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Die waghalsige Zockerei mit Lewandowski

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In rund 24 Stunden bestreitet der FC Barcelona sein erstes Ligaspiel der neuen Saison. Robert Lewandowski darf – Stand jetzt – nur zugucken. Weil die Katalanen ihre Finanzen nicht ausreichend aufräumen, fehlt bei gleich sieben Fußballern aktuell die Spielberechtigung. Ein riskantes Spiel auf Zeit.

Robert Lewandowski hat in diesem Sommer bekanntermaßen alles erreicht. Der 33-Jährige sich vom FC Bayern weggezankt, um sich seinen Traum vom FC Barcelona zu erfüllen. Dass sein Traum eigentlich mal Real Madrid war, nun, egal. Er hat sogar schon für seinen neuen Klub gespielt und ein Tor geschossen. Alles läuft demnach ganz wunderbar. Der Stürmer macht das, was man sich von ihm erhofft. Und der Verein bietet dem Stürmer ein Umfeld, in dem er weiter Titel gewinnen kann. Wie mit dem FC Bayern. Obwohl höchst verschuldet, schmücken sich die Katalanen mit Stars, die die Auferstehung des Pleite-Giganten zügig vorantreiben sollen.

Erste Station auf diesem Weg: das Heimspiel gegen Rayo Vallecano. Doch vor dem ersten Liga-Anpfiff der neuen Saison am Samstagabend (21 Uhr) gibt es ein Problem. Fünf neue Stars, darunter eben Lewandowski, und zwei Fußballer, die ihre Verträge erneuert haben, haben noch keine Spielgenehmigung. Dabei handelt es sich indes nicht bloß um einen bürokratischen Akt, der noch vollzogen wird. Barça muss noch eine Hürde überspringen, die das ganze Gebahren des Klubs auf dem Transfermarkt nur noch absurd erscheinen lässt.

Um die neuen und alten-neuen Spieler anzumelden, müssen die Katalanen die finanziellen Fairplay-Regeln der Liga erfüllen. Gelungen ist dem Klub das bis wenige Stunden vor Anpfiff nicht. Obwohl schon reichlich Tafelsilber verkauft worden war. Und nun geht der Ausverkauf offenbar weiter. An diesem Freitag teilten die Katalanen mit, sie hätten in der insgesamt jetzt schon vierten Aktion dieser Art dem Unternehmen Orpheus Media 24,5 Prozent der Anteile an Barça Studios für 100 Millionen Euro verkauft.

Orpheus Media gehört einem Vertrauten von Klubboss Joan Laporta und sichert sich damit laut „Bloomberg“ den „unprofitablen Digital-Content-Bereich“. Öffentlich bekannt über den Kapitalgeber ist nur wenig. Der eigentlich geplante Verkauf der Anteile an der Produktionsfirma des Vereins an ein anderes Unternehmen war offenbar an rechtlichen und verwaltungstechnischen Problemen gescheitert.

Eine bittersüße Pointe mit Lionel Messi

Ob dieser nächste Versuch jetzt reicht? Vorerst unklar. In Spanien fürchten sie, dass der Traditionsverein die für die Registrierung notwendigen Unterlagen erst im Laufe des Samstags (des Spieltags) vorlegen werde, schrieb etwa die Zeitung „Mundo Deportivo“. Entscheidungen von großer Tragweite müssten dann womöglich ohne ausreichend Zeit zur Prüfung getroffen werden. Wie verfahren diese ganze Situation ist, belegt ein Blick auf die eindrücklichen Bilanz-Zahlen.

Bei 1,35 Milliarden Euro Schulden gelangen die Versuche der Befreiung (sprich Registrierung) nur mit einem waghalsigen und kaum zu kalkulierenden Vorgriff auf die Zukunft. Der US-Investor Sixth Street zahlt für zehn Prozent der Einnahmen aus den Liga-TV-Rechten der kommenden 25 Jahre 207,5 Millionen. Weitere 15 Prozent sollen mehr als 300 Millionen einbringen, 49,99 Prozent der „Barca Licensing&Merchandising“ zudem 200 bis 300 Millionen. Und nun eben noch mal 100 Millionen von Orpheus Media.

Da tut sich eine durchaus bittersüße Pointe auf. Denn Lionel Messi, der ikonische geliebte Superstar musste den Klub im Sommer 2021 verlassen. Weil er zu teuer war. Weil die Finanzregeln mit einem neuen Vertrag für den Argentinier nicht zu erfüllen gewesen wären. Und weil Präsident Joan Laporta damals sagte, wie das Portal „Spox“ nun nochmal ausgegraben hat: „Um mit Messis neuem Vertrag innerhalb der Fair-Play-Beschränkungen zu bleiben, hätten wir einem Vertrag zustimmen müssen, der im Grunde eine Hypothek des Klubs für ein halbes Jahrhundert für das Fernsehen beinhaltet.“ Er sei „nicht bereit, die Rechte des Vereins für irgendjemanden zu verpfänden. Unsere Institution steht über allem, auch dem besten Spieler der Welt. Wir werden ihm ewig dankbar sein.“

Pleite? Oder wird alles gut?

Als wäre das nicht schon genug des Wahnsinns, tobt etwa auch noch eine Schlacht um Frenkie de Jong. Barça will den Niederländer unbedingt abgeben. Er verdient viel zu viel Gehalt. Zumindest aus Sicht des Klubs im Jahr 2022. Bis zu 30 Millionen Euro soll der Mittelfeldspieler verdienen. Zuletzt kamen Gerüchte auf, dass man mit ihm planen würde, wenn er denn freiwillig auf die Hälfte seines Gehalts verzichten würde. Diese angebliche Forderung sorgte für empörte Reaktionen: Der englische Ex-Nationalspieler Gary Neville schrieb auf Twitter: „Ein Klub, der ein Vermögen für neue Spieler ausgibt, während er nicht diejenigen voll bezahlt, die er unter Vertrag hat, ist unmoralisch und verstößt gegen Recht“, schrieb er.

Dem Klub dürfte das reichlich egal sein. Im Spagat zwischen Pleite (drohendes Szenario) und rosiger Zukunft (erhofftes Szenario) setzen die Bosse die Existenz des FC Barcelona aufs Spiel. Nur über größten sportlichen Erfolg bleibt die Marke en vogue. Fußballerisch für die Stars, und als gut zu vermarktendes Produkt. Problem an dieser Strategie: Sie muss aufgehen, denn einen Plan B scheint es angesichts der Schuldenlast nicht zu geben.

Ob die Neuzugänge Lewandowski, Jules Kounde, Raphinha, Andreas Christensen und Franck Kessie sowie Ousmane Dembélé und Sergi Roberto, deren Verträge erneuert wurden, gegen Rayo Vallecano eingesetzt werden dürfen, oder nicht, das wird über das Gelingen des katalanischen All-In nicht entscheiden. Ist die Registrierung jedoch bis zum Ende des Sommer-Wechselfensters, das in Spanien am 1. September schließt, nicht erfolgt, können Lewandowski und Co. zumindest bis zur Winter-Transferzeit nicht eingesetzt werden.

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