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Was wird jetzt aus der Wagner-Gruppe?

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Als Chef einer der brutalsten Privatarmeen weltweit macht sich Prigoschin einen Namen. Nun ist der Anführer der Wagner-Gruppe tot – und es stellt sich die Frage, wer künftig das Sagen im lukrativen Söldner-Geschäft hat.

“Wir werden alle zur Hölle fahren. Aber in der Hölle werden wir die Besten sein”, sagte Jewgeni Prigoschin einmal in einem Interview, das der Telegram-Kanal Grey Zone der Wagner-Gruppe am Mittwochabend veröffentlichte. Dass der Wagner-Chef seiner Vorstellung vom Tod gefolgt sein könnte, wird nach dem Absturz seiner Privatmaschine immer wahrscheinlicher. Sein Name stand auf der Passagierliste und sowohl die Privatarmee als zuletzt auch Präsident Wladimir Putin selbst gaben seinen Tod offiziell bekannt.

Für viele kommt Prigoschins Tod nicht überraschend. Nach dem gescheiterten Putschversuch vor zwei Monaten, bei dem Prigoschin eine Schlüsselrolle als Initiator zukam, galt seine Zeit unter vielen Experten als gezählt. Putin nannte ihn damals einen Verräter und dass er Verrätern nicht verzeihen kann, machte er bereits 2018 in einem Interview klar. Vieles deutet auf Rache des russischen Präsidenten hin.

Doch nicht nur Prigoschin, auch Dimitri Utkin, der offizielle militärische Chef von Wagner soll unter den Opfern sein. Auch Waleri Tschekalow, der für Operationen in Syrien zuständig war und zur Führungsebene gehörte, saß mit im Flugzeug. Damit verliert die Wagner-Gruppe nicht nur ihr öffentliches Gesicht, sondern auch die einzigen anderen Führungskräfte, die Prigoschin hätten ersetzen können. Es stellt sich deshalb die Frage, wer künftig die Geschäfte der Privatarmee übernehmen könnte.

Thronfolger sucht man bei Wagner vergebens

Dass die Miliz überhaupt eine Art Stellvertretersystem hatte, bezweifelt der Russlandexperte Nico Lange. “Die Führung war Prigoschin, niemand anderes”, sagt er im Interview mit ntv.de. Dass jemand seine Aufgabe übernehmen könnte, wenn Prigoschin weg ist, sei gar nicht geplant gewesen. Vielmehr sieht es so aus, als sei die Wagner-Gruppe in der Form, wie sie vor der Meuterei am 26. Juni bestand, Geschichte. “Das war bereits in dem Moment klar, als Prigoschin den Putsch abgebrochen hat”, so Lange.

Tatsächlich war die Rolle Prigoschins in den letzten zwei Monaten seit der Meuterei unklar. Eigentlich gab es die Abmachung mit Putin, dass der Wagner-Chef mitsamt seiner Söldner nach Belarus abzieht. Doch gesehen hat man den 62-Jährigen dort kaum. Außer einiger kryptischer Audio-Nachrichten auf Telegram blieb es still um Putins ehemaligen Freund. Zuletzt meldete er sich erstmals wieder über ein Video zu Wort, in dem er sagte, er halte sich in Afrika auf.

Die Flugreise von Moskau nach St. Petersburg ist für Lange deshalb ein Beweis dafür, dass die Vereinbarung zwischen Putin und Prigoschin nie gestimmt hat. “Hinter den Kulissen muss etwas anderes passiert sein, als das, was öffentlich verkündet wurde”, so der Experte. Der Belarus-Deal hat aber offenbar nicht nur die Öffentlichkeit täuschen sollen – sondern auch Prigoschin selbst. Anders lässt es sich kaum erklären, warum sich der Wagner-Chef so sicher gefühlt hat, dass er gemeinsam mit anderen Führungsköpfen in ein Flugzeug steigt.

Lukrative Geschäfte in Afrika

Doch Putins Rache kommt später, wie er bereits in der Vergangenheit bewiesen hat. Ein vergifteter Tee, ein unglücklicher Sturz vom Balkon, angebliche Herzinfarkte – die Liste der Vergeltungsmorde ist lang. Für Russland könnte Prigoschins Tod trotzdem unangenehme Folgen haben, sagt Russlandexperte und Professor Gerhard Mangott vom Institut für Politikwissenschaft in Innsbruck im Interview mit ntv.de. In Afrika und im Nahen Osten sorgen Wagner-Söldner dafür, dass russische Interessen durchgesetzt werden. “Gelingt es Russland nicht, diese paramilitärische Präsenz in Afrika fortzusetzen, schadet das Russland.”

Doch dafür sind die Geschäfte in Afrika zu lukrativ – das Stehlen und Verkaufen von Rohstoffen und anderen schwarzen Geschäften, will Putin sich nicht entgehen lassen. Auch die politischen Interessen sind für Russland zu wichtig. “Dann macht eben jemand anderes das Geschäft”, prophezeit Lange. “Im System Putin entscheidet Putin, wer Geschäfte machen darf und wer nicht.” Wahrscheinlicher sei es, dass Putin hinter den Kulissen bereits jemand eingesetzt hat, so der Russlandexperte. Was die Geschäfte in Syrien betrifft, sollen nach dem Putsch bereits russische Streitkräfte in die Arbeit integriert worden sein.

An der Front braucht Putin die Söldner schon lange nicht mehr: Nach den Pöbeleien Prigoschins gegen die Führung der russischen Armee, haben sich die Kämpfer bereits vor zwei Monaten von der Front zurückgezogen. Einen Einbruch der russischen Verteidigung hat es dabei nicht gegeben.

Der Kreml hat nichts zu befürchten

Angst davor, dass sich die Söldner weigern könnten, die Geschäfte für Putin oder das russische Verteidigungsministerium fortzuführen, braucht der Kreml-Chef keine zu haben. “Wir reden von Söldnern, zum Teil von Schwerstkriminellen, ehemaligen Gefängnisinsassen. Ich glaube nicht, dass die eine große Auswahl haben und letztlich dahin gehen, wo ihnen Geld gezahlt wird”, so Lange.

Auch ein Racheakt vonseiten loyaler Prigoschin-Anhänger, wie im Telegram-Kanal Grey Zone angekündigt, braucht der Kreml laut Experten ebenfalls nicht zu befürchten. Nachdem sie nach dem Putsch alle ihre Waffen an Russland abgeben mussten, fehlt ihnen für eine ernsthafte Aktion die Militärstärke.

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