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Hasan Salihamidžić gesteht Fehler ein

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Hasan Salihamidžić ist eine der prägenden Fußball-Figuren dieses Sommers. Der Sportvorstand hat die Mannschaft des FC Bayern in einem bemerkenswerten Transferrausch umgebaut – und sich damit großen Respekt erarbeitet. Doch die Zeiten waren nicht immer leicht für ihn.

Über Hasan Salihamidžić lacht niemand mehr. Der Sportvorstand hat ausgerechnet den komplizierten Transfer-Sommer 2022 genutzt, um sich reichlich Reputation zu verdienen. Er hat es nicht nur geschafft, mit Sadio Mané einen Superstar nach München zu locken, sondern er hat auch das Transfertheater um Robert Lewandowski zu einem guten Ende gebracht. Zumindest finanziell hat sich der Deal für die Münchner gelohnt. 45 Millionen Euro plus Bonuszahlungen für einen 33-Jährigen, das ist schon stark. Mané und Lewandowski sind dabei aber nur die Glanzlichter seiner Arbeit beim FC Bayern, die nun offenbar von den Bossen belohnt werden wird.

Noch ist der Stand allerdings so: Im kommenden Jahr läuft sein Vertrag aus. „Was meine Zukunft angeht, bin ich entspannt. Ich merke, wie sich der Respekt mir gegenüber verändert“, sagte Salihamidžić im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. Die „Sport Bild“ hatte zuvor berichtet, dass eine Verlängerung des Arbeitspapiers, und zwar eine langfristige, quasi schon beschlossene Sache sei. Und bei der Aufsichtsratssitzung am 29. August nur noch abgesegnet werden soll. Es ist schon eine bemerkenswerte Entwicklung, die der 45-Jährige vollzogen hat. Vor wenigen Wochen geisterten Meldungen herum, dass er intern angezählt sei. Der Verein dementierte das zwar, die Gerüchte wollten aber nicht so wirklich verstummen.

Schwierige Rolle zwischen Rummenigge und Hoeneß

Nun, unmittelbar vor dem Saisonstart, wirkt dieses Szenario wie aus einer anderen Zeit. Hasan Salihamidžić ist zu einer prägenden Figur dieses Fußball-Sommers geworden. Als One-Man-Show sieht er seine Arbeit aber nicht. Er glaube, sagte der Sportvorstand, dass er mit Klubboss Oliver Kahn und Präsident Herbert Hainer mittlerweile „ein sehr gutes Team“ bilde. Mittlerweile, ja. Denn seine Zeit an der Säbener Straße war lange nicht einfach. Gerade der Anfang war kompliziert. Er habe „Fehler gemacht“ und sich „hier und da die Finger verbrannt“. Er musste erst mal seinen Platz zwischen den alten Granden Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß finden. „Der Umbau der Mannschaft war kompliziert, dann kam die Pandemie. Es dauert, bis man souverän wird.“

So gab es unter anderem Kritik daran, dass sich die Bosse in der vergangenen Saison zu oft versteckt hatten, wenn es brisant wurde. Etwa im Impf-Theater um Joshua Kimmich und vier anderen Spieler des Klubs. Man habe daraus gelernt, sagt Salihamidžić. Bei wichtigen Themen wollen die Chefs künftig häufiger Farbe bekennen und Julian Nagelsmann entlasten. In der Vergangenheit hatte der Coach immer wieder zu schwierigen Themen Auskunft geben müssen, weil die Bosse eben schwiegen. „Wir werden da sicher etwas verändern und uns bei besonderen Themen auch mal in die Pressekonferenzen setzen. Einfach, um dem Trainer die Last abzunehmen.“ Er bezeichnete Nagelsmann einmal mehr als „Glücksfall für den FC Bayern“ Es sei aber auch normal, „dass Julian sich noch in einer Entwicklung befindet. Es ist ein Lernprozess, genauso, wie es für mich einer war. Auch er muss seinen Stil finden. Aber die Zeit müssen wir ihm alle geben.“

Besonders unter Druck war er im Streit mit Ex-Trainer Hansi Flick geraten. Ihr Kader-Dissens wurde bisweilen in der Öffentlichkeit ausgetragen, ehe Flick sich freiwillig zurückzog. Den Schaden hatte aber vor allem der Funktionär. Er geriet in einen Strudel aus andauerndem Unmut und Anfeindungen. „Der Teil der Kritik, der unsachlich und persönlich motiviert war, hat schon wehgetan.“ Ans Aufhören habe er aber nicht gedacht. „So weit war es nicht, nein. Wir haben insgesamt plötzlich kein gutes Bild mehr abgegeben.“ Das sei jetzt anders: „Die Stimmung hat sich gedreht.“ Nach den ersten Reaktionen habe er gemerkt: „Der Name Mané wird einen Wow-Effekt haben.“

„Es geht mir immer um den FC Bayern“

Aber es ist eben nicht nur Mané, der ihm und seiner Arbeit Respekt einbringt. Auch der Transfer von Matthijs de Ligt hat für Aufsehen gesorgt. Nicht nur wegen der Summe, die sich mit allen Bonuszahlungen bei 80 Millionen Euro einpendeln könnte, sondern auch, weil der Niederländer nach wie vor eines der größten Abwehrtalente des Kontinents ist. Mit Ryan Gravenberch, Noussair Mazraoui und Mathys Tel kamen weitere Neuzugänge, die Großes versprechen. Mazaroui und Gravenberch möglichst schon in dieser Saison, Stürmer Tel perspektivisch. Aber auch bei den Abgängen hat Salihamidžić gute Arbeit geleistet. Für die kaum eingesetzten Ersatzspieler Marc Roca und Omar Richards handelte er noch Ablösesummen knapp über der Zehn-Millionen-Euro-Marke aus.

Salihamidžić befand, dass er in der Vergangenheit „ja oft der Böse gewesen“ sei, wenn es um den Umbau der Mannschaft gegangen sei. Vor allem im Fall Lewandowski hatte er zu Beginn der zermürbenden Transfersaga die Wut der Fans auf sich gezogen. „Es ging mir und geht mir immer um den FC Bayern. Es war mir wichtig, dass wir die Mannschaft so verstärken, dass sie in Europas Spitze mitspielen kann“, sagt Salihamidžić der „SZ“ und freut sich dabei auch über den Imagewandel. Es ist tatsächlich ein bemerkenswerter.

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