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Kapitän der Nationalmannschaft gegen Armenien: Thomas Müller ist jetzt wieder der und die Konstante – Sport

Mathematisch betrachtet ist der aktuelle Lehrgang der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit den beiden WM-Qualifikationsspielen gegen Liechtenstein und Armenien ein ziemliches Desaster. Von den 27 Spielern, die Bundestrainer Hansi Flick vor gut einer Woche nominiert hat, befanden sich am Samstagmittag nur noch 15 an Bord des Flugzeugs, das in die armenische Hauptstadt Eriwan aufbrach. Macht eine Ausfallquote von beachtlichen 44,4 Prozent.

So viel Schwund ist selten, zumal sich unter den Absenten einige durchaus prominente Namen befinden. Manuel Neuer zum Beispiel, der Kapitän. Oder Joshua Kimmich und Leon Goretzka, Flicks Stammbesetzung im defensiven Mittelfeld. Allesamt Führungskräfte, auf die der Bundestrainer an diesem Sonntag (18 Uhr, live bei RTL) im finalen Qualifikationsspiel für die Weltmeisterschaft 2022 in Katar verzichten muss.

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„Die Mannschaft, die da ist, hat unser absolutes Vertrauen verdient“, hat Flick vor der Abreise aus Wolfsburg gesagt. Zudem fand er es wohl auch ganz erfrischend, mal ein paar andere Gesichter um sich zu haben und zu sehen, „wie sie sich in der Gruppe und im Team bewegen“.

Bei Thomas Müller weiß Flick das vermutlich in- und auswendig. Man kennt sich aus vielen Jahren (2006 bis 2014) bei der Nationalmannschaft und nicht ganz so vielen, dafür extrem erfolgreichen beim FC Bayern München (2019 bis 2021). „Ich freue mich, dass ich ihn dabeihabe“, sagt der Bundestrainer. „Er ist ein Spieler, der sehr, sehr wertvoll ist.“

Nur fünf Spieler haben mehr Länderspiele

Thomas Müller, 32, wird in Eriwan sein 110. Länderspiel bestreiten, und weil es im arg gerupften und geschrumpften Kader der Nationalmannschaft niemanden mehr mit einem ähnlichen Erfahrungsschatz gibt, darf er gemäß den ungeschriebenen Gesetzen des Deutschen Fußball-Bundes sein Team als Kapitän aufs Feld führen. Zum insgesamt zehnten Mal in seiner Karriere.

Dass es so kommt, ist ebenso folgerichtig wie überraschend. Denn Müller schien bei der Nationalmannschaft schon so gut wie weg vom Fenster. Flicks Vorgänger Joachim Löw hat den Münchner zwei Jahre lang und unter großer gesellschaftlicher Anteilnahme einfach ignoriert. Und als er ihn dann zur EM im vergangenen Sommer in Ehren wieder in die Nationalmannschaft zurückholte, schien das irgendwie auch nicht richtig zu sein.

Theoretisch jedenfalls hätte es für Thomas Müller nach der verkorksten Europameisterschaft tatsächlich endgültig vorbei sein können, nicht zuletzt nach seinem dramatischen Fehlschuss im Achtelfinale gegen England kurz vor Schluss. Und vermutlich wäre es auch genau so gekommen, wenn der neue Bundestrainer nicht Hansi Flick geheißen hätte.

Mit Müller macht man praktisch nichts falsch

Flick ist nicht der radikale Erneuerer, den sich einige nach der bleiernen Endphase der ewigen Ära Löw gewünscht haben. Flick ist eher Pragmatiker. Und dass man mit Müller praktisch nichts falsch macht, weiß vermutlich niemand besser als er. Denn schon einmal hat sich ihre Zusammenarbeit als höchst fruchtbar herausgestellt.

Als Flick im Herbst 2019 bei den Bayern vom Co- zum Cheftrainer befördert wurde, schien Thomas Müller ein Mann von gestern zu sein. Von Niko Kovac war er nicht nur kaum noch berücksichtigt, sondern sogar maximal gedemütigt worden. Dass die Münchner dann unter Flick bis zum Ende der Saison alles abräumten, was man abräumen konnte, das war nicht zuletzt der Rückkehr Müllers zu alter Stärke zu verdanken.

Diese Erfahrung verbindet. Und deshalb ist Thomas Müller jetzt auch in der Nationalmannschaft wieder der und die Konstante. „Er ist auch neben dem Platz enorm wichtig, weil er die Gruppe immer wieder puscht“, sagt Flick. Vor allem aber resultiert Müllers Standing aus seiner sportlichen Bedeutung für das Team. Nur fünf Spieler sind häufiger für die Nationalmannschaft aufgelaufen als er, und zumindest Philipp Lahm (113 Länderspiele), Bastian Schweinsteiger (121) sowie Lukas Podolski (130) sind für ihn noch in Reichweite.

Drei Länderspiele unter Flick, drei Tore

Nachdem er im September bei Flicks ersten Länderspielen noch unpässlich war, ist Müller bisher dreimal unter dem neuen Bundestrainer in der Nationalmannschaft zum Einsatz gekommen. Dabei hat er drei Tore erzielt – so viele wie in den letzten vier Jahren der Ära Löw, in denen er zwar über eine längere Periode gar nicht nominiert wurde, aber immerhin auch an zwei Turnieren teilgenommen hat. Und, ja, natürlich waren unter den drei Toren auch zwei beim 9:0 gegen Liechtenstein, die Nummer 190 der Welt. Aber eben auch der Treffer kurz vor Schluss gegen Rumänien, der den Deutschen noch einen hart umkämpften 2:1-Erfolg bescherte.

Müller selbst sind solche Kategorisierungen und Wertungen seiner Tore offenbar relativ gleichgültig. Das 6:0 gegen Liechtenstein war ein Abstauber aus geschätzten 37,8 Zentimetern, und beim 8:0 hämmerte Thomas Müller den Ball nach einem ziemlichen Kuddelmuddel im Liechtensteiner Strafraum unter die Latte. Seine Freude war in beiden Fällen ähnlich. Sie war überschwänglich.

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