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Moukoko piesackt den BVB schon wieder

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Youssoufa Moukoko schießt die deutsche U21-Nationalmannschaft zu einem Erfolg in Polen, danach wünscht sich sein Trainer zwei Sachen für den Stürmer: Glück und Ruhe. Doch die Sache mit der Ruhe torpediert Moukoko postwendend selbst.

U21-Nationaltrainer Antonio Di Salvo konnte hochzufrieden sein mit seinem Stürmer: Youssoufa Moukoko traf beim 2:1 gegen Polen zweimal, der erst 17-jährige Dortmunder lieferte in seinem vierten Spiel für den ältesten DFB-Nachwuchs eine Gala ab. „Jetzt soll er erst mal glücklich sein, dass die Saison so zu Ende gegangen ist“, forderte Di Salvo nach dem letzten Qualifikationsmatch für die U21-Europameisterschaft von Moukoko. Und an den deutschen Fußball-Profibetrieb und die interessierte Medienlandschaft gerichtet appellierte der ehemalige Profi: „Es ist wichtig, Youssoufa in Ruhe arbeiten zu lassen, in Ruhe reifen zu lassen.“

Am 13. Spieltag der Saison 2020/21 hatte sich Moukoko in der 60. Minute des Spiels seines BVB bei Union Berlin zum jüngsten Torschützen der langen Bundesliga-Geschichte gemacht. 16 Jahre und 28 Tage alt war der Stürmer da, der Hype, der sich schon in den Wochen vor dem Bundesligadebüt des Teenagers gewaltig aufgebaut hatte, nahm gigantische Ausmaße an. „Wunderkind“ Moukoko, so dachte man vielerorts, werde die Bundesliga im Sturm erobern, es müsse doch jetzt einfach so weiter gehen. Doch es kam anders, natürlich, der Junge war eben erst 16 Jahre und 28 Tage alt. Auf das erste Tor folgten 2021 im Saisonendspurt noch zwei weitere. vor allem aber bremsten immer wieder Verletzungen den Aufstieg des Hoffnungsträgers, der wenn, dann vor allem noch in Kurzeinsätzen aufs Feld durfte.

„Wisst ihr, wie alt der Junge ist?“

Es ging nicht schnell genug weiter immer weiter nach oben – und das nervte zunehmend viele. Der inzwischen ehemalige BVB-Trainer Marco Rose hatte schon im Saisonendspurt um Geduld geworben- bei allen Beteiligten. „Wisst ihr, wie alt der Junge ist? Der ist 17. Dann wird geschrieben: der Absturz des Youssoufa Moukoko. Wenn ich mit 17 so was über mich hätte ergehen lassen oder lesen müssen, weiß ich nicht, wie es mir gegangen wäre“, sagte Rose im Mai. Er würde sich wünschen, „dass man den Jungen auch mal 17 sein und sich entwickeln lässt. Und ihm nicht noch irgendwelche Klötze ans Bein bindet, Druck aufbaut oder den Verein ins Achtung stellt.“

Das Problem an dem ganzen Komplex ist: Moukoko ist selbst ungeduldig, seine Karriereplanung geht auch aus Sicht des in seinem Verein gebremsten Torjägers nicht rasant genug vonstatten. Immerhin 16 Bundesligaspiele bestritt Moukoko in der abgelaufenen Saison, insgesamt stand er jedoch nur 210 Minuten auf dem Platz. Die nutzte er immerhin für zwei Tore und zwei Vorlagen.

Ihm selbst ist das zu wenig, alles. Er habe lernen müssen, mit dem großen Druck im Profi-Geschäft umzugehen, sagte Moukoko. „Ich glaube, ich komme damit klar. Ich muss niemandem etwas beweisen, nur mir selbst. Das habe ich gelernt“, sagte er gegenüber dem „Kicker“. Nun will er das Gelernte regelmäßiger zeigen. Daran ließ der 17-Jährige nie einen Zweifel. Nach dem letzten Saisonspiel gegen Hertha BSC sorgte er via Snapchat mit Fotos und Nachrichten für Wirbel. „Nach sechs Jahren mit wunderschönen Momenten muss ich mich verabschieden“, hieß es dort unter anderem. „Youssoufas Nachrichten waren unbedarft formuliert. Er wollte sich scheinbar bei seinen scheidenden Kollegen bedanken“, versuchte der künftige Sportdirektor Sebastian Kehl die Aussagen verzweifelt wieder einzufangen.

#vertrauenistalles

Nun nutzte Moukoko die eigene Gala im DFB-Trikot, um den Appell seines Nationaltrainers flugs ins Reich der frommen Wünsche zu verweisen. Ja sicher freute sich der Torschütze erstmal, aber die Sache mit der Ruhe wird nicht besser: Einen Instagram-Beitrag zum Spiel, der ihn zeigt, wie er nach dem Jubel einen Dank gen Himmel sendet, versah der Stürmer mit dem Hinweis #vertrauenistalles. Bild und Hashtag dürfte weniger als religiöse Botschaft zu deuten sein, sondern als kaum chiffrierten Hinweis an seinen Klub: Seht her, wer mir vertraut, wird dafür belohnt werden. Nur Sebastian Kehl wird möglicherweise tapfer behaupten, es wäre nur eine unglückliche Formulierung des Teenagers gewesen.

Moukoko gab gegenüber dem „Kicker“ selbst schnell eine Interpretationshilfe: In der U21 hat er in vier Spielen sechs Tore erzielt – nach Ansicht des Stürmers auch ein Verdienst von Coach Antonio Di Salvo. „Meine Rolle ist, Tore zu schießen“, sagte er. „Hier bekomme ich das Vertrauen vom Trainer. Er hat mir von Anfang an mitgeteilt: ‚Ich setze auf dich.‘ Das hat mir enorm Selbstvertrauen gegeben.“ Sein Vertrag beim BVB läuft 2023 aus, der Verein würde nach Aussage von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gerne mit Moukoko verlängern. Die Verhandlungen sollen jedoch stocken. „Jetzt habe ich Pause und kann durchschnaufen, und dann kann ich nächste Saison voll angreifen“, verabschiedete sich Moukoko in den Urlaub. Für Borussia Dortmund ist das Versprechen und Drohung zugleich.

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