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Wie Sie 5,9 Prozent Rendite bekommen

Wer seine reguläre Rente aufbessern möchte, hat in diesem Jahr die Möglichkeit, zusätzliche Rentenpunkte besonders günstig dazuzukaufen.

Ein zusätzlicher Rentenpunkt kostet 2022 insgesamt 7235,59 Euro. Im vergangenen Jahr kostete ein zusätzlicher Rentenpunkt noch 7726,63 Euro, also fast 500 Euro mehr.

Es nochmal richtig krachen lassen.
© mauritius images / mauritius images / Caia Image / Trevor Adeline

Ein Rentenpunkt bringt demnach nach derzeitigem Wert jeden Monat zusätzlich 34,19 Euro Rente – für das ganze Leben. Zum 1. Juli 2022 erhöht sich die Rente um gut vier Prozent. Der Wert eines Rentenpunkts steigt im Westen auf 35,60 Euro monatlich.

Der Tagesspiegel hat ausgerechnet, wie hoch die Rendite dabei ist: Wer einen zusätzlichen Rentenpunkt kauft, bekommt auf seinen Einsatz lebenslang eine Rendite von 5,9 Prozent jährlich – 35,60 mal 12 gleich 427, das sind jährlich 5,9 Prozent von 7235,59 Euro. Die Werte wurden zum Teil etwas gerundet und sind ohne Gewähr. Bedingungen können sich zudem ändern.

Wie ist das möglich?

Die reguläre Deutsche Rentenversicherung, bei der Arbeitnehmer automatisch versichert sind, bietet die Möglichkeit, vorzeitig in Rente zu gehen. Dabei kürzt sich die Rente um 0,3 Prozent für jeden Monat, den man vor dem regulären Rentenalter aus dem Arbeitsleben ausscheidet.

Die Rentenversicherung bietet nun jedem an, für den Fall einer früheren Rente Ausgleichszahlungen zu leisten, um die Rentenminderung auszugleichen. Gleichzeitig ist aber niemand gezwungen, tatsächlich früher aufzuhören, wenn er Ausgleichszahlungen geleistet hat. Diese Zahlungen erhöhen dann später entsprechen seine Rente, wenn er regulär aufhört.

Genau hier setzt die Möglichkeit ein, zusätzliche Rentenpunkte zu kaufen, die im Grunde nichts anderes sind als eine Kapitalanlage, dazu eine, die außergewöhnliche Rendite bringt.

Steuerliche Vorteile

Diese Rendite beginnt allerdings erst, wenn man in die Rente eintritt. Zwischen dem Überweisen des Geldes an die Rentenkasse und dem Renteneintritt gibt es aber eine andere zusätzliche Rendite. Die Einzahlungen können von der Steuer abgesetzt werden. Das heißt: Wer einen Grenzsteuersatz von 30 Prozent hat und 10.000 Euro einzahlt, bekommt 3000 Euro zurück.

Unbeschwert das Alter genießen – mit der richtigen Rendite.
© imago / imago/Westend61

Er hat also am Ende nur 7000 Euro eingezahlt, was die oben genannte Rendite noch einmal deutlich erhöht. Diese effektive Rendite kann hier schwer angegeben werden, da jeder einen anderen Grenzsteuersatz hat. Das kann sich aber jeder selber ausrechnen.

Das eingezahlte Geld kann in der Steuererklärung unter Altersvorsorgeaufwendungen abgesetzt werden. Nun gibt es hier eine Höchstgrenze. Sie wird fast jährlich erhöht und liegt derzeit bei Alleinstehenden bei 24.101 Euro und 48.202 bei Verheirateten oder Verpartnerten.

Da zu den Altersvorsorgeaufwendungen auch die normalen Rentenbeiträge zählen, kommen Alleinstehende, die etwas mehr verdienen, schnell an diese Grenze und können möglicherweise nur einen Teil ihrer oben genannten Zahlungen absetzen.

Bei Verheirateten oder Verpartnerten, bei denen der Partner weniger verdient und die gemeinsam veranlagen, ist oft genügend Spielraum, um das ganze Geld abzusetzen.

Dabei ist es sinnvoll, die Zahlungen über mehrere Jahre zu stückeln, um jeweils nicht über die Höchstgrenze zu kommen. Zahlungen sind ab dem 50. Geburtstag möglich.

Wie rentabel sind Rentenpunkte im Vergleich zu anderen Anlageformen?

Um zu beurteilen, wie rentabel diese Anlageform ist, sollte man sie mit anderen Anlageformen vergleichen.

Der angemessendste Vergleich ist eine private Rentenversicherung. Auch da zahlt man einen Betrag ein, und bekommt dafür eine lebenslange Rente. Die Rendite ist hier deutlich niedriger und es dauert etwa zehn Jahre länger, bis man letztlich im Plus ist.

Zudem muss man zusätzlich zahlen, wenn man im Todfall Hinterbliebene versorgt wissen will. Bei der staatlichen Rentenversicherung dagegen ist die Hinterbliebenenversicherung inbegriffen.

Die staatliche Rente wird im Gegensatz zu anderen Anlageformen regelmäßig erhöht. Das erhöht im Laufe der Zeit auch die Rendite und bietet einen gewissen Inflationsschutz.

Die staatliche Rentenversicherung hat die höchste denkbare Bonität. Sie kann nicht Pleite gehen. Dahinter steht die Bundesregierung mit ihrem Steueraufkommen.

Das gleiche gilt für deutsche Staatsanleihen. Die Bundesanleihe mit zehnjähriger Laufzeit rentiert derzeit bei etwa 0,9 Prozent. Diese Anlageform ist deutlich ungünstiger als die zusätzlichen Rentenpunkte.

Aktien werfen langfristig deutlich mehr ab und bieten ebenfalls einen gewissen Inflationsschutz, wenn man einen Fonds mit vielen Werten kauft, vor allem, wenn man einen Indexfonds, einen ETF kauft, der einen Index (wie den S&P500) abbildet und der günstig von den Gebühren her ist. Aber nicht jeder möchte nervlich das Auf und Ab der Börsen ertragen, was letztlich der Preis für die langfristig deutlich höhere Rendite ist.

Was sind die Vorteile der zusätzlichen Rentenpunkte?

Die Stiftung Warentest hat Vor- und Nachteile aufgezählt. Hier zuerst die Vorteile:

  • Lebenslanger Geldfluss im Alter.
  • Hohe Verlässlichkeit bei der Auszahlung, gute Planbarkeit.
  • Inflationsschutz durch regelmäßige Rentenerhöhungen.
  • Keine Kapitalmarktrisiken.
  • Höhere Steuerersparnisse während des Berufslebens.
  • Solidarisches Investment.
  • Rentenanwartschaften sind insolvenzgeschützt.
  • Keine Gerichtskosten bei Streit mit der Rentenversicherung.
  • Kostenfreies Beratungsangebot.

Was sind die Nachteile?

  • Rendite hängt stark von der eigenen Lebens­dauer ab und ist schwer einzuschätzen. Letztlich ist die staatliche (wie auch die private) Rentenversicherung eine Wette auf ein langes Leben.
  • Rahmenbedingungen wie Beitrags­satz oder Renten­alters­grenze können sich ändern. Auch das macht das Investment schwer einschätz­bar.
  • Kein Zugriff mehr auf das einmal einge­zahlte Geld während des Berufs­lebens.
  • Im Alter fallen auf die gesetzliche Rente Steuern an. (Allerdings fallen auf fast alle Anlagegewinne Steuern an, wenn sie realisiert werden.)
  • Im Alter fallen für gesetzlich Versicherte Kranken- und Pflege­versicherungs­beiträge an. Das mindert die gesetzliche Rente.
  • Das einge­zahlte Geld kann nicht mehr vererbt werden.
  • Gesamt­kapital­auszahlung zu Renten­beginn ist nicht möglich.

Können auch Selbständige Rentenpunkte dazukaufen?

Ja.  Sind Sie nicht in der gesetzlichen Renten­versicherung pflicht­versichert, können Sie durch freiwil­lige Beiträge Ihre Rente erhöhen. Möglich ist das für Selbst­ständige und Freiberufler, Frührentner, Beamte und Hausfrauen und -männer. Für Selbständige sind vor allem die Steuerersparnisse lukrativ.

Wie kann man Rentenpunkte konkret kaufen?

Theoretisch ist es möglich, einfach Geld an die Deutsche Rentenversicherung zu zahlen mit der Rentenversicherungsnummer und den Hinweis „RM“. Das bedeutet Rentenminderung. Wenn dieser Hinweis fehlt, schwirrt das Geld herum und kann nur schwer zugeordnet werden.

Von diesem Vorgehen, einfach einzuzahlen, ist aber eher abzuraten.

Wer Rentenpunkte kaufen möchte, sollte die Deutsche Rentenversicherung anrufen und sich beraten lassen. Alle oben genannten Punkte machen deutlich, dass es individuell sehr verschieden ist, wie hoch letztendlich Rendite, Steuerersparnis, Vor- und Nachteile sind.

Die Telefonnummer der Deutschen Rentenversicherung lautet: 0800 1000 4800. Die Beratung ist unentgeltlich.

Die Rentenversicherung rechnet dann aus, wieviel man höchstens einzahlen darf. Der Höchstwert deckt genau ab, wieviel man weniger Rente bekäme, würde man drei Jahre früher als die Regelaltersgrenze Rente beziehen. Die Rentenversicherung schickt einem auf Wunsch einen Brief zu, in dem alles Wichtige, was zu beachten ist, drin steht.

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