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Remis beim 1. FC Köln: Der 1. FC Union verpasst Sprung auf Champions-League-Platz – Sport

Andreas Luthe wedelte mit den Armen, trippelte von links nach rechts und reckte den Hals. Aber es half alles nichts. Genau vor ihm hatte sich Anthony Modeste aufgebaut und dachte gar nicht daran, Unions Torwart ein freies Blickfeld zu gestatten, damit der seine Freistoßmauer stellen konnte. Also griff Luthe zum letzten Mittel und nahm sich den Störenfried höchstpersönlich vor. Ein kleiner Schubser und schon war das Problem gelöst. Allerdings führte das zu einem weiteren, denn Schiedsrichter Tobias Stieler zeigte erst Modeste und dann auch Luthe die Gelbe Karte.

Die Szene stand sinnbildlich für eine hektische Anfangsphase bei Unions Bundesligaspiel in Köln, in dem es nach nicht einmal zehn Minuten schon 1:1 stand, das am Ende aber keinen Sieger fand. Beim insgesamt leistungsgerechten 2:2 (1:2)  trafen   zweimal Modeste für Köln sowie  Julian Ryerson und Grischa Prömel für die Berliner.

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„Ich glaube schon, dass es möglich war, hier heute zu gewinnen. Dass es dann nur ein Punkt ist, ist ein bisschen schade“, sagte Luthe nach dem Spiel bei Dazn. Kölns Trainer Steffen Baumgart war mit der Leistung seiner Mannschaft zwar nicht gänzlich einverstanden, bilanzierte schließlich aber mit einem kleinen Kompliment Richtung Union: „Wenn ich sehe, gegen wen wir hier heute gespielt haben, ist alles gut.“

Urs Fischer hatte seine Mannschaft nach dem 1:2 in der Conference League gegen Feyenoord Rotterdam am Donnerstag auf gleich fünf Positionen verändert: Timo Baumgartl, Niko Gießelmann, Julian Ryerson, Grischa Prömel und Taiwo Awoniyi begannen anstelle von Paul Jaeckel, Christopher Trimmel, Levin Öztunali, Kevin Behrens und Tymoteusz Puchacz. Doch so richtig sortieren konnte sich Union nicht, denn Baumgartl musste nach wenigen Minuten  wegen einer Platzwunde am Kopf ein Turban angelegt werden und kaum, dass er wieder auf dem Feld stand, hieß es  schon 1:0 für die Gastgeber. Nach einem Ballgewinn schaltete Köln blitzschnell um. Florian Kainz zog aus fast 25 Metern fulminant ab und jagte den Ball an die Latte, den Abpraller versenkte Modeste ohne größere Mühe.

Der FC war für einen Moment wie berauscht

Nun hätte es kritisch werden können für Union, denn angetrieben von 50.000 Zuschauern war der FC einen Moment lang wie berauscht. So etwas kann allerdings auch schon mal nach hinten losgehen – und das tat es auch. Nur 124 Sekunden nach dem Führungstor der Kölner glich Ryerson mit einem überlegten Flachschuss ins kurze Eck aus. Union war nun besser im Spiel, auch weil die defensive Ordnung stimmte.

Zwar überließen die Berliner dem Gegner weitgehend die Initiative, sie versuchten es aber immer wieder mit frühem Pressing schon am Kölner Strafraum. Und das sollte sich kurz vor der Pause auszahlen, als Rafael Czichos unter Druck den Ball verlor und Prömel nach Pass von Genki Haraguchi zum 2:1 traf. Fast wäre Awoniyi vor der Pause sogar noch das dritte Union-Tor gelungen, doch nach feiner Einzelaktion schoss er aus der Drehung aus kurzer Distanz über den Kölner Kasten.

Nach dem Wechsel begann das Team von  Steffen Baumgart stürmisch und hatte die ersten Chancen. Allerdings boten sich schon früh in der zweiten Halbzeit bemerkenswerte Räume für Union, die aber nicht genutzt wurden, weil die Berliner ihre Konter oft nur ungenau zu Ende spielten. Dennoch präsentierte sich Union insgesamt reifer als die  ungestümen Kölner und von der befürchteten Müdigkeit nach den vielen Spielen in den vergangenen Wochen war lange nichts zu sehen.

Zehn Minuten vor dem Ende verloren die ersten FC-Fans die Geduld und quittierten die zunehmend einfallslosen Offensivbemühungen ihrer Mannschaft mit Murren. Doch wenn im Fußball nichts geht, gibt es immer noch Standards. Und so war es erneut Modeste, der nach einem Eckball noch zum 2:2 einköpfte und sich anschließend die Schiebermütze seines Trainers aufsetzte. Baumgart aber wollte noch mehr und tatsächlich hatte Kainz sogar noch den Siegtreffer auf dem Fuß, doch der wäre letztlich ein bisschen zu viel des Schlechten für die stark aufspielenden Berliner gewesen. (Tsp)

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