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Geschäftsführer der Eisbären Berlin: Thomas Bothstede erlebte ein Jahr der extremen Emotionen – Sport

Thomas Bothstede hat sich als Ort für das Gespräch den Versammlungsraum der Eisbären Berlin in der Geschäftsstelle ausgesucht. Mit dem blauen Teppichboden und dem großen Eisbärenwappen, das knapp unter der Decke über dem Tisch schwebt, ist die Einrichtung an die Umkleidekabine der Berliner in der Mercedes-Benz-Arena angelehnt.

Für den Geschäftsführer des deutschen Eishockeymeisters, der in dieser Position im Sommer auf den jetzigen Aufsichtsrats-Vizepräsidenten Peter John Lee folgte, steht diese enge Verzahnung von Mannschaft und dem Team in der Geschäftsstelle: „Wir allen, die für die Eisbären Berlin arbeiten, verbindet Leidenschaft, Freude an dem, was wir tun, und eine hohe Emotionalität. Das gilt für die Profis und jeden Mitarbeiter hier.“

Gerade in diesem Jahr 2021 erlebten die Eisbären Emotionen in extremer Ausprägung. Im Mai zunächst einen Überschuss an Glücksgefühlen, als nach einer turbulenten, aber sportlich ziemlich perfekten Saison zum achten Mal der DEL-Meisterpokal in die Höhe gereckt wurde.

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Im Vergleich zu den sieben anderen Trophäen glänzt dieser in der Geschäftsstelle am hellsten – was auch symbolisch dahingehend zu interpretieren ist, dass die Eisbären nicht nur meisterlich spielten, sondern ebenso als Organisation in Krisenzeiten agierten. Bothstede, damals noch als Lees Stellvertreter tätig, sagt: „Man kann nur von Glück reden, dass mich nach Spiel drei im Finale gegen Wolfsburg keiner gesehen hat. Ich habe Rotz und Wasser geheult, weil alle Emotionen rausgeflossen sind.“

Auf der anderen Seite hat Bothstede, 51 Jahre alt, den vielleicht schwersten Start als Geschäftsführer erlebt, den man sich vorstellen kann. Denn obwohl die Eisbären vor dem Heimspiel gegen die Schwenninger Wild Wings am Donnerstagabend (19.30 Uhr/Arena am Ostbahnhof) Tabellenführer sind, treten sportliche Erfolge derzeit fast in den Hintergrund.

Geisterspiele kehren zurück

„Diese Situation belastet extrem, nicht nur mich persönlich, sondern die ganze Gesellschaft und natürlich auch die Geschäftsstelle“, sagt Bothstede. „Normalerweise ist Weihnachten die Zeit, in der alle mit einem Lächeln im Gesicht laufen, auch wenn es stressig ist.“ Aktuell sei es nicht einfach, gute Laune zu versprühen.

Zuletzt veränderten sich alle paar Wochen die Verordnungen, so dass der Verein und die Fans sich ständig auf Neues einstellen müssen. „Die Leidensfähigkeit unserer Fans ist enorm. Davor kann ich nur den Hut ziehen“, sagt Bothstede. Ab der kommenden Woche werden die Geisterspiele auch in Berlin vorübergehend wieder den Eishockey-Alltag bestimmen.

Zuletzt waren 2500 Zuschauer in der Mercedes-Benz-Arena erlaubt, die Hartmut-Nickel-Kurve blieb dicht.Foto: nordphoto GmbH / Engler

Angesichts der Entwicklung der Pandemie in den vergangenen Wochen fühlt sich Bothstede dennoch bestätigt, dass es die einzig richtige Entscheidung war, als erster Berliner Profiverein auf 2G zu setzen. Wofür er teilweise wüst beschimpft wurde. Dass Bothstede von Teilen der Fanszene abgelehnt wird, hat aber nicht alleine mit diesen Entscheidungen zu tun. „Dass ich nicht der Beliebteste bei den Eisbären ist klar, das wissen wir seit fünf Jahren“, sagt Bothstede. „Ich komme nun mal von den Hamburg Freezers, das wird bei einigen haften bleiben.“

Bothstede: Bin kein Eishockey-Experte

Peter John Lee hatte früh Bothstedes Organisationstalent erkannt und wurde tätig, als er sich nach dem Freezers-Aus 2016 zunächst den Bayreuth Tigers angeschlossen hatte. „Wir hatten schon vorher Kontakt und ich wusste, dass er das Büro gut im Griff hat.“ Für Lee war diese Nachfolge dann auch nur logisch. „Er hat sich das verdient, weil er für die Eisbären seit Jahren gute Arbeit macht.“

Bothstede, der aus Heide in Schleswig-Holstein stammt, startete seine Karriere als Journalist – und berichtete über Eishockey. Seit 2010, als er in Hamburg bei den Freezers anheuerte, dreht sich sein beruflicher Alltag einzig und allein um diesen Sport. „Dennoch werde ich mich nie als Eishockey-Experte sehen. Ich schaue mir den Lebenslauf an, bevor wir einen Spieler verpflichten. Aber ich werde einen Teufel tun und zu unserem Sportdirektor Stéphane Richer sagen: Meinst du, dass der offensiv oder defensiv ausreicht? Ich gucke aber, ob das alles ins Budget passt.“

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