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Erlösung für Barça: Lewandowski darf spielen

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Auf die Posse folgt der Krimi: Robert Lewandowski muss lange um seinen Saisonstart bangen, am Ende geht es für den Weltfußballer und seinen FC Barcelona gut aus. Der Klub organisiert rechtzeitig frisches Geld, der Stürmer darf sofort spielen.

Das war knapp: Bis wenige Stunden vor dem ersten Saisonspiel gegen Rayo Vallecano am Samstag (ab 21 Uhr im Liveticker auf ntv.de) musste der FC Barcelona zittern, ob Starstürmer Robert Lewandowski würde spielen dürfen. Der klamme Klub arbeitete bis zuletzt intensiv daran, die Finanzregeln der Liga zu erfüllen, um für den Polen eine Spielgenehmigung zu erhalten. Nun ist klar: Lewandowski, nach einer wochenlangen Transferposse im Juli vom FC Bayern München gekommen, darf ab sofort für die Katalanen auf Torejagd gehen. Im offiziellen Portal der La Liga ist der polnische Angreifer registriert. Das gilt auch für Raphinha, Franck Kessie und Andreas Christensen, die anderen Neuzugänge.

Nach Informationen der spanischen Zeitung „Mundo Deportivo“ konnten die Katalanen auch die Spielerlaubnis für Neuzugang Raphinha sichern sowie für Ousmane Dembélé und Sergi Roberto, deren alte Verträge erneuert wurden. Nur der Fall von Neuzugang Jules Kounde sei noch ungeklärt.

Der Klub verkaufte zuletzt noch 24,5 Prozent der Barça Studios, einer klubeigenen Gesellschaft, für 100 Millionen Euro und machte damit den Weg frei, doch noch seine Neuzugänge für den Saisonstart registrieren zu können. Der FC Barcelona hat am Morgen alle relevanten Unterlagen zur Prüfung an die Liga geschickt, wie die spanische Sportzeitung „Marca“ schrieb. Deren Boss Javier Tebas wird sie mit kritischen Augen geprüft haben, der 60-Jährige steht nicht unter Verdacht, die eigenen Regeln zu beugen. Im vergangenen Jahr musste der FC Barcelona den Klubheiligen Lionel Messi ziehen lassen, weil man sich den Weltstar gemäß den Regularien der Liga schlicht nicht leisten konnte.

Theoretisch hätte es für einen Einsatz zum Saisonstart gereicht, wenn die Spielberechtigung wenige Minuten vor dem Anpfiff des Spiels am Samstagabend im Camp Nou erteilt worden wäre. Wäre die Registrierung jedoch bis zum Ende des Sommer-Wechselfensters, das in Spanien am 1. September schließt, nicht erfolgt, hätten Lewandowski und Co. zumindest bis zur Winter-Transferzeit nicht eingesetzt werden können.

Barça braucht weiter Geld

Vorausgegangen war dem Happy End ein wochenlanger Krimi, bei dem der mit 1,3 Milliarden Euro verschuldete Klub alle Register zog, um die Voraussetzungen für einen Einsatz Lewandowskis und der anderen Neuzugänge zu schaffen. Mitte Juni waren bei einer Mitgliederversammlung zwei Vorschläge von Laporta zur kurzfristigen Erschließung neuer Einnahmequellen mit deutlicher Mehrheit angenommen worden, darunter der Verkauf von Medienrechten für die nächsten 25 Jahre. Gebilligt wurde auch der Verkauf einer Beteiligung von 49,9 Prozent an der Barça Licensing and Merchandising (BLM), der 200 bis 300 Millionen Euro einbringen sollte. Barça hofft, dass damit insgesamt rund 700 Millionen Euro auf den Konten des Großklubs landen. Der FC Barcelona verkauft nach und nach die eigene Substanz und Einnahmen der Zukunft, um die Gegenwart zu retten. Ein gefährliches Spiel- auch wenn Boss Laporta zuletzt verkündete: „Das Risiko ist unter Kontrolle. Wir müssen den Verein retten und die Möglichkeit haben, neue Spieler zu holen.“

Dank des Projekts „Espai Barça“ („Platz Barça“), des Umbaus des Camp Nou und der kompletten umliegenden Vereinsanlage inklusive der Sporthalle Palau Blaugrana will der Klub künftig pro Jahr 200 Millionen Euro zusätzlich einnehmen. Nach der Unterzeichnung eines Abkommens über eine „strategische Partnerschaft“ mit dem Musikstreaming-Marktführer Spotify wird das Stadion der Katalanen künftig den Namen „Spotify Camp Nou“ tragen.

„Stand heute“ könne sich Barça Lewandowski wegen der finanziellen Vorgaben nicht unter Vertrag nehmen, hatte Tebas auf einer Veranstaltung der spanischen Nachrichtenagentur Europa Press im Mai gewarnt. „Ich weiß nicht, ob sie (Frenkie) de Jong oder Pedri verkaufen sollten, aber sie müssen Einnahmen erzielen und Aktiva verkaufen.“ Und dennoch ging der FC Barcelona auf große Einkaufstour, für Lewandowski sind bis zu 50 Millionen Euro Ablöse fällig, Rechtsaußen Raphinha war den Katalanen 58 Millionen Euro wert, für Verteidiger Jules Koundé überweist man 50 Millionen Euro an den FC Sevilla.

„Sie sind scheinbar Finanzkünstler“

Der Transfersommer des FC Barcelona verwunderte auch die Konkurrenz:“ Es ist nicht nur Lewy, sie kaufen viele Spieler – ich weiß nicht, wie. Es ist der einzige Klub in der Welt, der kein Geld hat, aber jeden Spieler kauft, den er will. Es ist irgendwie komisch, irgendwie verrückt“, sagte Julian Nagelsmann, Trainer des FC Bayern. Auch Uli Hoeneß, der langjährige Macher des Rekordmeisters, kommentierte das Transfergebaren des FC Barcelona kritisch: „Sie sind scheinbar Finanzkünstler, die trotz hoher Schuldenlast offenbar immer noch eine Bank finden, die ihnen Geld gibt, um sowas darzustellen.“

Für Aufsehen und Ärger hatte zuletzt ein Bericht des Portals „The Athletic“ gesorgt: Demnach soll der Klub seinem wechselunwilligen Großverdiener de Jong mitgeteilt haben, dass man juristisch gegen eine Vertragsverlängerung des Niederländers vorgehen könnte, durch die der einstige Barca-Vorstand 2020 zunächst große Teile des Gehalts des Spielers zunächst sparte, um sie nun auszuschütten. Eine Konstruktion, die den finanziellen Handlungsspielraum in der Gegenwart weiter einschränkt.

Der Klub will den Spieler weiter loswerden, ein zwischen den Vereinen bereits ausgehandelter Wechsel zu Manchester United scheiterte im Juni am Veto de Jongs. Der Präsidenten der niederländischen Spielergewerkschaft, Evgeniy Levchenko, hatte angedeutet, dass de Jong ein Opfer von Erpressung sein könnte. Präsident Laporta bestreitet das. De Jong will bislang weder wechseln, noch auf Gehalt verzichten. Fans haben ihn deshalb sogar schon auf offener Straße angepöbelt.

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