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Ukrainer wehren Angriffe im Osten ab – Sorge vor Treffer auf Atomkraftwerk

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Knapp sechs Monate nach Beginn ihrer Invasion attackieren russischen Truppe in der Ostukraine mit aller Härte einen Eckpfeiler der ukrainischen Verteidigungslinie. Im Süden drängen die Ukrainer die Russen in die Defensive. Sorge bereitet der Zustand des von Bomben getroffenen Atomkraftwerks Saporischschja.

Knapp sechs Monate nach Beginn ihrer Invasion attackieren die russischen Truppen in der Ostukraine mit aller Härte die Stadt Bachmut – einen Eckpfeiler der ukrainischen Verteidigungslinie. Im Süden drängen die Ukrainer eigener Darstellung zufolge die Russen in die Defensive. Sorge bereitet vor allem der Zustand des von Bomben getroffenen Atomkraftwerks Saporischschja. Der 164. Kriegstag im Überblick:

Beschuss von Atomkraftwerkgelände als „Terrorismus“ angeprangert

Nach dem Beschuss des Atomkraftwerkgeländes Saporischschja am Freitag machten sich Russland und die Ukraine gegenseitig dafür verantwortlich. Das größte Atomkraftwerk Europas liegt im von Russland besetzten Teil der Südukraine – bereits mehrfach kam es dort in den vergangenen Kriegsmonaten zu brenzligen Situationen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem „Akt des Terrorismus“ durch die russische Seite und forderte neue Sanktionen, die gezielt die Nuklearindustrie des Nachbarlands treffen sollten. Das Außenministerium in Kiew warnte: Sollte ein Reaktor im Betrieb getroffen werden, seien die möglichen Folgen „gleichbedeutend mit dem Einsatz einer Atombombe“.

IAEO-Generaldirektor Rafael Grossi warnte vor der Gefahr einer Nuklearkatastrophe, die die öffentliche Gesundheit und die Umwelt in der Ukraine und darüber hinaus bedrohen könne. Angesichts der Ereignisse vom Freitag sei er „äußerst besorgt“. „Jegliche militärische Feuerkraft, die auf die Anlage gerichtet ist oder von ihr ausgeht, wäre ein Spiel mit dem Feuer, mit möglichen katastrophalen Folgen“, sagte Grossi.

Die staatliche ukrainische Atombehörde Enerhoatom erklärte, durch den Beschuss seien eine Stickstoffanlage und ein Hilfskorpus des Kraftwerks beschädigt worden. „Es bleibt das Risiko, dass Wasserstoff austritt und sich radioaktive Teilchen verteilen, auch die Brandgefahr ist hoch.“

In Teilen der Stadt Enerhodar, in der das Kraftwerk liegt, seien Strom- und Wasserversorgung ausgefallen, teilte das russische Verteidigungsministerium mit – und machte die ukrainische Armee dafür verantwortlich. Zudem habe ein Block des AKW teilweise abgeschaltet werden müssen. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden. Von ukrainischer Seite hieß es hingegen, die Russen hätten das Gelände selbst beschossen.

Britischer Geheimdienst sieht neue Phase des Kriegs

Nach britischen Informationen geht der Krieg derzeit in eine neue Phase. Das Verteidigungsministerium in London rechnet damit, dass sich die schwersten Gefechte auf eine knapp 350 Kilometer lange Frontlinie verlagern, die sich südwestlich nahe Saporischschja bis nach Cherson erstreckt und damit parallel zum Fluss Dnipro verläuft. In Erwartung der ukrainischen Gegenoffensive oder vorbereitend für einen möglichen Angriff versammelten sich die russischen Streitkräfte mit ziemlicher Sicherheit im Süden der Ukraine, schrieben die Briten. Lange russische Militärkonvois bewegten sich weiterhin weg von der ukrainischen Donbass-Region in Richtung Südwesten.

Russen drängten Ukrainer im Osten schrittweise zurück

Seit der Eroberung des Gebiets Luhansk konzentrieren sich die russischen Angriffe in der Ostukraine auf das benachbarte Gebiet Donezk. Schrittweise konnten die Invasoren in den vergangenen Wochen die ukrainischen Verteidiger zurückdrängen. Sie kontrollieren inzwischen etwa 60 Prozent des Territoriums. Das Hauptquartier der ukrainischen Truppen im Donbass befindet sich im Ballungsraum Slowjansk – Kramatorsk, wo vor dem Krieg gut eine halbe Million Menschen lebten. Von Osten her ist dieser Raum durch die Festungslinie Siwersk – Soledar – Bachmut gesichert. Diese gerät nun an mehreren Stellen ins Wanken. Russische Truppen stehen auch vor Siwersk und Soledar.

Die schwersten Gefechte laufen aber derzeit um den Verkehrsknotenpunkt Bachmut. Dort hat die ukrainische Armee eigenen Angaben zufolge vorerst die Vorstöße der Russen abgewehrt. Es seien russische Offensiven in Richtung der Städte Slowjansk, Bachmut und Awdijiwka zurückgeschlagen worden, teilt der ukrainische Generalstab in seinem Abendbericht mit.

Auch direkt vor der ehemaligen Gebietshauptstadt Donezk, seit 2014 in der Hand prorussischer Separatisten, dauern die Gefechte an. Die moskautreuen Truppen versuchen hier, die Ukrainer weiter abzudrängen. Im Raum der Kleinstadt Awdijiwka nördlich von Donezk habe es mehrere Angriffsversuche gegeben, die abgewehrt worden seien, meldete der Generalstab.

Im Süden sind laut Kiew die Russen in der Defensive

Im Süden des Landes geht die Initiative hingegen auf die Ukrainer über. Dort konzentrieren sich die russischen Truppen dem Lagebericht aus Kiew zufolge darauf, ihre Positionen zu verteidigen. Die Kommandostelle Süd des ukrainischen Militärs hatte zuvor bereits berichtet, mindestens sechs russische Waffen- und Munitionsdepots sowie zwei Kommandopunkte im Gebiet Cherson vernichtet zu haben. Auch für diese Angaben gibt es keine unabhängige Bestätigung.

Der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, berichtete, mit Luft- und Artillerieangriffen seien fast 600 ukrainische Soldaten getötet worden. So sei nahe der Ortschaft Bilohirka im Gebiet Cherson die 46. ukrainische Luftsturmbrigade getroffen worden. Dabei kamen nach seinen Worten mehr als 400 „Nationalisten“ ums Leben. Daneben seien durch Raketenangriffe an der dortigen Front mehr als 70 weitere Soldaten getötet und 150 verletzt worden. Bei Raketenangriffen im Gebiet Dnipropetrowsk seien mehr als 80 „ausländische Söldner“ gestorben.

Konaschenkow berichtete zudem über die Vernichtung mehrerer Artilleriesysteme der Ukraine. So sei eine Batterie von „Olcha“- und Himars-Raketenwerfern zerstört worden. Himars sind präzise US-Mehrfachraketenwerfer mit hoher Reichweite.

Separatistenführer mit Vergiftungssymptomen

Der Chef der von Russland eingesetzten Militärverwaltung im besetzten südukrainischen Gebiet Cherson, Wolodymyr Saldo, liegt mit Vergiftungserscheinungen im künstlichen Koma auf einer Intensivstation in Moskau. „Heute wurde er im künstlichen Koma mit einem Spezialflugzeug von der Krim nach Moskau geflogen“, berichtet der russische Telegram-Kanal Baza. Sein Zustand gilt als kritisch, eine Vergiftung wird als mögliche Ursache genannt.

Ein weiteres Mitglied der Besatzungsverwaltung starb an den Folgen eines Anschlags. Der stellvertretende Leiter der von den Russen in der Stadt Nowa Kachowka eingesetzten Verwaltung, Witalij Gura, sei seinen Verletzungen erlegen, schreibt die prorussische Politikerin Jekaterina Gubarewa auf Telegram. Auch die staatliche russische Nachrichenagentur Ria Nowosti meldet Guras Tod. Demnach soll er früher am Tag in der Nähe seines Hauses von Unbekannten mit einer Schusswaffe angegriffen worden sein.

Weiteres Getreideschiff in Istanbul angekommen

Ein Schiff mit 33.000 Tonnen Mais aus der Ukraine ist zur Inspektion in Istanbul eingetroffen. Das teilt das türkische Verteidigungsministerium auf Twitter mit. Es ist der zweite Getreidefrachter, seit unter Vermittlung der Türkei ein internationales Abkommen über ukrainische Ausfuhren über das Schwarze Meer erzielt wurde. Zwei weitere Schiffe werden in Kürze erwartet.

Weitere wichtige Texte zum Ukraine-Krieg:

Alle weiteren Entwicklungen können Sie in unserem Liveticker zum Ukraine-Krieg nachlesen.

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