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Jiří Procházka: „Titelkampf in Europa wäre ein Traum“

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Jiří Procházka zählt dank seines unkonventionellen Kampfstils zu den spektakulärsten MMA-Fightern in der Ultimate Fighting Championship (UFC). Mit seinem Sieg über Glover Teixeira im Juni 2022 kürt er sich zu ersten Champion aus Tschechien. Im Interview mit ntv.de erklärt der 29-Jährige, warum er unbedingt einen Rückkampf mit dem Brasilianer will, warum er sich seinen Samurai-Zopf abgeschnitten hat und welche Pläne er für die Zukunft hat.

ntv.de: Herr Procházka, wie geht es Ihnen? Sind Sie nach Ihrem Titelgewinn bei UFC 275 zurück in der Vorbereitung auf ihren nächsten Kampf?

Jiří Procházka: Ich fühle mich großartig. Ich komme gerade von meinem Morgenlauf. Allerdings hatte ich eine kleine Operation an meiner Hand und muss daher zwei Wochen noch leichteres Training absolvieren. Gewichte stemmen geht mit der Hand, aber Boxen noch nicht.

Sie wurden bei Ihrer Rückkehr nach Tschechien von Tausenden Fans empfangen. Wie waren die ersten Wochen als UFC-Champion im Light Heavyweight?

Das war fantastisch. Ich habe nicht erwartet, dass ich so einen Empfang bekomme. In Tschechien gibt es nicht so viele Menschen, die MMA schauen. Fußball und Hockey sind beliebt. Die MMA-Community ist klein, aber stark.

Werden Sie denn mittlerweile häufiger auf der Straße erkannt?

Ja, das passiert jetzt öfter (lacht). Manchmal ist mir das zu viel. Aber ich habe mich entschieden, diesen Weg als Champion zu gehen – und auf dem will ich auch bleiben.

Nach dem Titelkampf gegen Teixeira haben Sie gesagt, dass Sie mit Ihrer Leistung nicht zufrieden gewesen seien. Dabei sagen viele, dass es einer der besten Fights in dieser Gewichtsklasse gewesen ist.

Das ist ja das paradoxe. Für meine Karriere und das Drumherum war der Kampf extrem wichtig. Aber es war eine der schlechtesten Leistungen in meiner Karriere. Daher habe ich Glover (Teixeira) einen Rückkampf angeboten.

Wie hat sich diese „schlechte Leistung“ bei Ihnen im Käfig bemerkbar gemacht – war es ein Gefühl, oder ein bestimmter Bereich wie das Boxen oder der Bodenkampf?

Ich habe einfach keinen bestimmten Weg oder eine Technik gefunden, um Glover zu besiegen. Ich habe nur auf seine Angriffe reagiert und keine Situationen geschaffen, um zu gewinnen. Der Sieg ist nicht das Ergebnis meiner Strategie und meiner Fähigkeiten – Glover hat einen Fehler gemacht und ich habe diese Schwäche ausgenutzt. Daher bin ich nicht zufrieden und will nochmal gegen ihn kämpfen. Ich habe großen Respekt vor Glover, er war bislang mein härtester Gegner. Er ist mental so stark und genau das macht mich auch so neugierig – ich will versuchen, ihn beim nächsten Kampf zu dominieren.

Wissen Sie schon, wann und wo der Kampf stattfinden soll?

Es wird noch verhandelt. Glover hat bislang nicht auf meine Herausforderung geantwortet. Ich würde gerne wissen, wie er das sieht.

Nach dem Kampf hatten Sie am Ring bereits mit Jan Błachowicz gesprochen. Der Pole wäre ein möglicher Herausforderer. So hätten Sie vielleicht erstmals einen Titelkampf in der UFC nach Europa bringen können. Wäre das kein Anreiz?

Ja klar wäre das interessant. Das ist in der UFC aber nicht so einfach. Bislang waren die meisten Titelkämpfe in den USA. Es wäre natürlich ein Traum, meinen Titel gegen einen anderen Europäer auf diesem Kontinent zu verteidigen. Ich war bereit, gegen Jan Błachowicz zu kämpfen, aber nach all dem, was im letzten Kampf passiert ist, ist Glover die bessere Entscheidung. Danach kann ich gegen Błachowicz oder Magomed Ankalaev kämpfen.

Die UFC soll im nächsten Frühjahr nach Brasilien kommen. Wäre das eine Option, in Teixeiras Heimat zu kämpfen?

Das wäre eine Möglichkeit, aber das klingt nicht gut für mich. Den Gürtel in seinem Land zu verteidigen, das wäre komisch. Für mich als Champion wäre das ein Rückschritt. Als Stratege würde ich überall gegen Glover antreten, außer in Brasilien.

Sie haben lange Zeit in Japan gekämpft, in Ihren letzten UFC-Kämpfen sind Sie mit einem Samurai-Zopf in den Käfig gestiegen. Nach dem Titelgewinn haben Sie den Zopf abgeschnitten und das als Ende einer Reise bezeichnet. Welche Reise steht in Ihrer MMA-Karriere als Nächstes an?

Der Zopf war wie eine Kriegsbemalung – mein Kriegshaar sozusagen. Ich habe nach dem Kampf gedacht, dass ich es nicht mehr brauche. Jeden Tag den Weg des Kriegers zu beschreiten, das muss ich nicht mehr mit meinen Haaren präsentieren. Mein aktueller Haarschnitt ist auch viel leichter zu handhaben. (lacht)

Wäre eine neue Reise dann eventuell der Wechsel in eine andere Gewichtsklasse – rauf ins Schwergewicht oder runter ins Mittelgewicht?

Die nächsten fünf Kämpfe bleibe ich wohl im Light Heavyweight. Aber ich bin bereit, gegen Fighter aus anderen Gewichtklassen anzutreten.

Mit Jiří Procházka sprach Michael Bauer

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