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Virologin Eckerle über die vierte Welle: „Wir hätten mit der Euphorie über die Impfung etwas vorsichtiger sein müssen“ – Wissen

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland schießen bereits zu Beginn der kühleren Jahreszeit in die Höhe, die Inzidenz steigt auf in der Pandemie nie dagewesene Werte und auch die Zahl der täglichen Covid-19-Toten steigt weiter.

Die Virologin Isabella Eckerle macht der deutschen Politik massive Vorwürfe. „Die vierte Welle kam wirklich mit Ansage. Viele Experten haben sich seit Monaten den Mund fusselig geredet und genau vor der Entwicklung gewarnt, die jetzt eintritt“, sagte die Leiterin des Zentrums für neuartige Viruserkrankungen an der Universitätsklinik Genf dem „Spiegel“.

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„Es tut richtig weh, dabei zuzuschauen, wie wir gerade wieder in eine Situation schlittern, die kurz davor ist, außer Kontrolle zu geraten. Allerdings bin ich froh, dass ich keine Politikerin bin. Es wird keine Lösung geben, die alle zufriedenstellt. Es gibt keinen Königsweg heraus aus dieser vierten Welle.“

Die in Speyer geborene Forscherin, sagte aber auch selbstkritisch, sie habe die Wirkung der Impfungen überschätzt:

Ich glaube, wir hätten mit der Euphorie über die Impfung etwas vorsichtiger sein müssen. Auch ich habe das falsch eingeschätzt. Ich hätte nicht gedacht, dass die Pandemie noch so lange dauern würde, wenn wir erst mal die Impfung haben. Wahrscheinlich ist es einfach so, dass wir drei Dosen brauchen, um eine robuste Immunantwort aufzubauen. Das ist ja bei vielen anderen Impfstoffen auch so. Aber selbst mit drei Dosen wird es wahrscheinlich nicht so sein, dass die Impfung alle Probleme löst.“

Direktor Institut für Virologie an der Berliner Charité: Christian Drosten.Foto: Michael Kappeler/dpa

Auch Eckerles Kollege Christian Drosten sieht Deutschland „noch meilenweit“ vom Ende der Pandemie entfernt. „Sobald Delta hier voll zuschlägt, sind die Krankenhäuser schnell überlastet“, sagte Drosten dem Magazin. In Ländern mit hoher Impfquote wie Spanien oder Portugal hingegen, „dürfte man die Pandemie im Frühjahr wohl endgültig hinter sich lassen“, sagte der Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité.

Eckerle kritisierte, die Dynamik des Infektionsgeschehens sei erwartbar gewesen, die Lage sei nun „sehr ernst.“ Die Wissenschaftlerin, die Mitglied der Europäischen Covid-19-Expertengruppe der Weltgesundheitsorganisation WHO ist, erklärte weiter: „Überraschend finde ich nur, dass es uns jetzt zum vierten Mal so unvorbereitet trifft.“.

Es zeige sich nun, dass es unklug gewesen sei, die Sieben-Tage-Inzidenz als Frühwarnsignal durch die Hospitalisierungsrate zu ersetzen. Es bleibe nicht viel Zeit zum Handeln.

Zumal: „Das Alter der Coronapatienten auf den Intensivstationen ist deutlich gesunken. Die Jüngeren belegen die Betten aber viel länger als die Älteren, teilweise wochen- oder sogar monatelang, bevor sie genesen oder leider doch sterben. Zusammen mit dem Mangel an Pflegepersonal verschärft das die Situation auf den Intensivstationen dramatisch“, so die 41-Jährige, die sich speziell mit der Rolle von Kindern in der Pandemie beschäftigt.

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