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Sjewjerodonezk fast unter russischer Kontrolle – Lauterbach reist nach Kiew

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Die Kreml-Truppen stehen kurz davor, die letzte große Stadt in der Region Luhansk der Kontrolle ukrainischer Streitkräfte zu entreißen – einzig das Industriegebiet fehlt ihnen noch. Unterdessen kündigt Bundesgesundheitsminister Lauterbach eine Reise nach Kiew an.

Die Kreml-Truppen stehen kurz davor, die letzte große Stadt in der Region Luhansk der Kontrolle ukrainischer Streitkräfte zu entreißen – einzig das Industriegebiet fehlt ihnen noch. Unterdessen kündigt Bundesgesundheitsminister Lauterbach eine Reise nach Kiew an. In Ankara trägt der russische Außenminister Lawrow nicht zur Lösung der Getreidekrise bei, sondern gibt die Schuld dafür dem Nachbarland. Die Regierung Selenskyj zeigt sich derweil enttäuscht über die Aussagen von Ex-Bundeskanzlerin Merkel zu ihrer Russland-Politik. Der 105. Kriegstag im Überblick.

Ukraine hält nur noch Industriegebiet in Sjewjerodonezk

Nach wochenlangen schweren Kämpfen befindet sich die strategisch wichtige Stadt Sjewjerodonezk in der Ostukraine nach Angaben des ukrainischen Gouverneurs der Region Luhansk „weitgehend“ unter russischer Kontrolle. „Das Industriegebiet gehört noch immer uns, dort gibt es keine Russen“, erklärte der Gouverneur Serhij Gajdaj im Messengerdienst Telegram. „Enorme Zerstörungen“ gebe es auch im benachbarten Lyssytschansk, fügte er hinzu.

Sjewjerodonezk war neben Lyssytschansk die letzte größere Stadt in der Region Luhansk, die noch von der Ukraine kontrolliert wurde. Gajdaj hatte im Sender 1+1 gesagt, die Verteidigung von Sjewjerodonezk gegen die russischen Truppen gleiche einer „Mission Impossible“. Die russische Armee bombardiere die Stadt „rund um die Uhr“. Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu hatte am Dienstag erklärt, die russischen Streitkräfte hätten die Wohngebiete der Stadt voll unter Kontrolle. Die russische Armee versuche jedoch weiterhin, das Industriegebiet und die umliegenden Siedlungen zu erobern.

Lauterbach fliegt am Donnerstag in die Ukraine

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach bricht am Donnerstag zu einer Reise in die Ukraine auf. Das kündigte der SPD-Politiker in Düsseldorf an. Er werde sich dort mit dem ukrainischen Gesundheitsminister treffen. Ihm gehe es unter anderem darum, wie verletzte Menschen besser versorgt werden könnten. Er wolle herausfinden, wie Menschen, die im Krieg Beine oder Arme verloren hätten, besser mit Prothesen ausgestattet werden könnten, sagte Lauterbach. Besonders gehe es auch um verletzte Kinder. Lauterbach nannte den russischen Krieg gegen die Ukraine einen „barbarischen, vernichtenden und ungerechten Angriffskrieg“. Er betonte: „Das ist ohne Zivilisation und muss verurteilt werden in jeder Form.“

Aus dem Bundeskabinett hatten zuvor Außenministerin Annalena Baerbock und Entwicklungsministerin Svenja Schulze jeweils Kiew besucht. Kulturstaatsministerin Claudia Roth war vor kurzem in Odessa. Auch Oppositionsführer Friedrich Merz sowie Bundestagspräsidentin Bärbel Bas waren bereits in Kiew.

Lawrow macht Ukraine für Getreideblockade verantwortlich

Im Streit um die Blockade von ukrainischem Getreide in Häfen am Schwarzen Meer weist Russland jegliche Schuld von sich. Außenminister Sergej Lawrow machte bei einem Besuch in der Türkei die Ukraine selbst dafür verantwortlich. Die Ukraine weigere sich bislang, ihre Häfen zu entminen oder anderweitig Durchfahrten von Frachtschiffen zu gewährleisten, sagte Lawrow nach einem Treffen mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu in Ankara. Konkrete Ergebnisse wie etwa die Einrichtung eines Sicherheitskorridors brachte das Treffen nicht. Faktisch blockiert die russische Marine seit Beginn des Angriffskriegs auf das Nachbarland vor mehr als drei Monaten die ukrainischen Schwarzmeer-Häfen. Die Ukraine, weltweit der viertgrößte Getreideexporteur, sitzt deshalb auf den eigenen Vorräten fest.

Russland plant Referendum in Saporischschija

Die von Russland installierte Verwaltung im besetzten Teil der ukrainischen Region Saporischschija will noch in diesem Jahr ein Referendum über einen Anschluss an Russland abhalten, wie die Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf ein Mitglied des Gremiums meldete. „Die Menschen werden über die Zukunft der Region Saporischschija entscheiden, das Referendum ist für dieses Jahr geplant“, wurde Verwaltungsvertreter Wladimir Rogow zitiert.

Moskau und Kiew tauschen Tote aus

Die Ukraine gab den neuerlichen Austausch von Toten mit Russland bekannt. 50 „Helden“ seien von Russland zurückgegeben worden, teilte das ukrainische Ministerium für Wiedereingliederung mit. Unter diesen 50 Getöteten seien 37, die sich als „Helden“ am Kampf um das ukrainische Stahlwerk Asowstahl beteiligt hätten. Der Austausch der Toten fand nach diesen Angaben in der Region von Saporischschja im Süden der Ukraine statt. Dabei habe die Regel „50 gegen 50“ gegolten. In der vergangenen Woche war bereits ein Austausch von Soldaten bekanntgegeben worden. Bei dieser Gelegenheit wurden 160 Soldaten der beiden Seiten übergeben.

Putin verschiebt Fernseh-Audienz

Die traditionelle TV-Bürgerfragestunde „Der direkte Draht“ von Russlands Präsident Wladimir Putin wird dieses Jahr nicht wie oft zuvor im Juni stattfinden. Die Vorbereitungen für das Ereignis liefen, einen konkreten Termin gebe es aber noch nicht, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge. Eine Austragung im Juni schloss er aber aus. In den vergangenen Jahren war die Fragestunde – bis auf eine Ausnahme im Covid-Jahr 2020 – immer im Juni veranstaltet worden. „Der direkte Draht“ ist eine stundenlange Live-Sendung, in der die russischen Bürger dem Kremlchef ihre persönlichen Sorgen schildern können. Der TV-Marathon gibt Putin dabei die Möglichkeit, sich der Bevölkerung als fürsorglicher Landesvater zu präsentieren.

Melnyk über Merkel-Auftritt: „Gibt noch viele offene Fragen“

Der ukrainische Botschafter in Berlin, Andrij Melnyk, lobte Altkanzlerin Angela Merkel dafür, dass sie in einem Interview Stellung zur ihrer Russlandpolitik bezogen hat. Melnyk sagte gegenüber RTL/ntv, dass es eine „Aufarbeitung der Russlandpolitik“ brauche. „Deswegen war das gut, dass die Kanzlerin sich bereit erklärt hat, Stellung zu nehmen.“ Melnyk fügt aber hinzu, dass man seitens der Ukraine „viel mehr“ an konkreten Antworten erwartet habe: „Denn wenn das alles so blendend gelaufen sein soll und gar keine Fehler begangen wurden, dann ist die Frage, wieso wir seit 105 Tagen mit diesem Angriffskrieg zu tun haben.“ Auch die ukrainische Regierung zeigte sich wenig überzeugt von den Erläuterungen Merkels. Es sei weiter nicht verständlich, warum Merkel den Bau der deutsch-russischen Gaspipeline Nord Stream 2 unterstützt habe, schrieb der ukrainische Präsidentenberater Mychailo Podoljak auf Twitter. Podoljak begründete sein Unverständnis mit Merkels Behauptung, sie habe „immer gewusst, dass Russland einen Krieg vorbereitet“ und Präsident Wladimir Putin die EU zerstören wolle.

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