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Jets und Aaron Rodgers ringen um ein Wunder

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Aaron Rodgers soll die New York Jets endlich zum Super Bowl führen, doch er verletzt sich im ersten Spiel gegen die Buffalo Bills. Heute treffen beide Teams wieder aufeinander. Mit einem Sieg dürften die Jets noch hoffen – auf die Playoffs und ein medizinisches Wunder.

New York hat unzählige Brücken. Die ikonischsten? Allen voran die Brooklyn Bridge, die Brookyln und Manhattan verbindet. Ein Zirkusveranstalter hat einst 21 Elefanten über das Bauwerk laufen lassen, um ihre Belastbarkeit zu zeigen. Dann wäre da noch die Manhattan Bridge, sie verläuft ebenfalls zwischen Brookyln und – Sie ahnen es – Manhattan. Die Verrazzano-Narrows-Bridge führt rüber nach Staten Island und ist bis heute mit ihren über 2000 Meter Länge die längste Hängebrücke auf dem amerikanischen Kontinent. Aaron Rodgers’ Speedbridge hingegen ist winzig.

Wahrscheinlich kennen sie auch nur Fans der New York Jets. Was Fans der New York Jets noch sehr gut kennen: Warten. 54 Jahre. So lang warten die Jets auf den zweiten Super-Bowl-Sieg der Franchise-Geschichte. Im Sommer 2023 dürfen sie dank eines Blockbuster-Trades endlich wieder hoffen.

Aaron Rodgers, der nach der vergangenen NFL-Saison vier Tage in kompletter Dunkelheit verbracht hat, um über die Fortsetzung seiner Karriere zu sinnieren, wird für die Jets zum Licht am Ende des Tunnels. “Er ist einer der besten Spieler – einer der größten Spieler – die ich je in meinem Leben gesehen habe”, sagt Jets-Legende Joe Namath, der die Franchise 1969 zum ersten Super-Bowl-Triumph führt, in einem Interview mit “ESPN”.

Legende bietet Trikot-Nummer an

Niemand dürfte Namath widersprechen wollen. Von seinen über fünftausend Pässen führten 475 zum Touchdown (nur vier Quarterbacks in der NFL-Geschichte erzielten mehr). Zehnmal wird er ins All-Star-Team der NFL gewählt, folgerichtig auch ins All-Star-Team der 10er-Jahre. Gleich viermal erhält er die Ehrung als bester Spieler der Saison (nur Peyton Manning hat noch eine Auszeichnung mehr). Aaron Rodgers ist neben Tom Brady der wohl prägendste Quarterback seiner Generation.

Nach etlichen Jahren in der Bedeutungslosigkeit, zuletzt in den Playoffs waren die Jets 2010, sorgt die Ankunft von Aaron Rodgers in New York für ungekannte Euphorie. Auch Namath betont: “Er kann dieses Team hochziehen.”

Zur Legende wurde Aaron Rodgers bei den Green Bay Packers, mit denen er 2010 den Superbowl gewann. Von 2005 bis 2022 trug er dort das grün-gelbe Trikot mit der Nummer 12. Bei den Jets trug die 12 einst auch Joe Namath. Seither vergibt der Klub die Rückennummer nicht mehr, wie üblich bei großen Ikonen im US-Sport. Doch für Rodgers, erklärte Namath vor dem Wechsel, würde er sie abtreten. Rodgers, ganz der Gentleman, lässt die 12 unberührt. Er wählt die Nummer 8, mit der er bereits im College auflief.

“Es sieht nicht gut aus”

Das “Wir sind wieder wer”-Gefühl der Jets implodiert, als Rodgers nach seinem ersten Snap gegen die Buffalo Bills zehn Yards zurückweichen muss, von den Beinen geholt wird und humpelnd das Feld verlässt. Trotz des Schocks gewinnen die Jets um Ersatz-Quarterback Zach Wilson das Auftaktmatch. “Es sieht nicht gut aus”, sagt Coach Robert Saleh nach dem Spiel. Er behält Recht. Rodgers zieht sich einen Achillessehnenriss zu, die Saison ist gelaufen.

In den folgenden Wochen treibt das verletzungsbedingte Fehlen des Star-Quarterbacks allerlei Blüten. Etliche Trade- und Comeback-Gerüchte entstehen angesichts der klaffenden Lücke hinter der O-Line der Jets. Zwischenzeitlich bietet sich sogar Colin Kaepernick als Neuzugang an. Der frühere Quarterback der San Francisco 49ers war der erste Spieler, der sich aus Protest gegen Polizeigewalt und Rassismus nicht zur US-Hymne erhob.

Er wird weltweit zum Gesicht des Kampfes gegen strukturellen Rassismus, unter anderem Amnesty International zeichnet ihn aus. Football spielt er nach dem Jahr 2016 jedoch nicht mehr. Auch nicht bei den Jets. Im Hintergrund baut Rodgers seinen Vertrag um, verzichtet auf Geld, damit die Jets bessere Spieler holen können.

Wie die Jets ums Rodgers-Comeback spielen

An diesem Sonntag treffen die Jets erneut auf die Buffalo Bills, diesmal mit Zach Wilson als Starting-Quarterback. Noch. Nach dem Schock im Eröffnungsspiel spricht Rodgers auf Instagram von seinem “gebrochenen Herzen”, betont jedoch auch: “Die Nacht ist am dunkelsten vor der Morgendämmerung. Und ich werde noch einmal aufstehen.”

Schon Mitte Dezember könnte der Wecker klingeln, das meldet die NBC am Montag. Aaron Rodgers selbst soll der Reporterin Melissa Stark sein Ziel mitgeteilt haben. Bereits am 15.10. deutet sich das medizinische Wunder an, als Rodgers vor dem Spiel der Jets gegen die Eagles locker ein paar Bälle wirft, ohne Krücken, Stützschuh oder sonstige Hilfsmittel. Die Jets selbst könnten einer “Auferstehung” jedoch noch im Wege stehen.

Denn die Rückkehr in Rekordzeit ermöglicht die Speedbridge-Technik, die, wie auch ein so frühes Comeback selbst, nicht ohne Risiko ist. Dabei führt eine Art Brücke aus Kunststoff die Belastung an dem gerissenen Teil der Sehne vorbei. Die Technik ist aber noch relativ neu, Erfahrungswerte gibt es kaum.

Zwo, Eins, Risiko

Damit sich ebenjenes Risiko auch lohnt, sollten die Jets zum Zeitpunkt der Rodgers-Rückkehr noch Playoff-Chancen haben. Immerhin: Die Jets fallen nach dem Worst Case im ersten Spiel nicht komplett auseinander. Auf den bitteren Triumph folgen drei Niederlagen, dann drei Siege, zuletzt wieder zwei Pleiten. Macht eine Bilanz von vier Siegen und fünf Niederlagen und eine Play-Off-Teilnahme nicht unmöglich, aber enorm kompliziert. Denn dort spielen nur vierzehn Teams, jeweils sieben aus den beiden Conferences: der AFC und der NFC. Auf dem letzten der begehrten Playoff-Plätze stehen in der AFC die Houston Texans (fünf Siege, vier Niederlagen). Die Jets sind derzeit auf Platz 13 – aber eben auch nur einen Sieg von Houston entfernt.

Bereits zum zweiten Mal in dieser Saison hängt es für die Jets maßgeblich von einer Partie gegen die Bills ab. Das Team um Quarterback Josh Allen präsentiert sich in dieser NFL-Spielzeit überraschend formschwach. Nach der jüngsten und bereits fünften Niederlage haben die Bills ihren Offensiv-Koordinator Ken Dorsey entlassen, rangieren derzeit auf Rang 11 der AFC.

Gewinnt New York in Buffalo, kann Aaron Rodgers, samt Fans und Franchise, weiter hoffen. Denn auf ein medizinisches Wunder könnte ein sportliches folgen. Und sollte Aaron Rodgers die Jets tatsächlich zum Super Bowl führen, benennen sie in New York vielleicht auch eine echte Brücke nach ihm.

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