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Deutscher Halbprofi schafft verrückte Darts-Sensation

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20 Turniere gespielt und immer in der ersten oder zweiten Runde raus. Das war die Bilanz des deutschen Dartspielers Daniel Klose vor dem Pro-Tour-Event im englischen Barnsley. Dann besiegt der 43-jährige Halbprofi plötzlich zwei Weltmeister, zieht ins Finale ein und lässt die Dartswelt staunen.

Gabriel Clemens, Michael Smith, Peter Wright – drei der besten und berühmtesten Dartprofis der Welt hat Daniel Klose am besten Tag seiner sportlichen Laufbahn besiegt. Am Dienstag spielte sich der 43-Jährige Mittelfranke beim 21. Players-Championship-Turnier des Jahres völlig überraschend bis ins Endspiel vor. Erst gegen Ex-Weltmeister Gerwyn Price war Endstation, nur knapp mit 6:8 verlor Klose gegen den “Iceman” aus Wales.

Diesmal ohne Ohrenschützer, dafür siegreich unterwegs: Gerwyn Price

(Foto: IMAGO/Action Plus)

Es war das letzte Spiel an einem völlig verrückten Darts-Tag. Nicht nur aus Sicht von Daniel Klose. Die englischen Kommentatoren waren ob des überragenden Turniers des Deutschen völlig verdattert. Sätze wie, “das kommt aus dem Nichts” oder “wo kommt das denn her”, hatten an diesem Tag im englischen Barnsley Hochkonjunktur. Und zwar völlig zurecht, weil Klose zwar zum illustren Kreis der 128 Tourkarten-Inhaber gehört – das ist die Spielberechtigung für die Turniere der Profidart-Organisation PDC – im ersten Dreivierteljahr seit der Qualifikation aber nicht gerade Bäume ausgerissen hat.

An 20 vergleichbaren Events im Rahmen der sogenannten Pro Tour hatte Klose in diesem Jahr teilgenommen. Ein Lauf wie diesmal war nicht dabei. Der gebürtige Ansbacher schied zwölfmal bereits in der ersten Runde aus, achtmal reichte es immerhin für Runde zwei. Besser lief es nie. Bis jetzt.

Vierter Deutscher im Finale

Das Event war zwar keines der Major-Turniere, die im Fernsehen übertragen werden, dennoch sind die Pro-Tour-Events wichtig. Nur die 128 PDC-Spieler mit Tourkarte dürfen daran teilnehmen, darunter Weltmeister wie Gerwyn Price, Peter Wright, Michael van Gerwen, Raymond van Barneveld oder Gary Anderson. Aus Deutschland haben derzeit sechs Spieler die Berechtigung für PDC-Events: WM-Halbfinalist Gabriel Clemens und der zweite deutsche Topspieler Martin Schindler. Außerdem Ricardo Pietreczko, Florian Hempel, Pascal Rupprecht und Daniel Klose.

Im ersten Spiel am Dienstagnachmittag gewann Klose – vor dem Turnier auf Platz 126 der Weltrangliste notiert – gegen den formschwachen Südafrikaner Devon Petersen souverän mit 6:1. Nach dem Sieg gegen den Südafrikaner kam es zum deutschen Duell mit Gabriel Clemens. Hier setzte Klose die erste Duftmarke des Tages, ließ den “German Giant” mit 4:6 abprallen. In die Runde der letzten 32 gegen Michael Smith ging “Dan The Man” dann als noch klarerer Außenseiter. Und überraschte wieder. Ein brillantes Entscheidungsleg brachte ihm den zu diesem Zeitpunkt größten Sieg seiner Karriere (6:5).

Zuende war der Lauf von Klose aber immer noch nicht. Gegen UK-Open-Halbfinalist Adam Gawlas aus Tschechien setzte sich der 43-Jährige locker durch (6:3), auch gegen Masters-Champion Chris Dobey (6:4) gewann Klose und stand damit plötzlich im Halbfinale. Hier balgten sich mit seinem nächsten Gegner Peter Wright und Gerwyn Price sowie Daryl Gurney mehrere Major-Champions mit insgesamt drei Weltmeister-Titeln.

Und Daniel Klose war mittendrin statt nur dabei, gewann seine Partie gegen den Weltmeister von 2020 und 2022 nicht nur, sondern dominierte sie. Bis zum 3:3 verlief die Begegnung ausgeglichen, danach schnappte sich Klose vier Legs nacheinander und zog nach dem 7:3-Erfolg ins Finale gegen Gerwyn Price ein. Auch hier konnte der Franke die Partie lange offen halten, unterlag am Ende nur knapp mit 6:8.

Klose ist erst der vierte deutsche Dartspieler, der ein Pro-Tour-Finale der PDC erreichen konnte. Gabriel Clemens ist Rekordhalter mit sieben Endspielteilnahmen (noch kein Sieg), Max Hopp steht bei drei Finals (zwei Siege), Martin Schindler kommt genau wie Klose auf ein Endspiel (kein Sieg).

Chance auf WM-Teilnahme

Mit der Finalteilnahme spielte Klose zudem 8.000 Pfund Preisgeld fürs Konto und die Weltrangliste ein, die nach dem erspielten Preisgeld berechnet wird. Hier springt Klose nun von Platz 126 auf 101, sein Gesamtpreisgeld liegt nun bei 16.500 Pfund. Das heißt, Klose hat an einem Tag fast genauso viel Preisgeld eingespielt wie in den ersten acht Monaten seit dem Gewinn der Tourkarte.

Klose bringt sich mit dem Sensationslauf auch in Reichweite einer erstmaligen WM-Qualifikation. Im ersten Jahr auf der Profi-Tour schaffen das nicht viele Spieler. Klose hat die Chance dazu, liegt in der Rangliste dank der Finalteilnahme nur noch 500 Pfund und einen Platz hinter dem letzten WM-Ticket. Mindestens zehn Turniere hat Klose noch, um den Mini-Rückstand für das Highlight im Londoner “Ally Pally” aufzuholen. Er wäre der fünfte Deutsche bei der Darts-WM 2023/24.

Nach dem Final-Wunder von Barnsley würde sich darüber sicher kein Darts-Kommentator mehr wundern.

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