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Die Slapstick-Show von Flicks DFB-Stars

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Was war denn da los? Beim Eröffnungsspiel der Fußball-Bundesliga liefern gleich drei Nationalspieler skurrile Einlagen. Und das vor den Augen von Bundestrainer Hansi Flick. Der wird allerdings auch von der außerngewöhnlichen Gala eines Top-Talents verwöhnt.

Hansi Flick darf für sich beanspruchen, nicht nur ein sehr erfolgreicher Trainer zu sein, sondern auch ein Mensch mit ausgereiften Fähigkeiten im Fachbereich Prognose. Ob der FC Bayern denn wohl wieder Deutscher Meister werden würde, hatten sie den Bundestrainer am Freitagabend in Frankfurt gefragt. Dort spielte die immer noch von Europa-Pokal-Glückseligkeiten beduselte Eintracht gegen den Rekordmeister. Und der Bundestrainer hatte gesagt: Ja, er vermute, dass es so kommen werde. Weil die Bayern eben eine sehr starke Mannschaft haben.

90 gespielte Minuten später ist die Prognose von Flick ein krachendes Statement der Münchner geworden. Sechs Watschn, verabreicht als Tore, verteilten die Männer von Julian Nagelsmann an die Frankfurter. Die wussten in den ersten 45 Minuten überhaupt nicht, was mit ihnen geschah, auch wenn sie zwei Top-Top-Möglichkeiten ungenutzt ließen. Mit 5:0 stolzierten die Münchner in die Kabine, mit 6:1 reisten sie dann zurück an die Säbener Straße. All die Zweifler, ob die Post-Robert-Lewandowski eine erfolgreich sein kann, wurden vorerst zum Schweigen gebracht.

„Wir sind froh, dass unser Spiel so gut funktioniert. Der Trainer hat genau die richtigen Knöpfe gedrückt“, lobte Sportvorstand Hasan Salihamidžić. Leise, fast schüchtern sprach er über den FC Bayern, den er doch selbst so bemerkenswert umgebaut hatte. In vorzeitige Meisterschaftshymnen wollte er nicht mit einsteigen. Auch der sehr glückliche Thomas Müller nicht. Er warnte vor zu früher Euphorie bezüglich der neuformierten Offensive. „Es werden auch noch andere Spiele kommen, wo wir sagen, heute hat der Mittelstürmer gefehlt“, sagte er. Die Spielweise der Eintracht sei den Bayern auch entgegengekommen. „Frankfurt hat mit der Euphorie der Euro League was riskieren und seine Spielweise durchdrücken wollen. Diesen Mut haben wir bestraft.“ Es war ein naiver Mut, begründet auf der Annahme der SGE-Spieler, dass sie das Tempo der München mitgehen könnten. Coach Oliver Glasner brachte das zur Verzweiflung. Er hätte sich mehr Ordnung und weniger Harakiri gewünscht.

„Hat schon Bock gemacht“

Lässt sich Dominanz steigern? An diesem Abend ja. Der Superlativ heißt FC Bayern. Mit aberwitzigem Tempo und einem mitreißenden Kombinationsfußball wurde die Eintracht hergespielt. Mit Blick auf die Wüsten-WM in Katar bekam der Bundestrainer reichlich Bewerbungen von seinen deutschen Nationalspielern eingereicht. Die wohl nachdrücklichste schickte Jamal Musiala. Wie schon im Supercup zuletzt (5:3 bei RB Leipzig) verzaubert der 19-Jährige mit seiner Leichtfüßigkeit, mit seiner Zielstrebigkeit und seinem Mut. Zweimal traf er nun gegen die SGE. Für das chronisch sturmschwächelnde DFB-Team ist das ein Silberstreifen, wenn auch keiner im Sturmzentrum.

Dort gab es dank Mario Götze ja mal die Diskussion um eine falsche Neun. Geschichte. Anders als Götze. Der ist zurück in der Bundesliga und irgendwie auch im Dunstkreis des DFB-Teams. Zumindest werden die Rufe lauter, dass der Spielmacher doch bitte mit nach Katar fliegen solle. Eine Sensations-Leistung im Pokal gegen den 1. FC Magdeburg reichte vielen dafür. Für Flick ist die Sache einfach: „Er muss Top-Leistungen bringen, er muss zeigen, dass er fit ist, dass er auch eine Alternative sein kann für die Spieler, die aktuell bei der Nationalmannschaft sind. Wir schauen genau hin, wer uns weiterhelfen kann, unser großes Ziel, so weit wie möglich zu kommen, auch zu erreichen.“

Sportlich keine Sorgen muss sich Joshua Kimmich um seinen Platz machen. Nach einer schwächeren Saison mit dem zermürbenden Impf- und Corona-Theater ist er wieder der omnipräsente Antreiber, der nie ganz zufrieden ist. Auch nicht nach diesem Spiel, das die Bundesliga-Konkurrenz das Fürchten lehrte. „Kritikpunkt ist, dass wir es wieder nicht geschafft haben, zu Null zu spielen. Nach vorne war das aber nicht verkehrt. Wir hatten noch die ein oder andere Chance auf weitere Tore, das hat schon echt Bock gemacht, heute auf dem Platz zu stehen.“

War’s der Nebel?

Doch dieser Abend in Frankfurt, er hatte auch groteske Züge. Immer wieder im Mittelpunkt, Spieler aus dem DFB-Team. Den Auftakt machte Kevin Trapp. Die Nummer eins der Eintracht. Einer der Garanten des Europa-League-Wunders in der vergangenen Saison. Nach gerade mal fünf Minuten ließ er sich von Joshua Kimmich düpieren. Der drehte den Ball flach um die Mauer herum ins kurze Eck. Ein erster Stich hinein in das Frankfurter Leiden. Nicht jeder hatte das mitbekommen, denn die Kurve hinter dem Gehäuse war von mit Pyro tüchtig zugenebelt worden. Ob das Einfluss auf Trapp hatte? Blieb ungeklärt.

Geklärt wurde dagegen, dass Kimmich bewusst gehandelt hatte. Co-Trainer Dino Toppmöller hatte ihm die Idee zugeflüstert. „Er hat es in der Woche ein wenig angekündigt. Er hat gesagt, der Trapp steht immer ein bisschen höher, da kann man es mal versuchen – und da dachte ich, ich probiere es mal.“ Versuch macht kluch (klug). Für Trapp, sollte er denn realistische Ambitionen hegen, die deutsche Nummer eins in Katar zu werden, war das ein bitterer Schlag im direkten Duell mit Neuer. Dachte man. Doch dann patzte auch der Titan. Er ging in der zweiten Halbzeit gegen Randal Kolo Muani ins Dribbling – und verlor. Tor, 1:5. Irgendwie auch egal. Wäre es eben nicht der zweite Patzer des 36-Jährigen in Folge gewesen. Schon im Supercup sah er einmal nicht gut aus.

Stammplatz in Gefahr? Eher nicht. Das gilt mutmaßlich auch nicht für Thomas Müller, der sich an diesem Abend den groteskesten Moment erlaubte. Frankfurt verteidigte nach einer eigenen Ecke vogelwild – und wird am Ende nicht bestraft. Der umtriebige und gnadenlos schnelle Starstürmer Sadio Mané schickt den ebenfalls verdammt schnellen Gnabry auf die Reise, der noch in der eigenen Hälfte lossprintet und dann allein auf und davon ist. Vor Trapp legt der 27-Jährige dann quer auf Müller, der Pass ist zwar nicht ganz optimal und der Bayern-Bub noch bedrängt, aber wie er diesen Ball nicht ins Tor, sondern nur an den Pfosten drücken kann… schon verrückt. Über das „Wie“ und „Warum“ sprach er danach nicht. Lieber über Mané. Es ist einfach Liebe.

Ein fataler Irrtum

Müllers Nicht-Tor? Nochmal egal. Dem FC Bayern konnte das verpasste 3:0 nämlich rein gar nichts anheben. Mané, Musiala und Gnabry stellen noch vor der Pause auf 5:0. Was für eine Demütigung. Markus Krösche, der Sportvorstand der Eintracht, staunte über die große Naivität seiner Fußballer. Statt sich irgendwann mal in das taktische Korsett zurückzuziehen, und sich dann vorrangig um Debakel-Vermeidungsfußball zu kümmern, drängt die SGE befreit von allen Ängsten und Sorgen auf ein Tor zum Anschluss. Ein fataler Irrtum. Der in einer mächtigen Mehrfach-Titelansage der Münchner mündet.

„Die Meisterschaft kann gerne Normalität bleiben“, findet Trainer Julian Nagelsmann. Meinungshoheit im Land hat er damit sicher nicht. „Dass wir in den anderen beiden Wettbewerben länger dabei bleiben wollen, das steht außer Frage. Vor allem der DFB-Pokal war im letzten Jahr natürlich enttäuschend. Die Champions League kannst du nie so richtig einkalkulieren. Aber das ist noch Zukunftsmusik.“ Eine alle Mal schönere, als jene, die derzeit die deutschen Charts anführt. Skandalsong „Layla“ liegt da vor „Olivia“ von den Zipfelbuben.

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