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Auf der Suche nach Unterstützung: Die Berlin Braves 2000 sind hinter Alba die beste Basketballmannschaft in Berlin – Sport

Unerwartet wurde Dube Paul von seinem sonst sehr ruhigen Basketballtrainer Joey Ney zurechtgewiesen. Der Spielmacher der Berlin Braves mit der Nummer 33 hatte beim Schiedsrichter nachgefragt, warum dieser kein Foul gesehen hatte. Als Antwort traf Dube Paul im nächsten Angriff einen Dreier und leitete die Aufholjagd seiner Mannschaft im Heimspiel gegen TSG Westerstede ein.

Die 50 Zuschauenden machten im Zauritzweg in Berlin Charlottenburg ordentlich Stimmung, doch zum Sieg reichte es nicht mehr.

Albas Spieler Maodo Lo kommt regelmäßig zu den Spielen der Braves und unterstützt seinen Freund. „Das ist mein Basketballzuhause. Ich habe in dieser Halle im Zauritzweg meine ersten Basketballerfahrungen gesammelt“, sagt Maodo Lo. „Wir haben bei DBV Charlottenburg angefangen, uns schnell gut verstanden und die gesamte Jugend zusammengespielt“ sagt Paul, „seinen Handwechsel habe ich seitdem ich klein war zu spüren bekommen.“

Während Lo sich an der Columbia University zum Profibasketballer entwickelte, arbeite Paul in New York als Model, beide hielten den Kontakt. Mittlerweile sind beide zurück in Berlin. Während der eine im Trikot von Alba spielt, engagiert sich Paul als Vorstandsmitglied beim zweitbesten Berliner Basketballteam, den Berlin Braves 2000 und spielt auch selbst in der Regionalliga. „Ist ein cooles Projekt. Ich bin richtig stolz drauf, was Dube da inszeniert mit seinen Ideen und der Kooperation mit den Berlin Braves“, sagt Maodo Lo.

„Die Berlin Braves war damals eine Running-Community“

Nach gutem Saisonstart mit fünf Siegen am Stück stehen die Braves mittlerweile bei sieben Siegen und sechs Niederlagen auf dem fünften Tabellenplatz in der vierten Basketballliga Deutschlands. „Die ersten fünf Gegner waren recht dankbar, um in die Saison zu starten, da waren die schweren Brocken aus der Liga noch nicht wirklich dabei“, erklärt Paul die Formstärke zu Saisonbeginn. Mit BG 2000 wurde er 2020 in der zweiten Regionalliga Drittplatzierter, doch da die ersten beiden Mannschaften nicht aufsteigen wollten, ging das Aufstiegsrecht an seinen Verein weiter.

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„Unser Vorstand hatte nicht geplant aufzusteigen“, sagt Paul. Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder und einem anderen Mitspieler setzten sie sich zusammen und verwirklichten sich den Traum von der ersten Regionalliga. „Wir haben es geschafft in kurzer Zeit 20.000 Euro zusammenzubekommen, dafür haben wir auch selbst Geld in die Hand genommen. Der damalige Vorstand war dann ein bisschen baff und hat uns das Zepter in die Hand gegeben. Im nächsten Schritt sind wir Vorstand geworden“, erzählt Paul. „Die Berlin Braves war damals eine Running-Community, die auch ein paar Basketballevents organisiert haben. Wir sind auf Joey W. Elgersma, den Gründer der Berlin Braves, zugegangen und haben unsere Projekte verknüpft.“ Aus BG 2000 wurde Berlin Braves 2000.

Dube Paul (l.) und Roman Bedime spielen bei den Berlin Braves.Foto: Nailya Bikmurzina

Als Vorbild für die jungen Vereinsvorstände fungierte das Basketballprojekt Central Hoops. Das Basketballnetzwerk, aus sechs Berliner Vereinen spielte 2005 in der Nachwuchsbundesliga sowie in der ersten Regionalliga, zerbrach allerdings nach einigen Jahren wieder. „Die hatten damals genau den richtigen Ansatz, nämlich, dass man den Talenten im Westen auch eine Plattform bieten muss“, sagt Paul, „Es gab dann nichts Vergleichbares. Und jetzt sind wir Jahrzehnte später dran, es auch zu probieren und hoffentlich ein bisschen erfolgreicher.“

Im Berliner Speckgürtel gibt es mit Lok Bernau und TKS 49ers Stahnsdorf bereits zwei Vereine, die eine Liga höher in der ProB spielen. Dubes ehemaliger Verein in Königs Wusterhausen spielt auch in der ersten Regionalliga, doch in Berlin sind die Braves nach Alba Berlin die zweitbeste Mannschaft. „Unser Ziel ist es den Talenten innerhalb Berlins eine Möglichkeit zu geben höherklassig zu spielen“, so der 28-jährige Paul, „allerdings ist die erste Regionalliga für ambitionierte Talente zu niedrig, deswegen wollen wir möglichst schnell in die ProB aufzusteigen, was eine super Liga für junge Spieler ist.“

„Das ist schon ein beachtlicher Spagat, den man schaffen muss“

Eines dieser Talente ist der 2,03 Meter große Center Roman Bedime. „Roman ist einer unser Leistungsträger, nach seinem raketenhaften Beginn gab es bereits Interessenten, die sich bei ihm gemeldet haben.“ Der Berliner begann erst mit 15 Jahren mit dem Basketballspielen und ist in der aktuellen Regionalligasaison der zweitbeste Scorer der Braves mit 13,7 Punkten pro Spiel. Neben drei Mannschaftstrainings pro Woche haben junge Spieler die Möglichkeit tagsüber individual zu trainieren. Die Nachwuchsbundesligamannschaft von DBV Charlottenburg, TuS Lichterfelde und RSV Stahnsdorf spielt in dieser Saison auch unter dem Namen Berlin Braves Baskets.

Zusätzlich zu den Trainingseinheiten und den Spielen beschäftigt sich Paul mit seinen Freunden im Vorstand mit der Organisation der Auswärtsfahrten, dem Auf- und Abbau am Spieltag, dem Hygienekonzept und vor allem mit der Buchführung und der Sponsorenakquise. „Die erste Regionalliga hat einen Kostenapparat von 35.000 Euro. Wir machen alle Aufgaben selbst. Das ist schon ein beachtlicher Spagat, den man schaffen muss. Man will selbst den Sport auf einem hohen Level ausüben, muss aber alles abseits davon regeln.“

Dube Paul engagiert sich als Vorstandsmitglied beim zweitbesten Berliner Basketballteam.Foto: Nailya Bikmurzina

Neben seinem Engagement bei den Braves arbeitet Paul an festen Buchungstagen als Model und kümmert sich um seine dreijährige Tochter. „Das klare Ziel ist, dass wir irgendwann in den höheren Ligen spielen, deswegen sind wir immer auf der Suche nach Unterstützern.“
Auch wenn es sich in den höheren Ligen immer mehr professionalisiert und viele Mannschaften in der ersten Regionalliga auch schon mit US-Amerikanern spielen, wollen die Braves weiter als Freundesgruppe mit Berliner Basketballern aufsteigen. „Wir haben eine Berliner Truppe. Es sind alles Jungs, die in Berlin Basketball gespielt haben. Der Schritt in die ProB ist machbar, ohne das komplette Team auszutauschen und eine neue Riege hinzustellen“, sagt Paul.

Der Zauritzweg wird bei einem möglichen Aufstieg aus der Viertklassigkeit in die ProB, also die dritthöchste Liga, zu klein werden und vermutlich nur noch bis Saisonende als Spielstätte fungieren. „Im kommenden Jahr wollen wir in der Sporthalle Charlottenburg spielen.“ Die Halle hat eine Kapazität für 4000 Zuschauende und eine lange Historie. Alba Berlin trug bis 1996 hier seine Spiele aus. Mittlerweile spielt Alba mit Aufbauspieler Maodo Lo in der Arena am Ostbahnhof. „Bei Alba fehlt mir oft die Energie in der Halle. Es ist eher eine Sonntagsbeschäftigung“, sagt Paul.

Eine Basketballfangemeinschaft, die trotz 23 Punkte Rückstand im vierten Viertel aufsteht und seine Mannschaft anfeuert, wie beim Spiel gegen TSG Westerstede, begeistert vielleicht in den nächsten Jahren im Berliner Westen mehr Menschen Basketball zu schauen und selbst zu spielen.

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