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DFB auf einmal Vorbild in Sachen Menschenrechte

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Der Deutsche Fußball-Bund lässt trans- und intergeschlechtliche sowie nicht-binäre Menschen selbst entscheiden, ob sie in einem Frauen- oder einem Männerteam spielen. Die neuen Regeln werden von allen Seiten gelobt und heben sich von denen anderer großer Verbände ab.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat eine eigene Regelung zum Spielrecht trans, inter und nicht-binärer Personen verabschiedet. Demnach können ab der Saison 2022/23 Spieler und Spielerinnen mit dem Geschlechtseintrag „divers“ oder „ohne Angabe“ selbst entscheiden, ob sie für eine Frauen- oder Männermannschaft auflaufen wollen. Gleiches gilt für alle Personen, die ihr Geschlecht angleichen lassen. Bei der Erteilung des Spielrechts sollen Vertrauenspersonen helfen.

„Der Fußball steht für Vielfalt, und auch der DFB setzt sich dafür ein“, sagte Thomas Hitzlsperger, DFB-Botschafter für Vielfalt: „Mit der Regelung des Spielrechts schaffen wir weitere wichtige Voraussetzungen, um auch Spieler:innen unterschiedlichster Geschlechteridentitäten das Spielen zu ermöglichen.“ Die Regelung wurde für den Amateurfußball sowohl in die DFB-Spielordnung als auch in die DFB-Jugendordnung sowie die DFB-Futsal-Ordnung aufgenommen.

Bislang war das in den Personaldokumenten eingetragene Geschlecht „männlich“ oder „weiblich“ maßgeblich für die Erteilung des Spielrechts. Eine gesonderte Regelung für die seit 2018 möglichen Eintragungen „divers“ oder „ohne Angabe“ gab es nicht. Nun können trans Spieler und Spielerinnen selbstbestimmt jederzeit darüber entscheiden, ob sie in eine Mannschaft des anderen Geschlechts wechseln wollen.

Berliner Verband als Vorreiter

Der Berliner Fußball-Verband hatte entsprechende Regeln bereits im Jahr 2019 eingeführt. Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass die Wettbewerbsintegrität dadurch „nicht gefährdet“ werde, heißt es vom DFB. Auch klar geregelt wurde, dass Personen am Spielbetrieb teilnehmen können, solange die sportliche Betätigung während der Einnahme von Medikamenten die Gesundheit der betroffenen Personen nicht beeinträchtigt. Die Regelung schließt somit eine Dopingrelevanz aus.

„So wichtig und richtig, dass der DFB diese Hürde genommen hat“, kommentierte Christian Rudolph, Mitglied im Bundesvorstand des LSVD (Lesben- und Schwulenverband Deutschland) und Leiter der DFB-Anlaufstelle für LGBTIQ+-Anliegen im Profi- und Amateurfußball, in den Sozialen Medien: „Besonders der Amateurfußball muss für alle da sein. Es war ein langer Prozess, zusammen mit dem Fußball und der Community. Jetzt braucht es weiter Aufklärung und Unterstützung, aber für den Moment bin ich erleichtert.“

Der Bundesverband Trans lobte den DFB ebenfalls in höchsten Tönen. „Das ist eine Entscheidung, die in die richtige Richtung geht“, sagte Sprecher Gabriel_Nox Koenig dem SID: „An Leute mit dem Personenstand ‚divers‘ oder ‚ohne Angabe‘ zu denken, hat noch keiner gemacht. Sie denken weit genug, das ist eine informierte Sache.“

Auch aus dem Regierungsviertel in Berlin gab es Zustimmung. Er begrüße diesen Beschluss sehr, sagte der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann. „Damit unterstreicht der DFB seine Bemühungen um Akzeptanz und Teilhabe von LSBTIQ im Fußball. Mit der neuen Regelung kann der Fußball seine Vorbildfunktion unter Beweis stellen. Jeder Mensch sollte diskriminierungsfrei Fußball spielen können“, sagte der Grünen-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.

Auch der Fußball-Weltverband FIFA arbeitet an neuen Richtlinien zum Umgang mit Transmenschen. „Die FIFA überarbeitet derzeit ihr Reglement zur Geschlechtergerechtigkeit in Absprache mit Experten“, teilte ein FIFA-Sprecher Anfang der Woche der Deutschen Presse-Agentur mit.

Die FIFA stütze sich dabei einerseits auf die Vorgaben zahlreicher Interessengruppen für Medizin, Recht, Wissenschaft/Leistung und Menschenrechte. Zudem verwies der Weltverband auf den IOC-Rahmen für Fairness, Inklusion und Nichtdiskriminierung aufgrund von Geschlechtsidentität und Geschlechtsunterschieden vom November 2021. Da der Prozess noch nicht abgeschlossen sei, könne man sich zu Einzelheiten der vorgeschlagenen Änderungen des bestehenden Reglements derzeit aber nicht äußern.

Sollte die FIFA vor Inkrafttreten des neuen Reglements zur Überprüfung einer Spielberechtigung für einen Transmenschen aufgefordert werden, werde jeder einzelne Fall unter Berücksichtigung der „klaren Verpflichtung der FIFA zur Achtung der Menschenrechte“ behandelt, hieß es seitens des Weltfußballverbands.

Andere Verbände restriktiv

Die International Rugby League folgte Anfang der Woche dem Beispiel des Schwimm-Weltverbandes Fina und schloss bis auf Weiteres Transgender-Athleten von internationalen Frauenwettbewerben aus. Die Fina hatte am Sonntag neue Regeln für Transmenschen festgelegt. Danach dürfen sie nur an Frauen-Wettbewerben teilnehmen, wenn sie ihre Geschlechtsanpassung bis zum Alter von zwölf Jahren abgeschlossen haben. Zudem gibt es Überlegungen einer sogenannten „offenen“ Wettkampfkategorie.

Auch der Leichtathletik-Weltverband könnte nach Aussagen seines Vorsitzenden Sebastian Coe möglicherweise den neuen Fina-Regeln folgen. In der Vorwoche hatte auch der Internationale Radsportverband seine Regeln für die Zulassung von Transgender-Athleten mit strengeren Grenzwerten aktualisiert.

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