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TÜV: Weiterbetrieb von Isar 2 problemlos möglich

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SPD und Grüne lehnen eine Laufzeitverlängerung der letzten Atomkraftwerke ab. In einem Gutachten für das Land Bayern kommt der TÜV Süd zu dem Ergebnis, dass ein Weiterbetrieb des Meilers Isar 2 bis Mitte 2023 auch ohne neue Brennelemente möglich wäre. Bei schneller Bestellung neuer Brennelemente auch darüber hinaus.

Nach Ansicht von Sachverständigen des Prüfunternehmens TÜV Süd wäre ein Weiterbetrieb des Atomkraftwerks Isar 2 über den Dezember dieses Jahres hinaus technisch ohne Weiteres machbar. Das geht aus einem Gutachten des TÜV Süd für die bayerische Staatsregierung hervor, das ntv.de in Auszügen vorliegt.

Darin heißt es, bei der Tätigkeit des TÜV Süd als Sachverständiger „haben sich keine Hinweise ergeben, dass die erforderliche Schadensvorsorge infrage gestellt sein könnte“. Seit der letzten Sicherheitsüberprüfung hätten sich „keine neuen Erkenntnisse ergeben, die besorgen lassen müssten, dass sich bei der Durchführung einer neuen Sicherheitsüberprüfung sicherheitstechnische Defizite ergeben würden“.

In Deutschland sind noch drei Kernkraftwerke am Netz, neben Isar 2 sind das die Meiler Neckarwestheim 2 und Emsland. Alle drei Anlagen sollen Ende des Jahres abgeschaltet werden. Vor dem Hintergrund der stockenden Gaslieferungen aus Russland ist eine Debatte um eine Laufzeitverlängerung entbrannt. SPD und Grüne lehnen dies ab, unter anderem mit dem Argument, dass die noch bestehenden AKW dann umgehend einer Sicherheitsprüfung unterzogen werden müssten.

2019 entfiel eine reguläre Prüfung

Im normalen zehnjährigen Rhythmus hätte eine solche Prüfung 2019 angestanden. Da die Meiler vom Netz gehen sollten, wurde gesetzlich festgelegt, dass diese Prüfungen entfallen. „Bei einem Weiterbetrieb nach dem 1.1.2023 wäre also die letzte Sicherheitsüberprüfung 13 Jahre alt, eine neue wäre zwingend geboten“, schreiben Bundeswirtschaftsministerium und Bundesumweltministerium in einer gemeinsamen Stellungnahme vom März. „Bei einem längeren Weiterbetrieb dürften die Anforderungen des aktuellen kerntechnischen Regelwerks nicht genügen“, heißt es darin weiter.

Erst am Mittwoch hatte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums auf die Einschätzung von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck verwiesen, dass ein Weiterbetrieb der Kraftwerke über den 31. Dezember 2022 hinaus auch aus Sicherheitsgründen nicht verantwortbar sei.

„Weiterbetrieb bis August 2023 auch ohne neue Brennelemente möglich“

Dieses Argument lassen die Gutachter des TÜV Süd nicht gelten. Für Isar 2 könne aus der nicht erfolgten Überprüfung des Jahres 2019 nicht abgeleitet werden, „dass die erforderliche Schadensvorsorge nicht mehr gegeben ist“. Selbst bei einem „gezielten Absturz eines großen Verkehrsflugzeuges“ auf Isar 2 seien keine Freisetzungen radioaktiver Stoffe zu erwarten. Von „routinemäßigen Instandsetzungsmaßnahmen“ abgesehen seien keine Maßnahmen nötig, um den Weiterbetrieb zu gewährleisten.

Ohne neue Brennelemente wäre nach Einschätzung des TÜV Süd ein Weiterbetrieb von Isar 2 bis August 2023 möglich – zunächst in einem normalen Weiterbetrieb von 80 Tagen, dann weitere drei Monate durch „Umsetzen“ der vorhandenen Brennelemente. Insgesamt könne so eine zusätzliche Strommenge von etwa 5160 Gigawattstunden erzeugt werden.

Darüber hinaus schreiben die Gutachter, sie hielten „aufgrund unserer Erfahrungen bei der Begutachtung von Brennelement-Nachlieferungen eine Anlieferung frischer Brennelemente innerhalb von 12 Monaten für möglich“. Der TÜV Süd schlussfolgert, dass bei rechtzeitiger Bestellung eine Weiterführung des Betriebs auch über den Herbst 2023 möglich wäre.

Nach fünf Betriebszyklen wäre das Zwischenlager voll

Der TÜV Süd betont, dass notwendige Maßnahmen für den Weiterbetrieb „betriebsbegleitend“ umgesetzt werden könnten. Dagegen hatten Wirtschafts- und Umweltministerium in ihrer Stellungnahme erklärt, dass die drei noch laufenden Atomkraftwerke für eine Zeit von bis zu 80 Tagen über den 31. Dezember hinaus zwar im „Streckbetrieb“ weiterlaufen könnten. Die Atomkraftwerke müssten dafür jedoch im Sommer 2022 weniger Strom produzieren. „Insgesamt würde zwischen heute und Ende März 2023 netto nicht mehr Strom produziert.“

Bundeskanzler Olaf Scholz hatte dem „Münchner Merkur“ am Montag gesagt, die Brennstäbe reichten noch bis zum Ende des Jahres. Neue zu besorgen, würde mindestens 12 bis 18 Monate dauern. Er sagte allerdings auch: „Ich befürworte den Ausstieg aus der Atomenergie aus vollem Herzen. Gleichwohl: Wenn es problemlos möglich wäre, die Laufzeit um ein oder zwei Jahre zu verlängern, würde sich jetzt wohl kaum jemand dagegen stellen.“

Mit Blick auf die Lagerkapazitäten auf dem Gelände des Kernkraftwerks schreibt der TÜV Süd, „dass mindestens fünf weitere Betriebszyklen“ von Isar 2 möglich seien, „bevor die Kapazität des Standort-Zwischenlagers ausgeschöpft ist“. Der aktuelle Betriebszyklus von Isar 2 wird vom Betreiber Preussenelektra mit gut 14 Monaten angegeben.

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