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Ukraine droht in „Schicksalsschlacht“ schwerer Schlag

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10.000 Zivilisten harren nach ukrainischen Angaben noch in Sjewjerodonezk aus, während in ihrer Stadt die von Präsident Selenskyj zur Schicksalsschlacht erklärten Kämpfe toben. Eine Evakuierung ist nicht mehr möglich. Russland hat bereits große Teile der strategisch wichtigen Stadt eingenommen.

Im Osten der Ukraine setzen russische Truppen nach ukrainischen Angaben ihre Angriffe auf Wohn- und Industriegebiete in der schwer umkämpften Stadt Sjewjerodonezk fort. Durch den Beschuss der Chemiefabrik Azot seien vier Menschen getötet worden, schrieb der Gouverneur des Gebiets Luhansk, Serhij Hajdaj, auf Telegram. Die Anlage wird nach ukrainischen Angaben von Hunderten Zivilisten als Luftschutzbunker genutzt. Eine Evakuierung der Stadt ist nach Angaben des Bürgermeisters indes nicht mehr möglich. Etwa 10.000 Zivilisten seien noch in der Stadt, sagt Olexander Strjuk.

Ukrainische Kräfte kontrollierten unterdessen weiterhin das Industriegebiet und angrenzende Bereiche. Russische Truppen zerstörten „alles, was zur Verteidigung genutzt“ werden könne, sagt Strjuk weiter. Die Verteidigung der Stadt gegen die russischen Truppen gleiche einer „Mission Impossible“. Die russische Armee bombardiere die Stadt „rund um die Uhr“.

Sobald die ukrainische Armee über Artillerie mit großer Reichweite verfüge, „um Duelle mit russischer Artillerie austragen zu können, können unsere Spezialkräfte die Stadt in zwei bis drei Tagen säubern“, sagte Hajdaj in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview.

Die USA und Großbritannien hatten kürzlich die Lieferung von Mehrfachraketenwerfern an die Ukraine angekündigt, mit denen Ziele in bis zu 80 Kilometern Entfernung angegriffen werden können. Die ukrainischen Streitkräfte in Sjewjerodonezk seien weiterhin „hoch motiviert“, die Einheiten hielten „alle ihre Positionen“, verkündete Hajdaj.

„Vielleicht der schwierigste Kampf im ganzen Krieg“

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Kampf um Sjewjerodonezk in der Nacht zur „Schicksalsschlacht“ erklärt: „Das ist ein sehr brutaler Kampf, sehr hart, vielleicht der schwierigste in diesem ganzen Krieg“, erklärte Selenskyj in einer Videobotschaft. Hauptkriegsschauplatz in dem Gebiet bleibe Sjewjerodonezk. „Im Wesentlichen ist es hier, wo über das Schicksal unseres Donbass entschieden wird.“

ntv-Reporter Stephan Richter fasste die Bedeutung der schweren Kämpfe aus russischer und ukrainischer Sicht am Morgen zusammen: „Die Russen werden höchstwahrscheinlich alles dafür tun, die Stadt noch in dieser Woche einzunehmen. Alles, was rund um die Situation in Sjewjerodonezk passiert, ist maßgeblich für den weiteren Verlauf dieses Krieges. Für die Ukraine wäre es ein schwerer Schlag, sollte sie die Stadt nicht halten können.“

Der ukrainische Generalstab teilte mit, die russische Armee greife mit Artillerie und Mehrfachraketenwerfern an und ziele in Sjewjerodonezk und anderen Orten auf die zivile Infrastruktur. Russland weist Vorwürfe zurück, nichtmilitärische Ziele anzugreifen. Ukrainische Soldaten wurden zuletzt an den Rand von Sjewjerodonezk zurückgedrängt, das durch russische Bombenangriffe bereits weitgehend zerstört ist.

Die Ukraine kontrolliert nach eigenen Angaben weiterhin die durch einen Fluss getrennte Zwillingsstadt Lyssytschansk. Diese ist aber ebenfalls schweren Bombardements ausgesetzt, dort gebe es „enorme Zerstörungen“, sagte Hajdaj. Die beiden Städte befinden sich in der Region Luhansk, die zusammen mit der Region Donezk den Donbass bildet. Vor der russischen Invasion der Ukraine am 24. Februar kontrollierten pro-russische Separatisten rund ein Drittel des Donbass. Auf dieses überwiegend russischsprachige Gebiet hat das russische Militär zuletzt den Fokus seines Angriffs verlagert, nachdem es in anderen Landesteilen einige empfindliche Rückschläge einstecken musste.

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