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Abgestürzter Drache Bale leckt seine Wunden

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Die Drachen von Wales scheitern bei der WM in Katar krachend in der Vorrunde und fliegen nun nach Hause. Aber der ebenso schillernde wie polarisierende Stürmerstar Gareth Bale möchte weitermachen. Die EM-Qualifikation lockt den 33-Jährigen, um den es hartnäckige Rücktrittsgerüchte gab.

Der Fußballverband von Wales hatte seinen Fans schon vor der Niederlage gegen England Fotos von ihnen aus den Stadien angeboten, die sie käuflich erwerben können – als “perfektes Weihnachtsgeschenk”. Wie groß die Sehnsucht an ein Souvenir an das 0:3 gegen den großen Nachbarn England in Al-Rajjan war, ist unklar. Sicher aber ist: Diese Weltmeisterschaft ist endgültig nur noch eine Erinnerung für die Drachen und ihre Anhänger. Um 1.30 Uhr fuhr der Bus mit Gareth Bale und Co. ein letztes Mal gen Teamquartier. “Ich werde kein schlechtes Wort über diese Gruppe von Spielern sagen, sie haben heute alles gegeben”, betonte Trainer Rob Page.

Mit zwei Toren binnen 96 Sekunden hatte die Elf von Gareth Southgate nach einer klaren Leistungssteigerung im zweiten Durchgang den letztlich deutlichen Erfolg eingeleitet. “Es ist ein großartiges Gefühl. Für Momente wie diese spiele ich Fußball”, sagte Marcus Rashford, der mit einem direkt verwandelten Freistoß in der 50. Minute den Torreigen eröffnete, später erzielte der Angreifer auch noch den 100. WM-Treffer für England (68.). Wenige Wimpernschläge nach der Führung hatte Phil Foden zum 2:0 (51.) getroffen. England zog als Sieger der Gruppe B ins Achtelfinale ein und trifft in der Runde der letzten 16 am Sonntag auf den Senegal.

“Werde so lange weitermachen, wie ich kann”

Der EM-Halbfinalist von 2016 hat nicht einen Sieg landen können und fliegt mit nur einem Punkt und einem Elfmetertor von Bale beim 1:1 gegen die USA nach Hause. Die einst hochfliegenden Waliser Drachen waren in einer nicht übertrieben schweren Gruppe abgstürzt. Die so gern zitierte “Red Wall” (“Rote Wand”) mit ihren lautstarken Anhängern ist in Katar abgebaut. “Danke Jungs, vergesst nicht, von wie weit wir hergekommen sind. Danke, dass ihr uns wieder habt träumen lassen”, schrieb BBC Sport Wales nach dem Aus. 64 Jahre nach dem letzten WM-Auftritt der Waliser mit dem Viertelfinal-Aus gegen Brasilien war diesmal früh Schluss.

Stürmerstar Bale verspürt auch nach dieser Enttäuschung weiter große Lust auf die Nationalmannschaft. “Ich werde so lange weitermachen, wie ich kann und so lange ich gebraucht werde”, sagte der ebenso schillernde wie polarisierende 33 Jahre alte Angreifer nach dem letzten WM-Gruppenspiel. In der Partie war er in der Halbzeit nach mickrigen acht Ballkontakten verletzt ausgewechselt worden. Auf die Frage, ob er für Wales an den nun anstehenden Qualifikationsspielen für die EM teilnehmen möchte, antwortete der Profi von Los Angeles FC, dessen Vertag noch bis zum 30. Juni des kommenden Jahres läuft: “Ich hoffe – also ja.”

“Wir verlassen die Umkleide erhobenen Hauptes”

Der frühere Profi von Real Madrid machte aus seinem Frust keinen Hehl, erinnerte aber an die zurückliegenden Erfolge: “Wenn uns jemand vor zwei Jahren gesagt hätte, dass wir an einer WM teilnehmen, hätten wir uns alle gekniffen. Es ist enttäuschend, auszuscheiden. Aber wir verlassen die Umkleide erhobenen Hauptes”, Bale, der fünfmalige Champions-League-Sieger, bestritt im britischen Bruderduell sein 111. Länderspiel – sein vermutlich aber letztes bei einem Weltturnier.

Dass er nochmal eine solche Motivation spürt, war keine ausgemachte Sache. Es rankten sich lange hartnäckige Gerüchte um einen Rücktritt des einst gefeierten Superstars, der am Ende seiner Zeit bei Real mehr Provokateur und Clown als hochbegabter Fußballer war. Wobei man differenzieren muss. Trug er das Drachen-Trikot, gab er alles, war verehrtes Vorbild. Streifte er die Klamotten (das Trikot trug er immer seltener) seines Ex-Arbeitgebers Real über, der ihn einst zum ersten 100-Millionen-Euro-Transfer gemacht hatte, mutierte er zur atmosphärischen Giftspritze. Im Winter 2020 machte er auf groteske Art und Weise klar, wie sehr er mit dem Verein abgeschlossen hatte. “Wales. Golf. Madrid. In dieser Reihenfolge”, stand auf einer Wales-Fahne, die er nach dem Spiel in der EM-Qualifikation gegen Ungarn zum eigenen Vergnügen und der Belustigung der Mitspieler trug.

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