte jetzt die erneute Möglichkeit für Michalczik gekommen sein, nicht nur seine in den letzten Wochen ohnehin schon überzeugende Abwehrarbeit zu untermauern, sondern ebenso in der Offensive mehr Einsatzzeit zu sammeln.

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Die Grundlage dafür hat Michalczik im letzten Spiel der Füchse in Lemgo gelegt, als er mit vier Toren bei vier Versuchen und drei Assists seine Qualitäten als Spielmacher unter Beweis stellte.

„Das war vielleicht sein bisher bestes Spiel bei uns“, lobt Kretzschmar. „Marian ist gerade auf einem guten Weg. Wenn er sein Talent und seine Fähigkeiten voll ausschöpft, ist er für mich einer der besten Mittelmänner, die wir hier in Deutschland haben.“ Oft fehle dem 24-Jährigen jedoch noch der Mut, aufs Tor zu gehen. Daran müsse er arbeiten.

Für das bevorstehende Spiel heute bei der SG Flensburg-Handewitt (19.05 Uhr/Sky) gibt es sicherlich einfachere Aufgaben. Zum einen, weil der Vizemeister mit seiner kompakten Defensive meist wenig Raum für Durchstöße lässt und zum anderen, weil dahinter in Benjamin Buric und Kevin Möller eines der besten Torhüter-Gespanne der Bundesliga aufwartet. „Trotzdem glaube ich, dass wir da offensiv gute Lösungen finden werden“, sagt Michalczik. „Das ist für uns ein wichtiges Spiel. Da werden wir alle heiß sein und von Anfang an mit voller Kapelle bereitstehen.“

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Wichtig ist das Spiel aber nicht nur für die Berliner, sondern gleichermaßen für Flensburg. Durch die Ausfälle von Franz Semper, Lasse Möller, Gøran Søgard Johannessen und Magnus Rød wurde das Team von Trainer Maik Machulla zuletzt einiger Qualitäten beraubt und rangiert in der Liga nur auf Platz sechs mit ebenso vielen Minuspunkten.

Stefan Kretzschmar warnt vor der SG Flensburg-Handewitt

Trotzdem warnt Kretzschmar davor, den angeschlagenen Champions-League-Teilnehmer zu unterschätzen: „Für Flensburg ist es ein Alles- Oder-Nichts-Spiel. Und man muss das realistisch betrachten. Sie haben sich diese Saison noch keine großen Ausrutscher erlaubt und werden weiter um die Meisterschaft mitspielen.“

Ebenso vorsichtig ist Michalczik. „Das wird sicher kein Selbstläufer, aber natürlich können und wollen wir unsere Serie da weiter fortsetzen.“

Und da liegt momentan vielleicht der kleine, aber feine Unterschied. Während die Flensburger sich in fast jedem Spiel durchbeißen mussten und Machulla zufolge kaum wettbewerbstauglich seien, reiten die Füchse aktuell auf einer Erfolgswelle, die die Mannschaft mehr und mehr mit Selbstbewusstsein versorgt.

Ein Aspekt, der sich auch bei Marian Michalczik beobachten lässt. Sportlich zuletzt in der Partie in Lemgo, aber genauso in seinem Habitus abseits des Feldes. Der Teamgeist, der zurzeit bei den Berlinern zu erleben ist, scheint ihm einen erneuten Schub gegeben zu haben. Und wenn er diesen nutzen kann, fällt das nächste Fazit vielleicht etwas farbenfroher aus.

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