Kanarische Inseln
Geheimnisse der Guanchen: Eine verlorene Zivilisation?
26.09.2025 – 12:11 UhrLesedauer: 3 Min.
Um die Guanchen ranken sich zahlreiche Mysterien. Woher die Ureinwohner Gran Canarias kamen und wohin sie verschwanden, beschäftigt die Forschung.
Wer sich mit der Geschichte der Kanarischen Inseln beschäftigt, stößt früher oder später auf die Guanchen. Die Ureinwohner Gran Canarias, die vor der Eroberung durch die Spanier auf dem Archipel lebten, stellen die Forschung vor viele Rätsel. Was machte ihre Kultur aus und warum verschwanden sie? Um dies zu verstehen, ist ein Blick in die Zeit vor der Ankunft der spanischen Seefahrer nötig.
Die Bezeichnungen für die ersten Bewohner der Kanaren variieren. Während „Ur-Kanarier“ als allgemeiner Begriff verwendet wird, bezieht sich der Begriff „Guanchen“ streng genommen nur auf die Einwohner Teneriffas. Das Wort stammt vom berberischen Tamazight ab, wobei „Guan“ für „Mensch“ und „Chinet“ für „Teneriffa“ steht.
Jede Insel hatte eigene Namen für ihre jeweiligen Bewohner: die Majos auf Lanzarote, Majoreros auf Fuerteventura, Bimbaches auf El Hierro oder Canarios auf Gran Canaria. Die Ansiedlung erfolgte wahrscheinlich um 3000 vor Christus. Vermutlich wurden die ersten Siedler in einfachen Binsenbooten aus Nordafrika auf das Archipel getragen. Genetische und archäologische Hinweise sprechen auch für Einflüsse aus Südwesteuropa.
In einer Gesellschaft ohne Metallverarbeitung führten die Guanchen ein steinzeitliches Leben mit Ackerbau und Viehzucht in Höhlen oder Steinhütten. Ihre Sprache war mit den Berbersprachen verwandt und einige ihrer Wörter leben im Spanischen fort, das auf den Kanaren gesprochen wird. Dazu gehören viele Ortsbezeichnungen (Teide, Teneriffa), aber auch Baifu (die Nachkommenschaft von Ziegen) oder Gofio (ein Mehl aus geröstetem Getreide). Auf La Gomera überdauerte die Pfeifsprache „El Silbo“ die Jahrtausende. Mit ihr ließ sich über größere Distanzen kommunizieren.
An der Spitze der hierarchischen Gesellschaftsstruktur stand ein König. Unterstützt wurde er in seiner Regierung von Häuptlingen, Richtern und Priestern. Auch in ihrer Religion waren die Guanchen tief verwurzelt. So fanden Archäologen schon im 18. Jahrhundert erste Tempelanlagen. Wie die Ägypter wandten die Ur-Kanarier die Methode der Mumifizierung an, um die Körper ihrer Toten zu erhalten. Eine Auswahl der gefundenen Mumien ist im Museo Canario in Las Palmas zu sehen.
Zur Zeit der spanischen Eroberung im 15. Jahrhundert lebten nach Schätzungen etwa 20.000 bis 30.000 Menschen allein auf Teneriffa. Viele fügten sich den spanischen Verträgen. Eine langsame Vermischung begann, bis das Volk der Guanchen assimiliert war.
